Massenware?

Bild der 24. Woche - 16. Juni bis 22. Juni 2014

Hans-Peter Feldmann, Antike Figur (1999), 208 cm, bemalter Gips, Köln, Museum Ludwig, ML/SK 5121

Nachdem der in Düsseldorf lebende Künstler Hans-Peter Feldmann (geb. 1941) im Jahre 1975 alte Spielzeugautos mit einer Spritzlackierung versehen hat, beginnt er in den Jahren darauf mit der Kolorierung von Gipsabgüssen berühmter Skulpturen. In fast allen seinen Arbeiten sammelt und verarbeitet der Künstler namenlose Massenkunst und banale Zufallsfunde; denn wenn das klassische Kunstideal das imposante Original ist, ist seines die abgegriffene Reproduktion. Doch gerade die imposanten Originale der abendländischen Kunst werden in Abgüssen und Nachdrucken vermasst, anders gesagt: demokratisiert. Sie verlieren dadurch Nimbus und Schrecken.

Gezeigt wird der Doryphoros (Speerträger) des Polyklet, die wohl bekannteste Skulptur der Antike, entstanden etwa 440 v. Chr.
Feldmanns Vorlage wiederum entstammt dem Münchener Abgussmuseum und war für eine neoklassizistische Parkanlage angefertigt worden. Es handelt sich also um einen Abguss des Abgusses einer Replik (denn das Bronzeoriginal ist verloren gegangen). Die schreienden Farben verstärken den Eindruck, dass es sich um eine billige Kopie handelt. Gerade diese Schäbigkeit verleiht der Skulptur ihren besonderen Reiz.

Museum Ludwig