1. April 1906: Konrad Adenauer startet seine politische Karriere

Bild der 14. Woche - 3. bis 9. April 2006

Brotpräparat, Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung, Berlin, 21.10.1916, Brot in Wachs, hinter Glas; 15 x 18 cm, Kölnisches Stadtmuseum – Weltkriegssammlung

Konrad Adenauer wird am 5. Januar 1876 in Köln als drittes von fünf Kindern geboren. Er besucht das Apostelngymnasium und beginnt nach dem Abitur 1894 mit dem Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Freiburg, München und Bonn. Doch es zieht ihn in seine Heimatstadt zurück und so tritt Adenauer sein Referendariat in Köln an. Hier heiratet er 1904 Emma Weyer (1880–1916). Als er sich am 7. März 1906 um eine freie Beigeordnetenstelle bewirbt, ist er Hilfsrichter am Landgericht der Stadt Köln. Die Stadtverordnetenversammlung wählt den Zentrumskandidaten mit nur zwei ungültigen Stimmen ansonsten einstimmig. Mit der Wahl wird die Rangfolge der Beigeordneten als Vertretung des Oberbürgermeisters festgelegt. Adenauer wird auf die zwölfte und letzte Stelle eingeordnet. Am 1. April 1906, also vor hundert Jahren, beginnt Konrad Adenauer im Alter von 30 Jahren seine politische Laufbahn. Zunächst erhält er die Leitung des Einwohner-Kontrollamts. Adenauer hat die gesamte Vorbereitung und auch Durchführung für alle Wahlen der Stadtverordneten, des preußischen Landtags und des Reichstags zu organisieren. Das wichtigste Dezernat aber, das er übernimmt, ist das der Steuern. Im Juli 1909 wird Adenauer Erster Beigeordneter. Mit der unmittelbaren Vertretung des Oberbürgermeisters Max Wallraf, ein Onkel seiner Ehefrau, steht er als jüngstes Mitglied an der Spitze des Kollegiums. Er wird Dezernent der gesamten Finanz- und Personalverwaltung und steigt zum – nach dem Oberbürgermeister – mächtigsten Mann Kölns auf. Was hat das Brotpräparat aus dem Ersten Weltkrieg mit einem Kölner Beigeordneten zu tun? Wie das hier vorgestellte Stück aus Berlin zeigt, wurde während des Ersten Weltkrieges in ganz Deutschland an genießbaren neuen Brotsorten experimentiert. In dieser Zeit entwickelt auch Konrad Adenauer gemeinsam mit den Brüdern Jean und Josef Oebel, den Inhabern der Rheinischen Brotfabrik, das „ Kölner Brot“ – ein Brot, das der Rationierung nicht unterworfen war, weil es aus Mais-, Gersten und Reismehl bestand. Mais bezog die Stadt  damals aus dem noch neutralen Rumänien. Dieses seit April 1915 hergestellte Brot ähnelte in Aussehen und Geschmack dem beliebten rheinischen Schwarzbrot, täglich wurden bis zu 10.000 Stück hergestellt bis schließlich mit Kriegseintritt Rumäniens 1916 die Produktion eingestellt werden mußte. Das „ Kölner Brot“ ließt sich Adenauer am 2.Mai 1915 patentieren. Besondere Verdienste erlangt er als Ernährungsdezernent durch die geschickte Lebensmittelversorgung während des Ersten Weltkriegs, unter dem Köln als Frontstadt besonders zu leiden hat. Adenauer übernimmt den Vorsitz der Lebensmittelkommission. Zusätzlich wird das Einkaufsamt eingerichtet. Von dieser Dienststelle aus lenkt er die gesamte kriegsbedingte Versorgung der Stadt bis 1917. Adenauers Erfolge in der Lebensmittelversorgung sind vor allem auf sein großes Organisationsgeschick und seinen Erfindungsreichtum zurückzuführen. Als am 30. Januar 1915 das Einheitsbrot zwecks Einsparung von Getreide eingeführt wird, ist Adenauer ein Befürworter dieser Maßnahme. Es werden nur noch Schwarz- und Feinbrot, Mischbrot aus Roggen- und Weizenmehl und Kartoffelmehl zugelassen. Am 18.März 1915 wird das Brotbuch eingeführt, welches Adenauer zunächst ablehnt. Da aber die ministerielle Genehmigung für die Weiterführung der bisherigen Maßnahmen nicht erlangt werden konnte, ist eine strengere Rationierung unumgänglich. Die bloßen Gerüchte um die bevorstehenden Rationierungsmaßnahmen veranlassen Teile der Bevölkerung, Lebensmittel zu horten. Vor allem Brot wird zur absoluten Mangelware in Köln. Deshalb versucht Adenauer, mit seinem „Kölner Brot“ für Abhilfe zu sorgen.

E. Leers