Zur ewigen, goldenen Erinnerung

Bild der 44. Woche - 31. Oktober bis 6. November 2005

Gabriel Hermeling, Das Goldene Buch der Stadt Köln, 1897, Silber, vergoldet, Email, Bergkristall, Holz, Leder, Höhe 35 cm
Rückseite des Goldenen Buches

Nach Kaiser- und Kaiserinnenpokal ließ eine Erweiterung des Ratssilbers zunächst auf sich warten. Im Jahr 1897 – interessanterweise parallel zur Stadt Hamburg – gab die Stadt den Auftrag zur Herstellung eines Goldenen Buches, also eines Buches, in welchem sich hochrangige oder berühmte Gäste der Stadt zumindest mit Ihrer Unterschrift „verewigen“. In den vorangegangenen Folgen dieser kleinen Serie zum Ratssilber war als Motivation der Stadt zur Herstellung dieser kostbaren Geräte die Huldigung an das Herrscherhaus deutlich geworden. Natürlich spielte auch Stadtpatriotismus eine wichtige Rolle. Ein deutlich formuliertes weiteres Motiv zeigt sich bei der Beauftragung des Goldenen Buches: Es ging auch um die Förderung der zeitgenössischen Kölner Goldschmiedekunst. Die Stadtverwaltung wollte „durch bedeutende Aufgaben die Leistungsfähigkeit des cölnischen Kunstgewerbes .. heben“ (Verwaltungsbericht von 1901) und zwar bewußt in Anlehnung an die Architektur des mittelalterlichen Gürzenich, also in klarer historisierender Formensprache und als Anknüpfungspunkt an die alte Größe der Stadt. Die Darstellungen auf Vorder- und Rückseite des Goldenen Buches sind durch den Bezug zur mittelalterlichen Geschichte und Verwaltungsstruktur Kölns geprägt. Das Silberrelief der Vorderseite zeigt den Besuch Kaiser Maximilians I. im Jahre 1505 zum Reichstag in Köln. Dem unter einem Baldachin schreitenden Kaiser treten die (beiden!) Kölner Bürgermeister mit ihren Stäben und Amtsketten zur Begrüßung entgegen. Im Hintergrund erkennt man die markante Architektur des Gürzenich und dahinter wiederum den Rathausturm. Auch das Rankenwerk der Rahmung greift direkt auf mittelalterliche Motive zurück, indem es sich an den Schmuckmotiven des Jurisdiktionsschwertes (Hinrichtungsschwert) der Kölner Erzbischöfe orientiert. Die Rückseite des Buches (s. Bild rechts) greift eine mittelalterliche Bildvorlage auf, die zuerst 1472 und dann in der Koelhoffschen Chronik von 1499 dargestellt wurde: der Reichsadler mit der eingravierten Figur des Kölner Bauers auf der Brust. Auch heute noch ist das neugotisch geprägte Goldene Buch der Stadt im Gebrauch: Anläßlich des XX. Weltjugendtages vor wenigen Monaten trug sich Papst Benedikt XVI. in das Goldene Buch ein. Wenn man so will, trafen also heimlich Kaiser, Papst und Kölner Bürgermeister zusammen. P.S.: Natürlich hat auch der Kölner Karneval ein Goldenes Buch, welches Anklänge an das Original von 1897 erkennen läßt: http://www.goldundschmuck.de/sites/drei.htm

T. Nagel