Fächer in goldenem Himmel

Bild der 50. Woche - 15. bis 22. Dezember 2003

Stellschirm mit gemalten Fächern (Ausschnitt), Atelier des Tawaraya Sôtatsu, Sechsteiliger Stellschirm Tusche, Farben, Gold und Silber auf vergoldetem Papier, 95,8 x 267,8 cm, Edo-Zeit, Mitte 17. Jahrhundert, Museum für Ostasiatische Kunst, Slg. Langen, Kat. Nr. 84; (Ausschnitt aus dem 5. und 6. Paneel)
Szene eines Bugaku-Tanzes

Der von den Japanern erfundene Faltfächer (ôgi) war schon im 15. Jahrhundert ein beliebter Exportartikel nach China und Korea. Maler verschiedener Schulen stellten Fächer her. Da Fächer am Ende eines Jahres im allgemeinen ausgemustert und durch neue ersetzt wurden, bestand eine kontinuierliche Nachfrage, sowohl zum alltäglichen Gebrauch als auch zur Dekoration. Es entstand eine Tradition, besonders schöne oder geschätzte Fächer aufzubewahren und diese auf Paneele von Stellschirmen aufzuziehen oder als Hängerolle zu montieren. Im frühen 17. Jahrhundert war das Malatelier von Tawaraya Sôtatsu in Kyôto für seine bemalten Fächer bekannt, die beliebte Souvenirs der alten Hauptstadt Kyôto waren. Die auf diesem Stellschirm gemalten Fächer, einige im geöffnetem Zustand andere sind halb oder ganz geschlossen gezeigt, wurden entworfen, um den Eindruck eines Stellschirms mit tatsächlich aufgeklebten Fächern zu erwecken. Eine Vielzahl von Maltechniken und Themen wurde angewandt, um dieses elegante Fächermuster zu schaffen. Fächer in unterschiedlichen Farben und Formen drehen sich in verschiedene Richtungen, so daß es scheint, als ob sie durch einen goldenen Himmel flögen. Einige Fächer zeigen monochrome Tuschmalereien andere sind in polychromen Stilen gehalten. Neben Motiven aus der Flora und Fauna wird in diesem Ausschnitt auch die Szene eines Bugaku-Tanzes auf einem Fächer (oben links, s. Detailbild) dargestellt. Bugaku, eine Musik- und Tanzkunst, die teilweise unter Verwendung von Masken ausgeführt wird, erlebte ihre Blüte in der höfischen Gesellschaft der Heian-Zeit (794-1185) und lebt als älteste Tanztradition der Welt bis heute an einigen Tempeln und als offizielle kaiserliche Hofmusik weiter.

M. Retterath