Kölnisch Wasser aus dem Goldbrunnen

Bild der 45. Woche - 7. bis 13. November 2005

Gabriel Hermeling, Laufbrunnen, 1897, Silber, vergoldet, Email, Bergkristall, Höhe 53 cm, Durchmesser 48 cm, Köln, Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1969/415/3
Blick in das Innere der Laufschale
Gabriel Hermeling, kleiner Adlerleuchter, 1898, Silber, vergoldet, Email, Halbedelsteine, Höhe 47,5 cm, Köln, Kölnisches Stadtmuseum, KSM 1969/415/8-9

Parallel zum Goldenen Buch der Stadt (s. vorhergehendes Bild der Woche) erteilte die Stadt im Jahre 1897 dem Kölner Goldschmied Gabriel Hermeling den Auftrag, einen kostbaren Tafelaufsatz in Form eines Brunnens zu konzipieren. Dieser Laufbrunnen sollte die Funktion haben, Kölnisch Wasser in Umlauf zu bringen. Stilistisch und thematisch steht bei diesem detailreichen Werk eindeutig der Bezug zum mittelalterlichen Köln im Vordergrund, wie bereits die Miniaturform der Stadtmauer als Randbekrönung verdeutlicht. 16 Jahre vor der Herstellung dieses Brunnens hatte der Abriß der Stadtmauer begonnen, sodass diese nun auch zur "Geschichte" der Stadt gehörte. Der Fuß des Brunnens ist in der Sockelzone in drei Nischen geteilt, in denen jeweils einer der drei Kaiser thront, die Köln im Mittelalter die Ehre ihres Besuches gaben: Friedrich III., Maximilian I. und Karl V. Neben ihnen sitzt jeweils ein Page mit dem kaiserlichen Wappen. In der über dem Brunnen aufgerichteten spätgotischen Maßwerkarchitektur sind die Heiligen Drei Könige zu sehen, die jeweils ihre Krone auf einem Kissen als Geschenk tragen. Das Innere der als Sechspaß ausgearbeiteten Brunnenschale ist kostbar mit Motiven in Fensteremail geschmückt (s. Detail rechts). Das Goldene Buch und dieser Laufbrunnen markieren den Zeitpunkt, ab dem es zu einem rapiden Wachsen und zu mehreren neuen Entwicklungen des Ratssilbers kam. So begründeten im folgenden Jahr 1898 die Eheleute Otto und Augusta Deichmann die Tradition der Bürgergeschenke zum Ratssilber, indem sie der Stadt anlässlich ihrer Silberhochzeit zwei kleine Adlerleuchter stifteten (s. Bild rechts). Zugleich erhielt die Idee des Ratssilbers dahingehend eine neue Gestalt, als man sich nun nicht mehr nur auf Ehrenpokale, Tafelaufsätze und Leuchter konzentrierte, sondern auch Tischgerät, Besteck, Schüsseln, Tabletts und ähnliches dem Ratssilber hinzufügte. Insgesamt wurden 928 weitere Teile in den folgenden Jahren – vor allem aber im Jahr 1900 - bei der Werkstatt Gabriel Hermeling bestellt.

T. Nagel