Goethe in Öl

Bild der 32. Woche - 11. August bis 17. August 2014

Heinrich Christoph Kolbe, Bildnis von Johann Wolfgang von Goethe, nach 1826, Öl auf Leinwand, 60 x 49 cm, Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 1686

Die Förderung der zeitgenössischen Kunst war immer schon ein wesentliches Anliegen Goethes gewesen. Zusammen mit seinem Freund und Berater in allen Fragen der bildenden Kunst, Heinrich Meyer, setzte er diese Absicht 1799 in die Tat um durch die Ausschreibung der berühmten Weimarer Preisaufgaben, die bis 1805 stattfanden. Den bildenden Künstlern wurden damals Kompositionsaufgaben nach Themen der klassischen Antike aufgegeben. Heinrich Kolbe nahm schon an der ersten Preisaufgabe teil und wurde sogar ausgezeichnet, zusammen mit einem Mitbewerber. Die in der Propyläen-Zeitschrift veröffentlichte Kritik der von Kolbe eingereichten Zeichnung attestierte dem Maler »geistreichen, lebendigen Ausdruck der Gesichter«. Tatsächlich war Kolbe später als erfolgreicher Porträtist tätig.

Sein »schönes Talent« (Goethe am 23. November 1801 an Jacobi) konnte er mehr als zwei Jahrzehnte später an Goethe selber erproben. Er schuf zwei verschiedene Porträttypen. Das erste war ein Brustbild, für das der Dichter dem Maler 1822 in Weimar saß. Es zeigt den Dichterfürsten mit den Insignien seines Erfolgs, einer ordensgeschmückten Brust und dem Kommandeurskreuz des kaiserlichen Leopold-Ordens als Halsschmuck. Dieses Bild fand kaum weitere Verbreitung. Anders war es mit dem vier Jahre später gemalten Bild, das Kolbe wohl nicht nach Goethe selber, sondern nach einer Büste des Bildhauers Christian Daniel Rauch von 1820 geschaffen hatte. Die Büste von Rauch hielt der Dichter für »wirklich grandios«. Kolbe übernahm in sein Porträt den Kopf, machte aber daraus ein Ganzfigurenporträt: Der Dichter vor dem Golf von Neapel mit dem Vesuv, den Horizont überragend und in ein Notizbuch schreibend. Mit weit geöffneten Augen, als »Seher«, blickt der »Heroe des Geistes« Goethe in die Ferne, mit genialisch offenem Hemdkragen und um den Hals geschlungenen Schal. »Ich für meine Person finde es nicht erfreulich«, urteilte Goethe recht nüchtern über das Bildnis (am 15. September 1824 an Meyer). Doch war gerade dieses zweite Porträterfolgreicher, allerdings wiederum in einer ausschnitthaften Brustbildversion, die Kolbe in den Folgejahren mehrfach replizierte. Die seit 1881 im Besitz des Wallraf-Richartz-Museums befindliche Version dieses zweiten Brustbild-Porträts stammt übrigens aus dem Nachlass des Malers.

G. Czymmek