Doch kein Geburtstag?

Bild der 38. Woche - 20. bis 26. September 2004

Ferdinand Georg Waldmüller, Der Geburtstagstisch, 1840, Öl auf Eichenholz - 63 x 50 cm, Wallraf-Richartz-Museum – Fondation Corboud, WRM 2593
Ferdinand Georg Waldmüller, Porträt der Wiener Schauspielerin Elise Hofer, 1827, Öl auf Eichenholz – 67,5 x 52 cm, Wien, Historisches Museum der Stadt

üppige Blumenbouquets, glänzende Silbergefäße, kostbare Pretiosen und fein geformtes, zartes Porzellan sind die Requisiten für ein wundervoll gemaltes Stilleben mit dem Titel „Der Geburtstagstisch“. Man ist verleitet, darüber nachzudenken, für wen dieser Gabentisch arrangiert worden ist, denn es gibt erzählende Momente, beispielsweise der im Hintergrund versteckt dargestellte Toilettenspiegel mit Silberrand, der auf ein intimes, privates Umfeld schließen läßt. Vor allem aber das scheinbar zufällig die Goldreifen umspielende rosa Seidenband trägt dazu bei, dem relativ kleinformatigen Gemälde etwas Spontanes zu verleihen. Man fragt sich, ob die Dame des Hauses gerade ihre kostbaren Geburtstagspräsente ausgepackt hat? Man könnte sich eine Szenerie vorstellen, die Waldmüller Jahre vor der Entstehung im ‚Portrait einer Wiener Schauspielerin Elise Hofer ‘ (s. kleines Bild rechts) geschildert hat. Einige der Requisiten, wie etwa die Jardiniere mit den 3 Grazien aus Bisquitporzellan finden sich auch in unserem Stilleben. Der Künstler hat nicht den Moment im Gemälde dargestellt, der die verpackten Geschenke zeigt, so wie die Jubilarin ihn an ihrem Ehrentag allem Anschein nach in privatem Umfeld vorgefunden haben könnte. Ferdinand Georg Waldmüller hatte wohl mehr Interesse daran, all die Dinge in ihrer differenzierbaren Stofflichkeit mit ihren nuancierten Farben, Oberflächen und Lichtreflexen darzustellen. Hier geht es um die Darstellung einer prachtvollen Dingwelt. Der Titel des Gemäldes gibt den Anlaß vor, das grandiose Können des Malers zu demonstrieren. Die prunkvolle Erscheinung der Gefäße, der Schmuckstücke und der Frühlingsblumen verleihen dem Stilleben neben der sehr versteckten anekdotischen Komponente, die auf ein privates, häusliches Umfeld schließen lassen, eine repräsentative Note. Das Stilleben entstand zu einem Zeitpunkt, als der Künstler an den Höhepunkt seines Könnens als Stillebenmaler gelangt war. Die Stillebenmalerei war jedoch eher ein Randgebiet seiner Betätigungsfelder. Waldmüller kopierte schon von Jugend an Blumenstücke der niederländischen Stillebenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts, beispielsweise von Rachel Ruysch und Jan van Huysum. Im Gegensatz zu diesen Vorbildern hellte er die Farbpalette auf und kombinierte die Blumen in jahreszeitlicher Auswahl in einer lebendigen Gegenwärtigkeit. Waldmüllers Meisterschaft zeigt sich in einer kaum zu übertreffenden Nähe zur Realität, ohne jede Anspielung auf die symbolische Hintergründigkeit vergangener Jahrhunderte.

K. Brambach