Hohe Ideale - Wolkenziele

Bild der 26. Woche - 28. Juni bis 4. Juli 2004

Zeng Mi (geb. 1935), Ziele, hoch wie die Wolken, Tusche auf Papier, 78,5 x 34,5 cm, China, dat. 1992, Privatbesitz

ausgewählte Tuschezeichnungen des Malers Zeng Mi, Teil IV Bildaufschrift: Liu Lang haßte den weiten Weg zum Pengshan, doch ich bin vom Pengshan noch zehntausend Mal weiter entfernt. Im neunten Monat des Jahres renshen [1992] von Sanshi Louzhu selbst aufgeschrieben in Wulin [Hangzhou]. [Anmerkung: Pengshan, Berg in der Provinz Sichuan, wegen seiner Form benannt nach Penglai, der sagenhaften Insel der Unsterblichen.] „Huch – was ist denn da passiert? Was hat denn dieser arme Mann?“ Ein Pinsel liegt neben ihm. Das erklärt alles. Malen auf chinesischem Papier kann einen zur Verzweiflung bringen. Jeder Strich muß sitzen. Gnadenlos offenbart das faserige Papier jede auch nur kleinste Unsicherheit in der Pinselführung. Alles muß in einem Zug niedergebracht werden. Das Ergebnis ist endgültig. Jede Korrektur fällt auf. Da kommt es schnell vor, daß das Bild im Kopf nicht aufs Papier will. Eine heikle Angelegenheit also, die einem im wahrsten Sinne des Wortes Jahre des Lebens kosten kann. Jahrzehntelanges Training ab frühester Kindheit ist erforderlich, um den Pinsel wirklich vollkommen meistern zu können. Für diese Kunst muß man sich selbst beherrschen können. Dafür ist Disziplin in einem Ausmaß erforderlich, die ein westlicher Laie kaum ermessen kann, wenn er ein solches Tuschwerk oberflächlich betrachtet. Im Zeitalter des Kugelschreibers und Computers fällt das automatische Training durch das tägliche Schreiben mit dem Pinsel fort. Ähnlich einem Sportler muß der Künstler täglich sein Pensum an Zeichen schreiben bzw. malen, um durch diese ständige Übung sein Handgelenk locker und schwungvoll zu halten. Doch selbst ein Meister der Pinselführung wie Zeng Mi kennt Momente der Frustration .... ... aber auch überraschende Glücksmomente. Das letzte Bild in dieser Serie, das Sie an dieser Stelle ab dem 19. Juli finden werden, malte sich – laut Aussage des Künstlers - von selbst. Lassen Sie sich überraschen.

B. Clever