Die Drei Könige kamen zwei Tage zu früh

Bild der 52. Woche - 29. Dezember 2003 bis 5. Januar 2004

THESAURUS SS. RELIQUIARUM TEMPLI METROPOLI(ta)ni COLON(ien)sis Neudruck des 1671 im Auftrag des Petrus Schonemann erstmals erschienen Verzeichnisses des Kölner Domschatzes 45,5 x 33 cm; Kupferstich und Radierung von Johann Eckhard Löffler d. Ä. Gedruckt bei Witwe des Nicolaus Theodor Hilden, Köln, 1745 Verlegt von Witwe Riegers »auffm Thumhoff in den H. drey Königen« Kölnisches Stadtmuseum

Dieser Kupferstich zeigt die wichtigsten 35 Heiligtümer des Kölner Domschatzes, wie sie sich vor der Säkularisation darstellten. 1671 hatte der Aufseher der Hohen Domkirche, Peter Schonemann, vom Domkapitel die offizielle Genehmigung erhalten, die bedeutendsten Reliquien des Domes in einem Kupferstich zu vermarkten. Das Zentrum des Blattes nimmt natürlich der Dreikönigenschrein ein. Als die französischen Revolutionstruppen im Sommer 1794 immer näher rückten, ließ das Kölner Domkapitel im August und September 1794 über 400 Kisten, darin die Hauptschätze des Doms, nach Arnsberg, das zum rechtsrheinischen Herrschaftsgebiet des Kölner Kurfürsten gehörte, transportieren. Im Laufe der nächsten Jahre wurden die im Kloster Wedinghausen gelagerten Schätze weiter auf die Reise geschickt, weil man sie nicht sicher wähnte. Ziele waren Soest und Bamberg. Von dort aus gingen 52 Kisten nach Prag, wo ein Kölner Domkapitular Erzbischof war. Die übrigen Kisten wurden wieder nach Wedinghausen gebracht. Im August 1802 wurden 16 Kisten mit den wichtigsten Teilen des Domschatzes nach Frankfurt in das Haus des Scholasters am Bartholomäusstift gesandt. Die Dreikönigsreliquien selbst versteckte man im Hochaltar der Wedinghausener Altarkirche. Hintergrund dieser Aktion war der Reichsdeputationshauptschluss vom 2. August 1802, in dem die weltlichen deutschen Fürsten für den Verlust ihrer linksrheinischen, nun französischen Gebiete mit rechtsrheinischem säkularisiertem Kirchenbesitz entschädigt wurden. 65 Prozent des rechtsrheinischen Kurfürstentums Köln, auch Arnsberg, fielen dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt zu, dessen Truppen schon im September in Arnsberg erschienen, um seine Rechte am Domschatz geltend zu machen. Hessen versuchte, die in Frankfurt lagernden Schätze beschlagnahmen zu lassen, aber mit Hilfe des Vertreters der französischen Regierung konnte dies verhindert werden. Die Franzosen meldeten ebenfalls einen Besitzanspruch an und verlangten, daß die Kisten zurück nach Köln, welches seit 1801 französisches Staatsgebiet war, gebracht würden. Dies geschah im Juni 1803. Allerdings fehlten immer noch die wichtigsten Stücke - die Reliquien der Hl. Drei Könige. Sie wurden im Dezember 1803 von Arnsberg nach Deutz zurückgeführt. über den Rhein setzte der kostbare Transport erst am 4. Januar 1804 und er wurde unter Ehrensalut und Glockengeläut von einer begeisterten Menge empfangen. Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, wurde der Holzschrein mit den Reliquien an seinem angestammten Platz in der Scheitelkapelle des Doms wieder aufgestellt. Durch die unfreiwillige Aufgabe seiner linksrheinischen Besitzungen waren der Kölner Kurfürst Maximilian Franz von Habsburg (gest. 1801) und das Domkapitel in finanzieller Bedrängnis. So begann man schon 1796 mit ersten Verkäufen aus dem Domschatz. In Prag wurden 5 Pfund Gold und 155 Pfund Silber verkauft, der Erlös betrug 13533 Gulden und 45 Kreuzer. Auch ein Drittel der Frankfurter Kisten wurde verkauft und erbrachte 14689 Gulden und 44 Kreuzer (1 Gulden = 2 Reichstaler = 160 Brote). Die erhalten gebliebenen Hauptstücke des Domschatzes, die in der Schatzkammer des Kölner Doms (s. hierzu www.koelner-dom.de) ausgestellt sind, wurden auf persönlichen Wunsch Napoleons im März 1804 dem Dom zurückgegeben. Es handelt sich neben dem Dreikönigenschrein (s. hierzu kleines Bild rechts; Nr. 3 + 4) um den Engelbertschrein (Nr. 5), das Büstenreliquiar des Gregor von Spoleto (Nr. 7), den Petrusstab (Nr. 14), die Mailänder Madonna (Nr. 17), Kreuzreliquiare (Nrn. 18, 28 + 30) sowie das Bartholomäusreliquiar (Nr. 31). Außer den zwischen 1794 und 1804 erlittenen Verlusten fehlen seit dem Diebstahl von 1975 auch die Kusstafel (Nr. 27) und die Prunkmonstranz (Nr. 1).

R. Wagner