Jakob Philipp Hackert, Der Herbst

Bild der 46. Woche - 10. bis 17. November 1997

Jakob Philipp Hackert - Der Herbst, 1783 Öl auf Leinwand, 96,5 x 64 cm, Wallraf-Richartz-Museum, WRM 2517

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das Thema der Vier Jahreszeiten bzw. das Thema Herbst mit den Mitteln der Malerei darzustellen. So gibt es Beispiele, in denen der Herbst als Person dargestellt ist, als jemand, der die Früchte seines Lebens erntet. Oder der Herbst wird in der Form einer herbstlich gefärbten Landschaft bildlich vergegenwärtigt. Das zumindest für den Nicht-Städter klarste Symbol für den Herbst ist die Darstellung einer in jedem Herbst anstehenden Ernte, hier im besonderen der Weinernte. Jakob Philipp Hackert wählte diese letztere Form, um für König Ferdinand IV. von Neapel den Herbst neben den anderen drei Jahreszeiten als großes Wandgemälde darzustellen. Während diese Wandgemälde bereits wenige Jahre nach der Fertigstellung zerstört wurden, ist in diesem Gemälde der Entwurf zu diesem Werk als vollständig ausgeführtes Ölbild erhalten geblieben. Im Vordergrund sieht man eine Weinlese mit von wildem Wein bewachsenen Ahornbäumen. Eine Situation, wie sie für die Stadt Neapel Ende des 18. Jahrhunderts typisch war. Zwar erfunden,aber ebenfalls typisch für die Zeit, ist die Schilderung der erntenden Bauern mit ihrem Ochsengespann und der hiermit vermittelte Eindruck vom ländlichen Leben Italiens zur Zeit der Entstehung des Gemäldes. In dieses Umfeld erfundener Details stellte Hackert den Ausblick in eine reale Landschaft, so wie sie der König gesehen haben wird: zwischen den Bäumen hindurch blickt man auf die Stadt Sorrent mit den beiden im neapolitanischen Golf liegenden Inseln Ischia und Procida s. Detail.

T. Nagel