Baron Hüpsch – Sammler, Gelehrter, Scharlatan

Bild der 52. Woche - 27. Dezember bis 2. Januar 2005

Baron Hüpsch, Ernst Heinrich d’Abel, 1779, Kreidezeichnung; 24,9 x 19,3 cm, Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung G 7386 a

Am Neujahrstag des Jahres 1805, also vor genau 200 Jahren, verstarb in Köln Baron Hüpsch. Der Besuch seiner Sammlung gehörte zum Pflichtprogramm jedes Bildungsreisenden. Sie umfasste Naturalien, Altertümer, Kunstgegenstände, Manuskripte, Bücher, Münzen und Medaillen. Allerdings war diese – selbst für eine an merkwürdigen Persönlichkeiten reichen Epoche – bizarre Person weder ein Baron noch überhaupt von Adel. Er wurde am 31. August 1730 als Jean Guilleaume Fiacre, Sohn des Schöffen und Gerichtsschreibers Gerard Honvlez (gest. 1746) und der Anna Maria Kesler zu Vielsalm im heutigen Belgien geboren. Vermutlich besuchte er in Aachen das Marianum und 1749/50 in Köln das Gymnasium Tricoronatum (Dreikönigsgymnasium). Anschließend studierte er hier ab 1752 Rechtswissenschaften sowie Medizin und Naturwissenschaft, unternahm einige Reisen und lebte seit Mitte der 1750er Jahre als Rentner in Köln. In diese Zeit fällt seine allmähliche Nobiliserung: Er nannte sich schließlich Johann Wilhelm Carl Adolph Freiherr von Hüpsch, Herr zu Lotzen, zu Krickelhausen und auf der Motte. Jean Guilleaume (= Johann Wilhelm) bezog sich auf den Namen der Großmutter: d’Hüps de Lontzen, Herren zu Krickelhausen. Zudem erfand er einen äußerst phantasievollen Stammbaum, der bis zum römischen Geschlecht der Aemilier zurück reichte. Als „feiner Herr“ konnte er selbstverständlich keinen Beruf ausüben, sondern lebte von seinen (bescheidenen) Einkünften. Untätig war er keineswegs – er korrespondierte mit Wissenschaftlern, Sammlern, Fürsten usw. in ganz Europa und darüber hinaus (z. B. der Universität von Batavia), aber auch mit Kranken, denen er mehr oder weniger wirksame Arzneien verkaufte, dabei aber von den Armen wenig, von den Reichen mehr Bezahlung verlangte. Zudem publizierte er emsig zu den unterschiedlichsten Themen. Baron Hüpsch lebte in persönlicher Bedürfnislosigkeit, sein ganzes Vermögen steckte er in seine Sammlungen. Seit 1768 bewohnte er den Lützeroder Hof gegenüber der Johanniterkommende. Nahezu alle Zimmer waren mit seinen ungeordneten, überbordenden Sammlungen gefüllt, das einzig beheizbare Zimmer im Hintertrakt war dem Hausherrn vorbehalten. Die Stadt wollte ihm zu seinem Unwillen kein größeres Haus überlassen, erst die französischen Besatzer wiesen ihm das Palais des Emigranten Zuidwyck in der Gereonstraße zu, das er aber letztendlich doch nicht bekam. Lange Jahre lebte er mit seiner treuen Haushälterin Mechtild Happertz (Köln 1725 – 1805) zusammen, die für die vielen Besucher seines Kabinetts gegen Trinkgeld kenntnisreiche Führungen machte. Der eitle und anmaßende, aber auch dem Geist von Aufklärung und Vernunft verpflichtete Hüpsch war in Köln nicht beliebt. Er rächte sich mit seinem Testament an der Stadt, deren Bürger er seit 1789 war. Zudem befürchtete er, dass die Stadt seine Sammlungen nicht zu schätzen wisse (nicht zu Unrecht, wie der Umgang der Stadt mit anderen Legaten zur Genüge beweisen sollte). So setzte Baron Hüpsch Ludwig X., Landgraf von Hessen-Darmstadt, einen bekannten Sammler, als Erben ein. Ludwig war seit 1802 mit Hüpsch in geschäftlichem Kontakt, nachdem er dessen Mineraliensammlung gekauft hatte. Der Erbe überließ das Wohnhaus Hüpschs der Stadt zu Schulzwecken und sonderte auf ihr Bitten Kölnisches aus und gab es in die Sammlung Wallraf, v. a. Kölner Altertümer wie Steininschriften, alte Waffen aus dem Zeughaus und Manuskripte aus stadtkölnischem Besitz. Die Gemälde galten sowohl dem Vertreter des Erben als auch dem der Stadt als von keinerlei Wert, darunter Werke von Stefan Lochner, dem Bartholomäus-Meister oder Bartholomäus Bruyn d. Ä!

R. Wagner