Kamm des Hl. Heribert

Bild der 50. Woche - 8. bis 15. Dezember 1997

Kamm des Hl. Heribert, Metz, 2. Hälfte 9. Jh., Schnütgen-Museum, Köln, Inv. Nr. B 100, Elfenbein, Höhe 19,5 cm

Der Kamm des Hl. Heriberts wurde in der 2. Hälfte des 9. Jahrhundert in Metz hergestellt. Im Mittelpunkt der filigranen Schnitzarbeit aus Elfenbein befindet sich Jesus am Kreuze. Zu beiden Seiten knien die römischen Soldaten Stephanton mit dem Essigschwamm und Longinus mit dem Speer. Maria und Johannes stehen links und rechts und umrahmen die Szene. Die Personifikationen von Sonne und Mond, die sich in zwei runden Scheiben links und rechts vom Kreuz befinden, erkennt man an der Strahlenkrone und der Sichel. Dadurch wird der Tod Christi in den Rang eines kosmischen Ereignisses erhoben. Zwei Engel neigen sich demutsvoll von links und rechts herab. Die großblättrigen Akanthusstauden, die die Rückseite des Kamms ganz bestimmen, sind nicht nur Schmuck, sondern verweisen auf das Kreuz als ein Symbol für das Leben. Sie entspringen aus dem Kreuzesholz, das nach mittelalterlicher Vorstellung aus dem Garten Eden stammt, und zeigen geradezu paradiesische Vegetation. Mit dieser Darstellung wird auf den Erlösertod Christi hingewiesen. Der Kamm fand seine Verwendung bei zeremoniellen Vorgängen, wie dem Kämmen der Haare des Bischofs nach dem überziehen des Ornats vor der Messe. Man versinnbildlichte damit das Ordnen der Gedanken und die Konzentration auf das liturgische Geschehen. Der Kölner Chronist Aegidius Gelenius schreibt 1645, daß der Kamm aus dem Schrein des Hl. Herberts stamme, der 999 - 1021 Erzbischof von Köln war. Ob der Kamm eine königliche Gabe oder ein Geschenk des Bischof Adalberos II. von Metz (984 - 1005) war, ist nicht mehr zu klären.

C. Schäfer