Alltag im Karneval

Bild der 09. Woche - 4. März bis 10. März 2019

Heinz Held: Büdchen am Dom, 1950er Jahre. Nachlass Held, Museum Ludwig (Foto/ Abzug: RBA)

Heinz Held (1918-1990) ist einer der bekanntesten Fotografen der Kölner Nachkriegszeit. Als freier Fotograf durchsteift er Köln, wie auch die Welt, immer wieder, um die „Magie des Banalen“, so Held selbst, aufs Bild zu bannen. Der gebürtige Kölner ist ein Beobachter des Alltags, der Menschen auf der Straße. Seine Bilder fangen Szenen ein, die man auch heute noch täglich zu sehen meint. Sein immenses Werk, das das Museum Ludwig seit 1990 verwaltet und bearbeitet, zählt etwa 30.000 Fotografien, dazu Negative, Manuskripte und andere Archivalien.

Held ist ein bescheidener und zurückhaltender Mann, mit großem Interesse an seinen Mitmenschen. Er fängt sie liebe- und humorvoll ein, ohne Pathos und Attitüde. Held selbst hat einmal geschrieben: „Menschlichkeit äußert sich nicht in feiertäglich-leeren und hochtönenden Worten und großmütigen Gesten“. Er hat einen untrüglichen Blick für das Wesentliche einer Situation, einer Stimmung.

Die Szene am Büdchen zeigt dies in Perfektion. Der Besitzer des Kiosks, in dem es Souvenirs zu kaufen gibt, heute aber auch „Ia Hefekügelchen, Stck -,20, 3 Stck -,50“ Pfennigen, bringt drei Lampions an und dekoriert sie mit Luftschlagen. Sonst weist nichts auf Karneval hin, weder auf dem tristen Platz im Südosten des Doms – die Kriegslücken im Herzen der Stadt sind noch lange nicht geschlossen – noch bei den Passanten, noch beim Besitzer selbst. Im trüben Morgendunst füllt der Dom den ganzen Bildhintergrund und wirkt unnahbar. Aber die drei Lampions mit ihren Luftschlangen sind die Boten des Frohsinns, der den Platz bald erfüllen wird.

M. Hamann