Kölnisch, um 1420-25, Maria mit dem Kind im Grünen

Bild der 25. Woche - 16. bis 23. Juni 1997

Kölnisch, um 1420-25, Maria mit dem Kind im Grünen, Nußbaum, 18 x 12,5 cm, Wallraf-Richartz-Museum, Inv.-Nr. WRM 337

Dieses kleine Andachtsbild, vom Wallraf-Richartz-Museum 1865 aus einer Kölner Privatsammlung erworben, wurde vor einiger Zeit gestohlen. In der vergangenen Woche, am 11. Juni 1997, brachte die Kriminalpolizei das Gemälde, das von einer Sonderkommission kurz zuvor sichergestellt worden war, erfreulicherweise wohlbehalten zurück ins Museum. Nun ist das Werk wieder in der Mittelalter-Abteilung. Das Täfelchen, das zusammen mit seinem Rahmen aus einem Stück gefertigt wurde, zeigt die Muttergottes mit dem Christuskind im Freien. Durch den goldenen Hintergrund, der das himmlische Licht symbolisiert, wird die Darstellung in eine geistige Sphäre entrückt. Die hügelige Gartenlandschaft wäre demnach als Paradiesgärtlein zu verstehen. So wird auch verständlich, warum Maria unter ihrem blauen Tuch bereits die Krone der Himmelskönigin trägt. Auffallend ist die gitterartige Anordnung der Bäumchen im Hintergrund: Sie läßt an den "hortus conclusus" - den geschlossenen bzw. umschlossenen Garten als Sinnbild der Jungfräulichkeit Mariens - denken. Bei der Blume, die Maria in ihrer linken Hand hält, könnte es sich um eine wilde Nelke handeln, ein Symbol für den Opfertod Christi am Kreuz. Eine solche Vorausdeutung auf das Schicksal Christi mag auch die melancholische Kopfhaltung und den ernsten, fast sorgenvollen Blick der Gottesmutter erklären. Dem spirituellen Gehalt des Andachtsbildes entspricht in der formalen Ausführung eine lyrische Note, die nicht nur in der zarten Darstellung der Pflanzenwelt, sondern auch in der rhythmisch bewegten Linienführung bei Gewandfalten, Gräsern und Horizont anklingt.

R. Krischel