Gustave Caillebotte, Voilier sur la Seine à Argenteuil

Bild der 51. Woche - 15. bis 22. Dezember 1997

Gustave Caillebotte (1863-1894), Voilier sur la Seine à Argenteuil, 1893, Öl auf Leinwand, 65,5 x 54,3 cm, Wallraf-Richartz-Museum, Dep. 622

Durch den Ankauf des Bildes "Segelboot auf der Seine bei Argenteuil" von Gustave Caillebotte konnte jüngst das "Kuratorium und Fördergesellschaft Wallraf-Richartz-Museum und Museum Ludwig e. V." die Sammlung der Impressionisten im Wallraf-Richartz-Museum durch ein weiteres Werk des lange verkannten Malers bereichern. Von Caillebotte, dem vielseitigen Maler von Landschaften, Genreszenen, Portraits und Stilleben besitzt das Museum bereits das Bild "Linge séchant au bord de la Seine". Mit dem jüngst angekauften Bild kann nun ein weiteres für den Künstler typisches Motiv, die Darstellungen von Segelbooten und Regatten, sein Werk repräsentieren. Caillebotte war selber leidenschaftlicher Segler und frönte diesem neuen Modesport auf der Seine bei Argenteuil, dem Ausflugsziel für die Pariser Segelclubs. Mit seinen Seglerdarstellungen nahm er ein Motiv Monets auf, der selber viel bei Argenteuil gemalt hatte. Das Bild von Gustave Caillebotte ist in vier horizontale Schichten geteilt. Die zwei unteren Bilddrittel nimmt der in Graugrün gehaltene Fluß ein, es folgt ein schmaler Uferstreifen in gedecktem Rosa, eine bewaldete Zone und zum oberen Bildrand hin grauer, bedeckter Himmel. Dieser streng horizontalen Gliederung setzt das Boot des Seglers einen starken vertikalen Akzent entgegen. Dynamik erhält die Komposition nicht nur dadurch, daß die Vertikale des Mastes leicht aus der Mittelachse nach links verschoben ist, sondern der Mast ist vom Wind auch leicht zur Seite gebeugt. Genauso weicht die Uferlinie leicht von der Horizontale ab, sie steigt zum linken Bildrand hin an und verstärkt den Eindruck von einem schnell fließenden Fluß, der schon durch die pastose impressionistische Malweise vermittelt wird. Weitere Spannung erzeugt der Maler dadurch, daß die Segelspitze des Bootes vom oberen Bildrand überschnitten wird und der untere Bildrand die Spiegelung des Bootes im Wasser schneidet. Diese ausschnitthafte Malweise und dynamische Blickführung sind auf vielen Bildern des Künstlers zu beobachten und werden oft im Zusammenhang mit den sich verbreitenden fotografischen Techniken gesehen. Nur durch die Unterstützung zahlreicher Spender konnte dieses Gemälde angekauft und dem Wallraf-Richartz-Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden. Zusammen mit dem Bild "Linge séchant au bord de la Seine" und einigen Leihgaben aus Privatbesitz kann man sich nun in Köln einen umfassenden Überblick v. a. über die Landschaftsdarstellungen des Malers verschaffen.

K. Kwastek