Mit Turm und Drachen ins Schnütgen-Museum
Neuerwerbung mit Hilfe der Sigurd Greven-Stiftung

Bild der 49. Woche - 1. bis 8. Dezember 1997

Heilige Margaretha (Holz, Höhe 74,5) und heilige Barbara (Holz, Höhe: 71,3 cm), Schnütgen-Museum, Köln, Neuerwerbung 1997
Sigurd Greven

In diesem Sommer wurden mit Hilfe der Sigurd Greven-Stiftung zwei spätgotische Skulpturen bei Sotheby’s in London ersteigert, die den Bestand der gotischen Bildschnitzerei im Schnütgen-Museum aufs glücklichste ergänzen. Die Figur der heiligen Barbara mit dem Attribut des Turmes und dem zu ihren Füßen kauernden heidnischen Vater, dem König Dioskuros, ist ein Meisterwerk der Schnitzerei um 1490. Die feine Modellierung des Gesichtes und der Lockenfrisur, das ruhige Stehen der schlanken Gestalt und die Fülle von Mantel und Kleid weisen auf einen niederrheinischen Bildhauer. Der Legende nach wurde Barbara von ihrem heidnischen Vater mit dem Ziel in einen Turm eingesperrt, ihr den christlichen Glauben auszutreiben. Als Zeichen Ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben ließ sie ein drittes Fenster in den Turm brechen. Die Heilige ist die Patronin der Bergleute, der Baumeister und Maurer. Ihr Fest wird am 4. Dezember gefeiert. Die zweite Skulptur stellt die heiligen Margaretha von Antiochien dar, zu ihren Füßen ein Drache. Margaretha soll der Legende nach im Gefängnis vom Teufel in Gestalt eines Drachens heimgesucht worden sein, der zerbarst, nachdem er die Heilige verschlungen und sie daraufhin in seinem Bauch das Kreuz geschlagen hatte. Immer wird sie als reich gekleidete, fürstliche, junge Frau dargestellt. Der besonders reiche Kopfputz mit den komplizierten Flechten und die geschilderten Tracht mit Schlitzärmeln und kostbar verziertem Mieder, mit Ketten und Gürteln machen ihre hohe Herkunft deutlich. Die Sorgfalt im modischen Detail und die bewegte, schwingende Faltengebung deuten darauf hin, daß diese Figur in den südlichen Niederlande, wahrscheinlich in Brüssel, zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand. Daß die beiden "hillige Mädcher" ins Schnütgen-Museum einziehen konnten, verdanken sie der neu ins Leben gerufenen Sigurd Greven-Stiftung. Vorgestellt wurden sie der Öffentlichkeit am Donnerstag, den 6. November 1997 von der Direktorin Dr. Hiltrud Westermann-Angerhausen. Die Stiftung hat sich nicht nur die finanzielle Unterstützung bei Neuerwerbungen des Schnütgen-Museum zum Ziel gesetzt, sondern auch allgemein die Förderung der Kölner Kultur-, Kunst-, Musik-, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte in Altertum, Mittelalter und Neuzeit zum Stiftungszweck erhoben. In Gedenken an ihren 1981 tödlich verunglückten Mann errichtete Irene Greven diese Stiftung und setzt damit in Zeiten knapper finanzieller Mittel ein Zeichen in der rheinischen Kulturlandschaft.

D. Täube