Das wird ein Affen-Jahr

Bild der 3. Woche - 19. - 26. Januar 2004

Japan, Momoyama-Zeit, um 1600 Affe Tusche auf Papier, 98,1 x 42 cm Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Inv. Nr. A 77,48 Geschenk Kurt Brasch
Detail aus: Japan, Momoyama-Zeit, um 1600 Affe Tusche auf Papier, 98,1 x 42 cm Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Inv. Nr. A 77,48 Geschenk Kurt Brasch

In China beginnt das Neue Jahr nach dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende, also an einem Tag zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. 2004 fällt das chinesische Neujahr auf den 22. Januar und leitet das Jahr des Affen ein. Der Affe ist das neunte der chinesischen Tierkreiszeichen, von denen es wie in Europa zwölf gibt. Nach chinesischer Auffassung ist der Affe sehr intelligent und stellt hohe Ansprüche. Sein Gedächtnis ist gut und er besitzt eine reiche Phantasie. Seine Kreativität verführt ihn manchmal dazu, der Wahrheit nicht treu zu bleiben und die guten Ideen anderer für seine eigenen Zwecke einzusetzen. Das fällt dem Affen auch nicht weiter schwer, denn er weiß zu überreden und zu überzeugen. Unser Bild zeigt eine Allegorie aus dem Zen-Buddhismus. Der Affe ist für die Zen-Buddhisten ein Symbol für die Illusion und die Vergeblichkeit jeglichen Besitzstrebens. Der mit schwarzer Tusche auf Papier gemalte Affe hängt mit einer Hand an einem Kiefernast, mit der anderen langt er ins Wasser, um das Spiegelbild des Mondes zu ergreifen. Die Reflexion des Mondes im Wasser steht hier für die Illusion und Selbsttäuschung, denn der wirkliche Mond am Himmel liegt in weiter Ferne und läßt sich nicht fassen. Das besondere der Zen-buddhistischen Darstellungen liegt darin, daß nur die für das Verständnis des Bildthemas relevanten Elemente dargestellt werden. So ist zwar der Affe mit dem Kiefernast zu sehen, nicht aber der Teich mit der Reflexion des Mondes. Der Betrachter soll das Bild in seiner Beschäftigung mit dem Thema selbst ergänzen, um auf diese Weise der Erleuchtung ein Stück näher zu kommen.

J. AltmannA. Schlombs