Mit Kölner Koffern um die Welt

Bild der 29. Woche - 16. Juli bis 22. Juli 2018

Koffer Rimowa, 1970er Jahre. Köln, Kölnisches Stadtmuseum, o. Inv.-Nr. (Foto: RBA Köln)

Jedes Jahr die gleiche Situation: Die Schulferien beginnen, und Familien strömen mit Kind, Kegel und Koffer zu den deutschen Flughäfen. Die Ziele heißen Mallorca, Italien und die Türkei. Hauptsache Sonne, Strand und Meer. In langen Schlangen warten sie darauf, einzuchecken und ihr Gepäck abzugeben. Unzählige Koffer und Taschen werden in die Ferienflieger gepackt. Und in dem ganzen Gewusel fallen einige immer wieder besonders auf: Die Koffer mit den markanten Rillen auf ihrer Oberfläche von der Kölner Firma RIMOWA.

1931 wurde beim Reichspatentamt in Berlin die Marke „Richard Morszeck Warenzeichen“ angemeldet – kurz RIMOWA. Seit 1950 stellt die Firma die bekannten Rillenkoffer aus Aluminium her. Damit die dünne Schicht genug Stabilität hat, wurden die Rillen hinzugefügt. Mittlerweile sind sie zum Markenzeichen geworden und patentrechtlich geschützt. Inspiration holte sich der Erfinder des Koffers, Richard Morszeck, bei der deutschen Flugzeugfirma Junkers. Sie stellte die ersten Flugzeuge aus Leichtmetall her – mit genau den gleichen Rillen.

Nicht nur im Flugzeugbau läutete der Umstieg auf Metall eine neue Ära ein. Auch bei der Kofferherstellung zeichnete sich damit das Ende der Gepäckstücke aus Holz ab. 1898 hatte Paul Morszeck, der Vater von Richard Morszeck, die Sattlerei Görtz & Morszeck in Köln-Müngersdorf gegründet, sich aber schon zwei Jahre später auf die Kofferherstellung spezialisiert. Damals wurden die Koffer individuell nach den Kundenwünschen aus Holz, Sperrholz und Pappe angefertigt. Sein Sohn Richard experimentierte mit dem neuen Material Leichtmetall. 1937 stellte er daraus den ersten Überseekoffer her, der allerdings noch wie ein mobiler Kleiderschrank aussah. Nach 1945 verschrieb sich RIMOWA ganz dem Werkstoff Aluminium und entwickelte kurz darauf den berühmten Rillenkoffer.

Genau zur rechten Zeit! Denn in der Nachkriegszeit feierte der Luftverkehr seinen großen Durchbruch. Zwar war das Fliegen in den 1950er Jahren noch sehr teuer und den Wohlhabenden vorbehalten, doch der Bedarf nach leichtem Gepäck war da. RIMOWA warb deshalb auch mit dem Slogan: „Luftkoffer federleicht und stabil“. Mit den Jahren wurden Flugzeuge und Airlines größer und voller. So entstand die „Economy Class“. Für weniger Komfort und deutlich günstiger als in der „First Class“, wurde Fliegen für die Mittelschicht erschwinglich. Anstatt mit dem Auto nach Italien oder Österreich ging es nun mit Ferienfliegern - wer kennt noch die damalige Lufthansa-Tochter Condor? - zu den Urlaubszielen. Favorit der Deutschen war auch schon in den 1960er Jahren Mallorca. Anfang der 1970er Jahre setzte die Lufthansa das bis dahin größte Flugzeug der Welt ein: die Boeing 747. Mit dem „Jumbo-Jet“ wurde Fliegen zu der Selbstverständlichkeit, die wir heute noch kennen.

Im Laufe der Jahrzehnte haben RIMOWA-Produkte den Ruf besonderer Zuverlässigkeit erworben. Dabei war der Kölner Kofferhersteller nie um Innovationen verlegen. Dieter Morszeck, Sohn von Richard, entwickelte 1976 den ersten wasserdichten Leichtmetallkoffer als Profiausrüstung für Fotografen und Filmleute, die nicht nur Wasser abhielt, sondern auch tropische Hitze und arktische Kälte. 2000 verwendete RIMOWA erstmals Polycarbonat, das eigentlich aus dem Flugzeug- und Fahrzeugbau stammt und noch leichter, aber nicht weniger haltbar oder zuverlässig ist. Die bekannten Rillen dürfen natürlich nicht fehlen. 2016 sind die Koffer auch im digitalen Zeitalter angekommen. Mit einer App und einem integrierten Bildschirm lassen sie sich überall für den Flug einchecken. Das Electronic Tag erspart den Fluggästen langes Warten beim Check-In.

Heute sind RIMOWA-Koffer auf der ganzen Welt gefragt, vor allem in Asien. Anfang 2017 verkaufte Dieter Morszeck große Anteile seiner Firma an den französischen Luxuskonzern LVMH. Der Verkauf soll dabei helfen, die Kölner Koffer weiter im internationalen Luxusgeschäft zu etablieren. Produziert aber wird jeder einzelne Aluminiumkoffer noch immer in Köln-Ossendorf.

A. Holtschneider