Damit man sie unterscheiden kann
Die Kölner Judenordnung vom 8. Juli 1404

Bild der 27. Woche - 5. bis 11. Juli 2004

Arche Noah, Holzschnitt (9,1 x 12,9 cm), aus: Die Cronica van der hilliger Stat van Coellen. Köln: Johann Koelhoff (Sohn), 1499, fol. 12r

Auf diesem Holzschnitt aus der Koelhoff’schen Chronik von 1499 sind Juden dargestellt – das war dem Zeitgenossen auf den ersten Blick klar, trugen die Personen doch typische jüdische Kopfbedeckungen. In den Feudalgesellschaften des 15. Jahrhunderts waren Kleiderordnungen weit verbreitet. Bestimmte Bekleidungsvorschriften wurden auch von den Rabbinersynoden festgelegt; sie waren aber keineswegs diskriminierend zu verstehen, sondern dienten auch dem eigenen Schutz, indem z. B. bescheidene Kleidung verlangt wurde. Damit sollte allen Neidgelüsten seitens der christlichen Massen vorgebeugt werden. Anderes hatten aber die Bestimmungen im Sinn, die dem 4. Laterankonzil von 1215 folgten. Dort hatte Papst Innozenz gefordert, Juden durch besondere Kleidervorschriften zu kennzeichnen, z. B. dem spitzen Judenhut, um unerwünschten Verkehr zwischen Christen und Juden zu unterbinden. Bis dahin hatten sich Juden im Äußeren wenig von ihren christlichen Nachbarn unterschieden, da sie sich üblicherweise in Landestracht kleideten. Diese neuen, demütigenden Kennzeichnungsbestrebungen verdeutlichten den gesunkenen Status der Juden in der christlichen Gesellschaft – und verschlechterten ihn gleichzeitig. Nachdem im 13. Jahrhundert diese Form der Diskriminierung in den französischen Krondomänen eingeführt worden war, folgte im Juli 1404 Köln als erste deutsche Stadt. Am 8. Juli 1404 erließ der Kölner Rat eine Verordnung, die besagte: „Item die Jueden ind Juedynnen, Jungk ind alt beyde, die bynnen Coelen woynent, ind auch die vremde her koment, soelent alsulge kleydonge dragen, also dat man sy underscheydelichen vur Juden bekennen moege as mit namen“. In 24 Verordnungen wurde festgehalten, daß Ärmel nicht weiter als eine halbe Elle und Kragen der äußeren Kleidung nicht breiter als ein Finger sein durften. Es sollte an Kleidern oben und unten kein Pelzwerk heraus schauen. Zudem durften Juden keine geschnürten Überkleider tragen, Ärmelaufschläge sollten nicht länger als die Vorderseite der Hand sein, Mäntel hatten gefranst zu sein und wenigstens bis zu den Waden reichen. Auch waren keine Umhänge geduldet, die an beiden Seiten offen waren. Weder im Haus noch außerhalb waren Seidenschuhe erlaubt. Die Haare durften oberhalb des Ohrläppchens nicht geschoren werden. Kein Kind über drei Jahren durfte geschlitzte oder gerippte Kleider tragen, kein jüdisches Mädchen ein Haarband, daß mehr als sechs Gulden wert und breiter als zwei Finger war. An Werktagen durften Jüdinnen keine Ringe tragen, die mehr als drei Gulden wert waren und zudem nur einen an jeder Hand. Auch durften sie werktags keine vergoldeten Gürtel tragen und auch keine, die breiter als zwei Finger waren. An jüdischen Feiertagen waren Gürtel bis zwei Mark Silber und Ringe bis sechs Gulden erlaubt. Daneben enthielt diese Judenordnung auch Verhaltensvorschriften: In der Karwoche und an den Ostertagen sollten sich die Juden im Haus aufhalten. Bei Prozessionen oder wenn das Sakrament durch eine Straße getragen wurde, mußten sie ebenfalls im Haus bleiben. An Sonn- und Feiertagen durften Juden vor ihren Türen keine Pfänder anbieten. Auch war es ihnen nicht gestattet, sich in den Rathaushallen aufzuhalten, es sei denn, die Ratsherren hätten sie dort hinbestellt. Vor dem Rathaus durften sie sich nicht versammeln, wenn die Ratsherren darinnen waren; in die und aus der Synagoge, die direkt an das Rathaus grenzte, durften sie dann nur zu zweit oder dritt gehen. Es war ihnen untersagt, ihren Abfall auf die Straße zu kehren (was in Köln bis zur französischen Zeit die übliche Form der Müllbeseitigung war). Sie durften keine Pfänder annehmen bzw. anbieten, die jemand, dem das Pfand abhanden, gestohlen oder genommen worden war, bei ihnen sah. Jeder Jude und jede Jüdin, welche irgendeine dieser Vorschriften verletzten, sollten vom Erzbischof und der Stadt gestraft werden. Zuguterletzt verlängerten die „Herren von Köln und die Freunde der Stadt“ für die schon in Köln lebenden wie die zuziehenden Juden die Aufenthaltsgenehmigung für weitere 10 Jahre.

R. Wagner