Filmkunst auf der Ehrenstraße

Bild der 48. Woche - 28. November bis 4. Dezember 2022

Einblicke in die Ausstellung Großes Kino! 120 Jahre Kölner Kinogeschichte im Kölnischen Stadtmuseum 2016, Rheinisches Bildarchiv / Sabrina Walz, Köln 2016.

Stadt Köln / Akhlis Abbis 

Das »Broadway« in der Ehrenstraße 11 – eine Kino-Adresse mit langer Tradition. Begonnen hatte alles 1919 in der Frühzeit des Films mit Stummfilmen im »Alhambra-Theater«, es folgten Action, Karate und Sexfilme im »City« bis 1982 mit dem »Broadway« die Filmkunst einzog und das Arthouse-Kino etablierte.

Die letzte Vorstellung
Der 30. November 2001 war ein schwarzer Tag für viele Kölner Kinobesucher und Kinobesucherinnen, denn die Filme auf der Leinwand in der Ehrenstraße bedeuteten zugleich das Abschiedsprogramm. Es lief der Film »Die letzte Vorstellung« – symbolträchtig, geht es doch auch in diesem Film um das Ende eines Kinos, in einer amerikanischen Kleinstadt 1951. »Die Fantome des Hutmachers« wiederum erinnerte an den Abend, an dem das »Broadway« knapp 20 Jahre zuvor am 18.11.1982 seine Eröffnung gefeiert hatte, in Anwesenheit des Regisseurs Claude Chabrol.

Bevor die Lichter endgültig ausgingen in den drei Sälen, im Foyer, im Vorführraum und an der Fassade in der Ehrenstraße gedachten die Kinomacher*innen und das Publikum noch mit einer ganz besonderen Geste diesem Ort: sie erzählten ihre Lieblingsfilme.

Alle Proteste und Versuche, das Ende des Kinos abzuwenden, hatten nichts genutzt. Weder die damalige Kulturdezernentin Maria Hüllenkremer noch die Kulturredakteurin des Kölner Stadt Anzeigers Brigitte Desalm, noch Unterschriftenlisten und Vermittlungsversuche halfen, das Kino zu retten: ein neuer Pachtvertrag mit erhöhter Miete konnte von der wirtschaftlich angeschlagenen Betreibergesellschaft nicht mehr bezahlt werden. Das Kino schloss seine Pforten. Damit ging eine Ära zu Ende.

Was Neues: Programmkino und Filmkunst in der Innenstadt

Das »Broadway« war 1982 das erste - und lange Zeit einzige - Filmkunstkino in der Kölner Innenstadt. Noch drei Wochen vor der Eröffnung liefen hier im »City« Karate- und Sex-Filme. Das Rotlicht-Milieu in der kleinen Brinkgasse war um die Ecke und auf der Apostelnstraße bot das Gloria Pornofilme.

Mit der Neueröffnung zog die Filmkunst ein. Das Programm war stark geprägt von aktuellen europäischen Produktionen, Chabrol und Louis Malle, Fellini, Carax, Carlos Saura, Frears und Doris Dörrie. Daneben boten Heinz Holzapfel, Peter Liese und Abrecht Winterberg aber auch feste Programmschienen mit Filmklassikern und Retrospektiven an.

Eine Adresse mit langer Tradition

Der unscheinbare Neubau in der Reihe von Geschäftshäusern verrät nichts von der langen Kino-Geschichte, mit der diese Adresse verbunden ist. Bereits 1919 wurde hier mit dem »Alhambra-Theater« ein Lichtspieltheater mit 300 Plätzen errichtet. Es war die Zeit des Stummfilms, die neue Kunst der bewegten Bilder war eine Attraktion und zog die Menschen an. Das Kino erlebte seine erste Hoch-Zeit in den 1920er Jahren. Bis 1944 existierte das »Alhambra-Theater«.

Nach dem 2. Weltkrieg eröffnete an derselben Stelle ein neues Kino, das »City«. Es konkurrierte nicht mit den prächtigen Filmpalästen am Ring, mit Ufa Palast, Residenz oder Theater am Rudolfplatz. Hier liefen Western und Zorro-Filme. Nach und nach dominierten Kung-Fu- und Sex-Filme im Versuch, der Kinokrise ab den 1960er und 1970er Jahren zu trotzen.

Atmosphäre und Erinnerung

Mit dem Besuch von Claude Chabrol anlässlich der Premiere seines Films »Die Fantome des Hutmachers« 1982 begann eine besondere Tradition, die die kommenden zwei Jahrzehnte fortgesetzt wurde: mit ihrem Handabdruck in Gips verewigten sich die geladenen Regisseure und Regisseurinnen, eingerahmt zierten sie die Wände des Foyers.
Und noch eine räumliche Besonderheit gehörte zur Atmosphäre des Broadways: das Café nebenan. Vom Foyer getrennt durch Glasscheiben und mit Glasfassade zur Ehrenstraße hin bot sich hier Gelegenheit, nicht nur Kaffee zu trinken, sondern auch zu sehen und gesehen zu werden – vor, nach oder während der Filmvorführungen im Kino.

Neben dem regulären Kinoprogramm öffnete das »Broadway« seine Türen auch für Festivals und Filmreihen, u.a. für eine Mauricio Kagel Reihe, die Feminale oder das Afrikafilmfestival. Nach einem Betreiberwechsel Mitte der 1990er Jahre führt die Krise am Neuen Markt um 2001 zur Insolvenz des Medienunternehmens Kinowelt, zu dem auch das »Broadway« gehörte.

In der Ausstellung »Großes Kino! 120 Jahre Kölner Kinogeschichte« im Kölnischen Stadtmuseum 2016 konnten dank privater Sammler*innen noch der Schriftzug, Schilder aus dem Foyer und ein Original-Kinosessel aus dem »Broadway« präsentiert werden.

 

 

M. Kranen