Napoleon ist da! jauchzet, Uferbewohner!

Bild der 35. Woche - 30. August bis 5. September 2004

Säbel „GARDE D’HONNEUR AN XI“, Köln, 1803, Stahl, Gesamtlänge: 91 cm bzw. 86 cm, Klingenlänge. 73 cm, Klingenbreite: 3,5 cm, Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1996/ 156 +157 = W 294 a + b

Im Juli 1803 plante der Erste Konsul Napoleon Bonaparte, das Rheinland zu bereisen. Die Stadt Köln bereitete sich – wie es sich für eine besetzte Stadt gehörte - auf einen prunkvollen Empfang vor, es entstanden hohe Kosten – der Erste Konsul verzichtete jedoch auf den Besuch der vier neuen Departements, die seit dem Frieden von Lunéville 1801 zu Frankreich gehörten. Für den Besuch war auch die Aufstellung einer Ehrengarde (Garde d’Honneur) geplant. Dem stellvertretenden Bürgermeister Friedrich Heinrich Herstatt (der erste Protestant, der in Köln dieses Amt ausübte) war es gelungen, aus der Kaufmannschaft eine Truppe zusammenzustellen. Für diesen Anlass waren sogar schon Säbel geschmiedet worden, wie das hier gezeigte Paar mit der Aufschrift „GARDE D’HONNEUR AN XI“ und „COMMERCE DE COLOGNE“. Zum Einsatz kamen sie aber doch noch und zwar im folgenden Jahr (und so hat man bei einem Säbel versucht, aus dem Jahr XI ein Jahr XII zu machen). Im Mai 1804 war Napoleon „durch die Gnade Gottes und die Konstitution Kaiser der Franzosen“ geworden. Bei der Abstimmung über Napoleons erbliche Kaiserwürde gab es in Köln neben 4198 Ja- nur eine einzige Nein-Stimme: die des Schneiders Henrich Gapperz („Wann Bonaparte mir mein weggenommenes Eigenthum wiedergibt, so macht ich leyden, daß er Kaiser wird.“). Im September 1804 beehrte das Kaiserpaar Köln mit seinem Besuch. Josephine kam am 12. September aus Aachen. Ihr Einzug wurde von Maire (Bürgermeister) Johann Jakob von Wittgenstein mit dem triumphalen Einzug der Stadtgründerin Agrippina verglichen. Jedoch sei Josephine dieser durch ihre Tugenden weit überlegen. Napoleon selbst traf am 13. September aus Neuss kommend am Eigelsteintor ein, wo man ihm die Stadtschlüssel überreichte. Begeisterte Kölner sollen sogar die Pferde vor seiner Kutsche ausgespannt und selbst die Kutsche gezogen haben. Napoleon und Josephine nahmen Quartier im Blankenheimer Hof am Neumarkt (heute Zeppelinstraße). Am folgenden Morgen umritt der Kaiser mit großem Gefolge schon ab 5 Uhr in 32 Minuten die Stadtbefestigung, um ihren Zustand zu überprüfen. Es wurde in Erwägung gezogen, Köln zu einer modernen Festung umzubauen (dieser Plan wurde nach 1815 in die Tat umgesetzt – jedoch von den Preußen!). Am Nachmittag musterte er die Garnison. Dabei fiel Napoleon durch seine einfache bürgerliche Kleidung inmitten seines prunkvollen Gefolges auf. Wie üblich trug er den schwarzen Hut, die Uniform eines Garde-Grenadiers mit Oberst-Epauletten und hohe Kavalleriestiefel mit Stulpen. Lediglich sein Pferd war prachtvoll gezäumt. Für den Abend hatten sich die Stadtoberen ein prunkvolles Spektakel ausgedacht. Die ganze Stadt war geschmückt, überall hingen von Professor Ferdinand Franz Wallraf gedichtete Lobpreisungen auf den Kaiser, z. B. „Napoleon ist da! jauchzet, Uferbewohner“ oder „Napoleon der Große“. Das Kaiserpaar nahm um 9 Uhr auf dem Belvedere des ehemaligen Fischmenger-Zunfthauses, einem Turm der Rheinmauer neben der Salzgassenpforte, Platz, das man mit Möbeln aus Privatbesitz üppig ausgestattet hatte. Von dort aus konnte man den Hafen, das Ufer und zahlreiche Schiffe inmitten des Flusses sehen – allesamt prächtig beleuchtet und geschmückt. Napoleon betrachtete das Schauspiel 15 Minuten lang, verzichtete aber auf die anschließend vorgesehene Rheinfahrt. Am selben Tag hatte die Stadt dem Kaiser eine lange Wunschliste überreicht (– wenn man schon einmal die Gelegenheit hat!). Der gut gelaunte Napoleon, den in Köln die Nachricht erreicht hatte, das der Papst zu seiner Krönung im Dezember nach Paris kommen werde, gewährte einige Bitten sofort. So wurde Köln unter die „bonne villes“ des Reiches aufgenommen, was dem Maire die Teilnahme an der Kaiserkrönung ermöglichte.

R. Wagner