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Die Sammlungen des RJM

Grundstein der Sammlungen des RJM waren 3.400 Objekte aus dem wissenschaftlichen Nachlass des Geographen und Völkerkundlers Dr. Wilhelm Joest (1852-1897). Dessen Schwester Adele mit Eugen Rautenstrauch verheiratet war; das Ehepaar stiftete 1899 den Nachlass von Wilhelm Joest der Stadt Köln.

Afrika

Zwei Lederpuppen der Zulu aus Südafrika, einem von Wilhelm Joest 1890 intensiv bereisten Gebiet, tragen die Inventarnummern 1 und 2. Seine Sammlung enthielt zahlreiche seltene Perlenarbeiten der Zulu sowie kunsthandwerklich bedeutende Objekte der Nguni-Völker. Bis in die achtziger Jahre hat die Gesellschaft für Völkerkunde durch Ankäufe weiterer wichtiger Objekte aus dem südlichen Afrika und durch die Übernahme der Sammlung des Afrikanisten Oswin Köhler mit Gebrauchsgegenständen aus Namibia, Botswana und Angola diesen Sammlungsteil kontinuierlich qualitativ und quantitativ wachsen lassen. Wichtige Teile der frühen Afrika-Sammlung stellen wertvolle Metall- und Elfenbeinobjekte aus dem Königtum Benin im heutigen Nigeria dar. Sie wurden von der Familie Rautenstrauch in London erworben, nachdem eine englische Strafexpedition 1897 Benin geplündert hatte und man durch den Verkauf der erbeuteten Metall- und Elfenbeinobjekte die Kosten der Militäraktion abdecken wollte. In den Jahren zwischen 1906 und 1914 wuchs die Sammlung durch zahlreiche Ankäufe, etwa bei Oldman in London, und durch weitere Schenkungen der Familien Joest und Rautenstrauch sowie engagierter Kölner Privatleute und des Fördervereins auf etwa 5.000 Objekte.

Mit dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika kamen nach 1915 unter dem damaligen Direktor Wilhelm Foy insbesondere Objekte aus Kamerun, Togo und Ostfafrika dazu. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Objekte systematisch angekauft oder mit anderen Museen getauscht, um Lücken in der Sammlung zu schließen. Besonders eng war der Kontakt mit dem Museum für Völkerkunde in Berlin, von dem alleine 1921/22 fast eintausend Objekte gekauft oder getauscht wurden. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen über verschiedene Zwischenhändler, wie Gurlitt aus Dresden, hochwertige Einzelobjekte hinzu, deren genaue Herkunft bis heute nur in Einzelfällen geklärt werden konnte.

Die kriegsbedingten Verluste hielten sich durch frühzeitige Auslagerung der Sammlung in Grenzen und wurden später durch weitere Ankäufe ethnographischer Sammlungen wie etwa von Hans Himmelheber oder Enno Beuchelt sowie auf dem internationalen Kunstmarkt ausgeglichen. 1966 erwarb die Stadt Köln aus der Sammlung des Düsseldorfer Künstlers Klaus Clausmeyer 550 afrikanische Objekte, vorwiegend Masken und Skulpturen. Die stellten eine entscheidende Bereicherung des Bestandes unter dem Gesichtspunkt der künstlerischen Qualität von Einzelobjekten dar. Die Mehrzahl der Leihgesuche anderer Museen für Sonderausstellungen betreffen seit dieser Zeit berühmte Stücke aus der Sammlung Clausmeyer.

Ellen Doetsch-Amberger setzte die Tradition der Schenkungen Kölner Bürgerinnen und Bürger 1989 durch die Übergabe von rund hundert Objekten vorwiegend aus Nigeria fort. Ihr verdankt das Museum auch seine altägyptische Sammlung.
Der Gesamtbestand Afrika umfasst heute rund 11.000 Objekte.

Leiterin der Abteilung Afrika ist Frau Dr. Clara Himmelheber.

Asien

Die mächtige Bronzefigur des meditierenden Buddha Amitabha aus dem Japan des 19. Jahrhunderts, die jahrzehntelang in der Arkade neben dem Museumseingang aufgestellt war und später im Treppenhaus des alten Rautenstrauch-Joest-Museums den Blickfang bildete, stammt noch aus der Sammlung von Wilhelm Joest (1852-1897). Die Figur war allerdings lange eine Art Solitär in der Asiensammlung, dem in den Gründerjahren zwar zahlenmäßig wenig, aber dennoch einige qualitätvolle Stücke zur Seite zu stellen waren. 1914 existierten für den asiatischen Bereich jedoch bereits zwei Spezialsammlungen, deren Bedeutung erst in der letzten Zeit richtig erkannt worden ist: die Sammlung zur materiellen Kultur der Ainu aus Japan und die Sammlung von Ritualmasken aus Sri Lanka.

Die qualitätvolle Sammlung von 200 relativ gut dokumentierten Objekten der Sachalin-Ainu sowie der Hokkaido-Ainu belegt repräsentativ und zum Teil sogar durch Unikate die japanische Kultur der Ainu. Die meisten Stücke der Sammlung wurden in den Jahren 1910 und 1914 in der Hamburger Ethnographicahandlung J. F. G. Umlauff erworben, die seit 1889 von Christine Karoline Umlauff, einer Schwester des Tierparkgründers Hagenbeck, geführt wurde. Das Umlauff’sche Weltmuseum präsentierte die damals beliebten Völkerschauen. Ebenfalls aus der Ethnographicahandlung Umlauff stammt − bis auf wenige Ausnahmen − die Sammlung von 275 farbenprächtigen Ritualmasken aus Sri Lanka. Sie wurden an der Südwestküste Sri Lankas bei Heilritualen, die in buddhistischen Traditionen gründen, verwendet.

Die indische Hochkultur war erstmals 1937 durch eine Dauerleihgabe von Eduard Baron von der Heydt (1882-1964), Ascona, Bankier des letzten deutschen Kaisers und späteren Gründers des Züricher Museums Rietberg vertreten. Diese Dauerleihgabe von zehn indischen Steinskulpturen verwandelte er 1954 in eine Schenkung, zusammen mit weiteren Kunstgegenständen aus Indien, Indonesien und der Südsee. 1940 kam eine geschnitzte dreiteilige Portalanlage eines Jaina-Tempels aus Gujarat hinzu, welche vom Wuppertaler Naturhistorischen Museum übernommen wurde. Diesen Sammlungsbereich förderte auch das Aachener Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig. Es übergab dem Museum 1967 die Vishnu-Stele als Dauerleihgabe. Gleichzeitig konnte das Museum zahlreiche figural geschnitzte indische Architekturelemente aus Holz, darunter ein umfangreiches Ensemble himmlischer Musikantinnen, im Londoner Kunsthandel ankaufen.

Eine entscheidende Aufwertung erfuhren die asiatischen Sammlungen des Museums durch den Mäzen Hans Wilhelm Siegel (1903-1997), Ronco sopra Ascona, der dem Museum für Ostasiatische Kunst der Stadt Köln schon lange freundschaftlich verbunden war und den größten Teil seines Lebens in China verbracht hatte. 1984 veranstaltete das Rautenstrauch-Joest-Museum die Ausstellung "Das zeitlose Bildnis - Plastische Kunst der Mon, Khmer und Thai", mit Stein- und Bronzefiguren aus dem Besitz von Hans Wilhelm Siegel. Diese Sammlung wurde 1986 vom Museum erworben. Den hauptsächlich kleineren Skulpturen der ehemaligen Privatsammlung konnten, auch Dank der Hilfe des Landes NRW, in den folgenden Jahren durch eine gezielte Ankaufspolitik eine Reihe von Khmer-Großskulpturen hinzugefügt werden, so 1988 ein Türsturz aus dem 11. Jahrhundert, 1991 eine Shiva-Statue aus dem 9. Jahrhundert und 1994 die Skulptur einer weiblichen Gottheit (1150-1177). Die Thai-Kunst, deren Bestände neben der Sammlung Siegel aus einer Schenkung von Georg Küppers-Loosen, Köln, im Jahre 1908 kamen, erhielt 1992 ein neues Zentrum durch die große Bronzefigur des Schreitenden Buddha aus dem 15. Jahrhundert. Diese war dem Museum von Wolfgang Kühns-Bernsau, Düsseldorf, testamentarisch vermacht worden. Auch die keramische Kunst Südostasiens ist durch umfangreiche Bestände repräsentativ vertreten. Diese ehemals aus dem Besitz von Hans Wilhelm Siegel stammenden Bestände wurden 1991 vom Museum für Ostasiatische Kunst dem Rautenstrauch-Joest-Museum überwiesen. Dazu gehörte auch die von Karl-Heinrich Müller, Düsseldorf, 1982 geschenkte Sammlung von Ban-Chiang-Keramiken und -Bronzen aus der prähistorischen Kultur Thailands.

Interesse des Museums am vorderasiatischen Raum zeigte sich, als in den fünfziger und Anfang der sechziger Jahre Bronzen und Keramiken aus Luristan aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. angekauft wurden. Hinzu kam 1988 und 1989 eine riesige Sammlung von Alltagsgegenständen und Textilien aus Syrien und der Türkei, die meist direkt im Land erworben worden waren. Gewicht erhielt der vorderasiatische islamische Bereich durch die Übernahme der Sammlung des Baron Max von Oppenheim (1860-1946) als Dauerleihgabe der "Max-Freiherr-von-Oppenheim-Stiftung", Berlin. Dieser Entdecker und Ausgräber des hetithischen Siedlungshügels Tell Halaf in Syrien unterhielt in Berlin ein eigenes Museum für seine Funde aus Tell Halaf. Seine islamischen Objekte dekorierten die Räume seiner Wohnung am Kurfürstendamm in Berlin. Insgesamt sind es etwa 1.500 Objekte, inklusive der Textiliensammlung, die den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten und 1989 in die Obhut des Rautenstrauch-Joest-Museums gegeben wurden.

Leiterin der Abteilung Asien ist Frau Dr. Annabelle Springer.

Hinduistische Bildwelt

Ulrich Wiesner: Hinduistische Bildwelt. In: Kölner Museums-Bulletin 01/1996.

Insulares Südostasien

Die ersten Stücke der etwa 8.500 Inventarnummern umfassenden Sammlung der Abteilung wurden von dem aus einer wohlhabenden Kölner Kaufmannsfamilie stammenden Weltreisenden Wilhelm Joest (1842-1897) gesammelt. Regional gehören dazu: die Großen und Kleinen Sundainseln, die Molukken, Sarawak und Sabah − die zu Malaysia gehörenden Teile der Insel Borneo −, das Sultanat Brunei,  die Inselwelt der Philippinen, Taiwan, Botel Tobago, die Andamanen und Nikobaren. 1879 brach Joest zu seiner dritten großen Reise auf, die ihn unter anderem nach Ceram, Celebes (Sulawesi), Sumatra und auf die Philippinen führte. Leider ist seine Privatsammlung, die er seiner mit dem Kölner Kommerzienrat Eugen Rautenstrauch verheirateten Schwester Adele vererbte und die diese der Stadt Köln vermachte, nur schlecht dokumentiert. Einige hundert von Joest zusammengetragene Objekte bilden den Grundstock der Abteilung.

Hervorragend dokumentiert ist hingegen ein von dem britischen Kolonialverwalter Charles Hose (1863-1929) zusammengestelltes Sammlungskonvolut von über 200 Inventarnummern, hauptsächlich von den Kayan und Kenyah, zwei am oberen und mittleren Baram in Sarawak und Kalimantan lebenden Völkern. Hose verbrachte 24 Jahre seines Lebens (1884-1907) in dem seinerzeit unter britischer Verwaltung stehenden Nordwesten der Insel Borneo. Er widmete sein Leben der Erforschung der Kultur der Dayak-Völker, wovon seine in Fachkreisen noch heute geschätzte zweibändige Ethnographie »The Pagan Tribes of Borneo« zeugt. In den Jahren 1907 bis 1909 gelang der Ankauf von über 300 seiner über die Londoner Firma Eduard Gerrard angebotenen Objekte.

Eine Kollektion von über 500 Objekten von den Kleinen Sundainseln wurde 1907/08 von Theodor Heinrich Thomann für das Rautenstrauch-Joest-Museum gesammelt. Ein Jahr zuvor machte der Kölner Georg Küppers-Loosen dem Museum an die 200 auf den Philippinen erworbene Ethnographica zum Geschenk. Besondere Erwähnung verdient auch die umfangreiche Sammlung, die der Berliner Zoologe Albert Grubauer während seiner Reisen auf Java, Sumatra und Borneo in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts erwarb. 1911 weilte er dreieinhalb Monate auf Celebes (heute Sulawesi). Seinen Reisebericht publizierte er zwei Jahre später unter dem reisserischen Titel »Unter Kopfjägern in Central-Celebes«. Das Rautenstrauch-Joest-Museum besitzt weit über 500 von Grubauer gesammelte Artefakte. 235 frühe Stücke stammen von den Molukkeninseln Ambon, Ceram und Misol, die Odo Deodatos Tauern in den Jahren 1911/12 besuchte. 1918 erschien sein Buch »Patasiwa und Patalima. Vom Molukkeneiland Seram und seinen Bewohnern«.

Ebenfalls von den Molukken kommen die etwa 1.500 Objekte der bedeutenden Sammlung Müller-Wismar: jeweils über 600 vom Tanimbar- und vom Babar-Archipel, kleinere Konvolute von den kleineren früher sogenannten Südwesterinseln. Der in Wismar geborene Ethnologe Wilhelm Müller (1881-1916) unternahm in den Jahren 1912 bis 1914 eine Forschungs- und Sammelreise nach Ostindonesien. Die meisten Stücke seiner Sammlung sind akribisch dokumentiert, nicht wenige zudem in situ fotografiert. Die Köln zugedachte Sammlung wurde 1924 in den Bestand integriert.

In den fünfziger und sechziger Jahren fanden umfängliche Tauschgeschäfte mit anderen Völker- oder Naturkundemuseen statt. Man gab großzügig ›Doubletten‹ aus eigenem Bestand ab, um im Tausch Lücken aufzufüllen - eine Praxis, die nachhaltig das historisch gewachsene Profil der Sammlung veränderte.

In den sechziger und siebziger Jahren bereicherten zahlreiche ethnographische Objekte aus dem Besitz ehemals auf Sumatra, Nias und Borneo stationierter Missionare den Bestand. Auch wuchs der Bestand 1966 durch den Erwerb der Ethnographica-Sammlung des Düsseldorfer Künstlers Klaus Clausmeyer (1887-1968), der sich in seiner Wohnung und in seinem Atelier bevorzugt mit Kunstgegenständen aus Afrika und Ozeanien umgeben hatte. An die dreißig Ahnenfiguren aus Nias (ehemals Besitz des Missionsmuseums Wuppertal-Barmen) und einige weitere Objekte von Leti, Sumatra, Java und Borneo erweiterten die Sammlung. Zudem wurde die Batak-Sammlung wesentlich ergänzt.

1984 gelang der Ankauf eines kompletten Reisspeichers der im Süden der Insel Sulawesi lebenden Sa’dan-Toraja. Ebenfalls aus dieser Region stammen zwei beschnitzte Holzsärge in Büffelform und eine komplette Kriegerrüstung, die dem Haus geschenkt wurden. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren erfuhren in den letzten Jahren auch die Schmuck- und die Wayang-Sammlung systematischen Ausbau. Jüngster spektakulärer Neuzugang ist ein vollständiges historisches Gamelan-Instrumentenensemble aus Zentraljava.

Leiterin der Abteilung Insulares Südostasien ist Frau Dr. Jutta Engelhard.

Ozeanien

Die Ozeaniensammlung bildet mit etwa einem Drittel des Gesamtbestandes die größte Abteilung des Museums. Die ersten rund 900 Objekte der Sammlung kamen aus dem Nachlass Wilhelm Joests (1852-1897), der sie bis auf einige im Handel erworbene Stücke während seiner Weltreise 1896/97 zusammengetragen hatte. Über die Hälfte der Artefakte erstand er auf der letzten Station seiner Reise, den Santa-Cruz-Inseln, deren materielle Kultur Joest mit seiner Sammlung und durch Fotografien weitgehend erfassen konnte.

Nicht hoch genug einzuschätzen sind die Verdienste, die sich Georg Küppers-Loosen (1860-1910) um die Ozeanienabteilung erworben hat. Mehr als 20 Prozent des heutigen Bestandes verdankt die Abteilung dem bereits 1905 zum Donator des Museums ernannten Kölner Mäzen, der ein Jahr zuvor selbst die Südsee bereist und es zu seinem Anliegen gemacht hatte, Sammlungen für das Haus zu erwerben und potentielle Stifter für Schenkungen zu gewinnen. Über ihn gelangten einige bedeutende Sammlungen ins Haus, darunter die mehr als 1.000 Objekte umfassende Melanesiensammlung Paul Lückers, eines Stationsvorstehers der Neu-Guinea-Kompagnie, und die Sammlung Hans Rodatz’, eines Teilnehmers der deutschen Ramu-Expedition von 1898. Auch Angehörige der Stifterfamilie Rautenstrauch unterstützten das Museum mit zahlreichen Schenkungen. Julius Rautenstrauch zum Beispiel erwarb für das Museum die umfangreiche und gewissenhaft dokumentierte Südseesammlung Curt Danneils, der um die Jahrhundertwende als Arzt der Neu-Guinea-Kompagnie im Bismarckarchipel arbeitete.

Das Gros der von Kolonialbeamten, Reisenden und Missionaren erworbenen Objekte stammte aus den früheren deutschen Kolonialgebieten, insbesondere aus Deutsch-Neuguinea und dem angrenzenden Bismarckarchipel. Eine nennenswerte Ausnahme ist die Schenkung des Kölners Hans A. Schlösser, dem die Abteilung einen Großteil der Sammlung des australischen Fotografen John William Lindt mit Artefakten aus Südostneuguinea, Vanuatu, Fiji und Australien verdankt. Sammlungslücken versuchte der erste Direktor des Hauses, Wilhelm Foy (1873-1929), durch Zukäufe aus dem Ethnographicahandel zu schließen. So rekrutiert sich der Neukaledonienbestand überwiegend aus Ankäufen bei der Hamburger ›Naturalien-Handlung‹ Umlauff, und vom Londoner Handelshaus Gerrard & Sons erwarb Foy zahlreiche Objekte aus den Zentral- und Südostsalomonen.

Im Vergleich zu Melanesien, der mit gut Dreiviertel aller Objekte zahlenmäßig am stärksten vertretenen Region der Abteilung, fallen die anderen Gebiete Ozeaniens mit jeweils weniger als 2.000 Objekten quantitativ kaum ins Gewicht. Nichtsdestoweniger verfügt die Mikronesiensammlung über einen ausreichend repräsentativen Bestand an Alltagsgerät, Kleidung und Schmuck, um die materielle Kultur der niedrigen Korallen- und hohen Vulkaninseln in wesentlichen Aspekten darzustellen. Besondere Erwähnung verdient hier die 1920 erworbene Sammlung des deutschen Kapitäns C. Jeschke, der sich zwischen 1910 und 1913 in Mikronesien aufhielt und dem das Museum unter anderem eine außergewöhnlich ausdrucksstarke Götterfigur von der polynesischen Exklave Nukuoro verdankt.

Polynesien ist mit Ausnahme Fijis und Samoas in der Sammlung unterrepräsentiert, dafür aber mit einer Reihe qualitativ hervorragender Einzelstücke wie einem hawaiianischen Federmantel vertreten. Schwerpunkt der Australiensammlung ist der gesamte Norden des Kontinents von den Kimberleys bis zum Cape York, wobei mehr als die Hälfte des Bestandes auf der 1908 von Marie von Bernstorff und der Familie Rautenstrauch gestifteten Sammlung des Breslauer Anthropologen Hermann Klaatsch (1863-1916) basiert, der sie zwischen 1904 und 1907 auf seinen australischen Reisen zusammentrug.

Knapp 70 Prozent des jetzigen Ozeanienbestandes wurden bereits vor dem Ersten Weltkrieg, in der Hochphase ethnographischen Sammelns, erworben. Dementsprechend sind Gebiete in der Sammlung unterrepräsentiert, die erst zu einem späteren Zeitpunkt von Europäern entdeckt und erforscht wurden, wie zum Beispiel das Zentrale Hochland von Neuguinea. Zur Ergänzung des Bestandes und Schließung von Sammlungslücken tauschte man seit den zwanziger Jahren vermehrt Dubletten mit anderen Völkerkundemuseen (so mit Berlin, Dresden, Stuttgart, Frankfurt und Bremen) und in geringerem Maße auch mit Ethnographicahändlern und Sammlern, eine Praxis, die bis in die siebziger Jahre anhielt. Schenkungen wie der 1933 gestiftete Nachlaß des Dürener Fabrikanten Leopold Peill mit Neuguinea-Objekten vom Unter- und Mittellauf des Sepik trugen zudem dazu bei, Lücken im Bestand zu schließen.

Unter den nach 1945 ins Haus gekommenen Südseesammlungen sind vor allem zwei Konvolute von Bedeutung: zum einen die Sammlung des Ethnologen und damaligen Museumsmitarbeiters Carl A. Schmitz, die dieser Mitte der fünfziger Jahre während seiner Neuguinea-Expedition im Hinterland der Huon-Halbinsel erwarb, zum anderen die 1966 angekaufte umfangreiche Sammlung des Düsseldorfer Künstlers Klaus Clausmeyer, durch die insbesondere der melanesische Bestand eine wesentliche Bereicherung erfuhr. Nennenswerte Neuerwerbungen in den achtziger Jahren beschränkten sich im wesentlichen auf Großobjekte wie einen Yamsspeicher von den Trobriand-Inseln sowie ein knapp zehn Meter langes Plankenboot von den Zentralsalomonen.

Leiter der Abteilung Ozeanien ist Herr Dr. des. Oliver Lueb.

Polynesien-Sammlung

Hilke Thode-Arora: Von fernen Südsee-Inseln. Zur Katalogisierung der Polynesien-Sammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums. In: Kölner Museums-Bulletin 03/1998.

Amerika

Mit rund 7.000 Objekten ist die Sammlung »Amerika» im Rautenstrauch-Joest-Museum das kleinste der fünf nach den Kontinenten benannten großen Sammelgebiete. Dies lässt sich sowohl mit der historischen Entwicklung, insbesondere der deutschen Kolonialgeschichte, als auch mit der des Faches Völkerkunde und den Vorlieben seiner Vertreter im Museum erklären. Die einzelnen Faktoren können jedoch nicht unabhängig voneinander gesehen werden.

Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts, als Wilhelm Joest durch seine Sammeltätigkeit die Grundlage für das spätere Rautenstrauch-Joest-Museum legte, standen in fast allen Ländern die Kolonien in Afrika und Ozeanien im Mittelpunkt des völkerkundlichen Interesses. Wie der erste Direktor des Museums, Wilhelm Foy, 1910 schrieb, sollte das Völkerkundemuseum Anschauungsmaterial bieten für diejenigen, die in die Kolonien hinaus gingen, um sie »vor Mißverständnissen und Mißgriffen im eigenen Benehmen zu bewahren«. In diesem Sinne war Amerika bedeutungslos. Wilhelm Joest selbst, der − vor seinem Tod 1897 bei einer Forschungsreise in der Südsee − sowohl in Südamerika als auch in Mexiko und Nordamerika gereist war, scheint diese Reisen nicht immer für gezieltes Sammeln genutzt zu haben. Er brachte eine Reihe von landestypischen Gegenständen mit, die eher den Eindruck eines allgemeinen touristischen Interesses vermitteln, wie seine mexikanische Reitausrüstung oder die an den Niagarafällen an Touristen verkauften Untersetzer mit indianischer Stickerei aus Stachelschweinborsten und Elchhaaren. Immerhin stammt aus dieser Zeit vor Ende des 19. Jahrhunderts auch eine von Wilhelm Joest mitgebrachte qualitätvolle Kollektion ethnographischer Keramik aus Guayana.

Kurz nach der Jahrhundertwende bildete sich im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln um den Direktor Wilhelm Foy (1873 - 1929) und Fritz Graebner (1877 - 1934, ab 1906 Foys Assistent, ab 1924 Direktor des RJM) die Schule der ethnologischen Kulturkreislehre heraus. Diese legte weniger Wert auf die Erfassung einer individuellen Kultur als geistiges und materielles Gesamtgebilde als auf die äußere Form von Objekten, aus denen sie auf historische Verwandtschaften zwischen den Kulturen schloss. Auf dieses Forschungsinteresse ist sicher der im Jahre 1902 erfolgte Kauf mehrerer hundert nur wenig bearbeiteter prähistorischer Steingeräte aus dem Osten der USA zurückzuführen. Erfreulicherweise war dieser Ankauf nicht repräsentativ für die folgenden Erwerbungen aus Nordamerika, die 1903 eine umfangreiche und sehr gute Sammlung von der Nordwestküste Kanadas und eine kleinere der Plainskulturen einschlossen, beide von dem renommierten Hamburger Händler Umlauff. Hervorragende Einzelstücke wie die frühe Bisonrobe der Pawnee stammen aus Schenkungen oder wurden im Handel erworben, schon damals häufig mit Mitteln des Fördervereins. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren jedoch die indianischen Kulturen Nordamerikas, vor allem die der Plains und der Prärie, die das Bild der Plainskulturen in Europas prägten, von der Vernichtung bedroht, und wirklich traditionelle Stücke waren kaum mehr erhältlich.

Dieses Diktum traf zweifellos nicht auf die damaligen Kulturen des südamerikanischen Tieflandes zu, von denen viele erst um jene Zeit im Verlauf des Kautschukbooms stärker von den Weißen beeinflusst wurden und wo noch gezieltes Sammeln möglich gewesen wäre. Eine Ausnahme bildet die Gran-Chaco-Sammlung des »Explorador Fric«. Ansonsten sind meistens nur Einzelstücke oder wenig umfangreiche Sammlungen, anscheinend mehr zufällig, in den Besitz des Rautenstrauch-Joest-Museums gelangt. Das gleiche gilt, wenn überhaupt, für die Ethnographica der indianischen Bevölkerung des Andengebietes, Mexikos und Guatemalas. Der Ankauf von Objekten erfolgte von gelegentlich anbietenden Einzelpersonen oder von Händlern. Allerdings wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auch von ausgewiesenen Forschern größere Sammlungen erworben, so 1955 von Johannes Wilbert die Warao-Sammlung aus Venezuela oder 1977 die Sammlung Florian Deltgen und Karl-Georg Scheffer von den Yebamasá aus dem kolumbianischen Tiefland und 1981 die Sammlung Gerd Dörner mexikanischer Volkskunst. Leider haben aber der Zweite Weltkrieg und die damals notwendigen Aus- und Wiedereinlagerungen der Bestände sowie die ›Jahrhunderthochwasser‹ des Rheins in den neunziger Jahren den Ethnographica aus Amerika, vor allem bei Gegenständen mit Federn, aber bedauerlicherweise auch wesentlichen Teilen der Eskimosammlung unersetzbare Verluste zugefügt.

Für die Bestände aus dem Bereich der komplexen Staaten und Gesellschaften des vorspanischen Amerikas lässt sich zunächst eine ähnliche Entwicklung aufzeigen. Unter den wenigen Zugängen Anfang des Jahrhunderts fällt eine recht umfangreiche Sammlung von Fälschungen aus Kolumbien auf, die anscheinend bewusst angekauft wurde, um auch solche Fabrikationen zeigen zu können. Eine sehr viel spätere Auswirkung davon war, daß dieses Sammlungsgebiet nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Fälschungen aus dem Kunsthandel zum Geschenk erhielt. Insgesamt umfaßten die Altamerikabestände des Rautenstrauch-Joest-Museums Mitte der sechziger Jahre eine umfangreiche, wenn auch nicht repräsentative Perusammlung und einen kaum erwähnenswerten Bestand an Objekten aus Mesoamerika, Costa Rica und Kolumbien.

Dieser Stand änderte sich dank des Engagements des Sammlerehepaars Peter und Irene Ludwig aus Aachen. Seit der Mitte der sechziger bis Anfang der siebziger Jahre erwarben diese im Einvernehmen mit dem Museum eine Altamerikasammlung, die einige Lücken in dessen Perusammlung schloß, aber vor allem für den Bereich Mesoamerika international aufsehenerregende Stücke enthielt. Die Sammlung Ludwig Altamerika wurde 1983 dem Museum Ludwig der Stadt Köln als Schenkung mit der Maßgabe übergeben, sie als Dauerleihgabe dem Rautenstrauch-Joest-Museum zur Verfügung zu stellen. Im Zuge dieser engagierten privaten Sammlertätigkeit konnte auch das Rautenstrauch-Joest-Museum dank großzügiger Spenden aus der Industrie einige bemerkenswerte altamerikanische Gegenstände selbst erwerben.

In den letzten Jahrzehnten ist es nicht mehr zu wirklich wichtigen Erwerbungen für die Amerikaabteilung gekommen. Ursachen hierfür sind in den Herkunftsländern veränderte rechtliche Rahmenbedingungen für den Export präkolumbischer Kunst und moderner Ethnographica, aber auch eine aus diesem Grund von den westlichen Museen bewusst eingehaltene Abstinenz bei ihrem Erwerb. Hinzu kommt der zunehmende Mangel an öffentlichen Mitteln und Sponsoren.

Leiterin der Abteilung Amerika ist Frau Dr. Anne Slenczka.

Europa

Peter Mesenhöller: Die Europa-Sammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums - ein volkskundlicher Annex?. In: Kölner Museums-Bulletin 03/2005.

Mit über 65.000 Objekten gilt das Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde als eines der wichtigen ethnologischen Museen Deutschlands. Dass sich in seinem Bestand auch ›volkskundliche‹ Objekte befinden, ist weitgehend unbekannt. Der vorliegende Beitrag vermittelt eine erste Einschätzung der Geschichte der Europa-Sammlung des Hauses. Dargelegt wird ihr Aufbau, ihre nahezu vollständige Abgabe im Tausch mit dem Berliner Museum für Völkerkunde im Jahre 1937 sowie der Versuch ihrer Neuetablierung im Hinblick auf das jeweilige Sammlungsinteresse und seine Implikationen.

Textilien

Die Textilsammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums bewahrt − die Textilien und Kostümteile zusammengenommen − rund 3.500 Objekte. Die Schwerpunkte liegen in Indonesien und im Vorderen Orient mit je rund 750 Textilien und Ozeanien mit etwa 650 Textilien. Afrika und Amerika sind durch jeweils 370 Textilien vertreten. Dazu kommen Kostümteile aus China und Japan, dem südostasiatischen Bereich sowie Europa. Außerdem existiert eine archäologische Sammlung mit Fragmenten und mehreren herausragenden Textilien aus Altperu und Ägypten.

Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle textilen Techniken und eine Vielzahl an Materialien mit Beispielen vertreten. Neben Zeremonialtextilien und vollständigen Kostümen und Gebrauchstextilien gibt es zahlreiche Arbeits- und unterschiedliche Webgeräte sowie kleine Sammlungen von Faden- und Färbematerialien. Verschiedene Produktionsstadien bei der Herstellung von Batiken und Ikatreservierungen sind ebenfalls durch Beispiele belegt.

Mehr als ein Drittel des Textilbestandes gelangte vor 1925 ins Museum. Die ersten Stücke stammen noch von Wilhelm Joest, dessen umfangreiche, auf Forschungsreisen Ende des 19. Jahrhunderts erworbene Sammlung den Grundstock des Museums bildete. Bis in die siebziger Jahre wurden Textilien fast nie als eigenständiges Sammelgebiet angekauft, sondern waren Bestandteil größerer Konvolute. Das änderte sich erst in den letzten 20 Jahren. Angeregt durch das Forschungsprojekt »Indonesische Textilien in den Museen Nordrhein-Westfalens« und die 1984 daran anschließende Ausstellung »Indonesische Textilien« im Rautenstrauch-Joest-Museum in Verbindung mit einem internationalen Symposium, wurden gezielt indonesische Textilien erworben, teilweise durch umfangreiche Schenkungen von Sammlern. Eine weitere wichtige Textilausstellung, diesmal über palästinensische Kostüme, im Jahr 1987 verlagerte das Interesse auf den Vorderen Orient. Der bis dahin sehr kleine Bestand wurde durch fast 400 Ankäufe erweitert. Weitere Textilien und Kostümteile, insgesamt 350, kamen durch die Übernahme der umfangreichen Sammlung von Max Freiherr von Oppenheim hinzu. So wuchs die Textilsammlung in den letzten 20 Jahren um mehr als 1.100 Zugänge an; als Sammelgebiet mit der höchsten Zuwachsrate wird die Textilsammlung seit kurzem als eigenständige Abteilung geführt. Der Bestand ist geographisch geordnet.

Insulares Südostasien:

Die Region mit dem umfangreichsten und ältesten Textilbestand ist Indonesien. Die ersten Stücke aus Sumatra, Java und Bali erstand Wilhelm Joest Anfang 1880 auf seinen Reisen. Aus der gleichen Zeit stammen 16 Textilien aus Borneo, die der berühmte Rajah von Sarawak, der englische Regierungsbeamte Charles Hose, dort während seiner Amtszeit erworben hatte. Herausragend ist ein Konvolut von 120 Textilien aus den Südlichen Molukken, die zu der großen Sammlung des Forschers Wilhelm Müller-Wismar aus den Jahren 1912/13 gehören. Damit besitzt das Museum international die umfangreichste alte Textilsammlung aus diesem Gebiet. Aus der gleichen Zeit stammen Textilien aus Borneo und Sulawesi, die der Berliner Ethnologe Albert Grubauer von seinen Forschungsreisen mitbrachte. Er interessierte sich besonders für Rindenbaststoffe. Ende der sechziger Jahre gelang der Ankauf einer hochwertigen Sammlung von sogenannten Schiffstüchern, tampan und palepai, aus Südsumatra. Eine Schenkung von 335 Batiken eines Förderers und die Übernahme von achtzig Textilien aus dem Nachlaß Hans Wilhelm Siegels brachten der Sammlung 1999 nochmals einen kräftigen und qualitätvollen Zuwachs.

Vorderer Orient und islamischer Bereich:

Bei den Neuankäufen aus der Region Palästina und Syrien in den achtziger und neunziger Jahren wurde besonderer Wert auf regional typische Kleidung und komplette Kostüme gelegt. Die Textilien und Kostüme der Oppenheim-Stiftung stammen eher aus dem großbürgerlichen städtischen Bereich und zeichnen sich durch kostbare Materialien wie Samt, Seide und Goldstickereien aus. Oppenheim verwendete zahlreiche osmanische Textilien zur Ausstattung seines Berliner Domizils, wie ein Fotoalbum aus seinem Nachlass dokumentiert. Ein Teil der Textilien ging anscheinend in den Kriegswirren verloren. Den bedeutendsten Ankauf der letzten Zeit stellt ein reich mit Koransuren besticktes Gewand aus Afghanistan dar, das laut Inschrift im Jahre 1874 angefertigt wurde.

Ozeanien:

Die Textilien Ozeaniens zu bestimmen, stellt ein Spezialproblem dar. Echte Gewebe gibt es nur auf einigen Inseln Mikronesiens. Verwendet man stattdessen als Hauptkriterium die Funktion ›Kleidung‹, so enthält diese Gruppe eine riesige Zahl an Lendenschurzen und Gürtel aus geklopftem Rindenbast. Die größeren Sitzmatten, in der gleichen Technik hergestellt, werden jedoch nicht als Textilien angesehen, es sei denn, sie sind − wie in Mikronesien − gewebt. Von den Gilbert-Inseln existieren mehrere Schutzpanzer aus geknüpften Kokosnußfasern, die 1903 vom Hamburger Händler Umlauff erworben wurden. Das wertvollste Objekt aus Ozeanien, ja des gesamten Textilbestandes überhaupt, ist ein Federmantel aus Hawaii, der 1823 mit König Kamehameha II nach Europa kam. 1957 gelang der Ankauf dieses exzeptionellen Stückes von dem Ethnographicahändler Arthur Speyer. Mehr als die Hälfte der 370 afrikanischen Textilien wurde vor 1925 geschenkt oder angekauft. Darunter befindet sich ein Konvolut von 78 Raffiatextilien aus dem ehemaligen Kongogebiet, Teil einer Sammlung von Leo Frobenius. Carl Joest kaufte sie 1905 für das Museum an. Dies ist der einzige Erwerb einer größeren Anzahl von Textilien für das Museum aus dem Bereich Afrika. Unter den verschiedenen Verzierungstechniken dieses Konvoluts finden sich auch 35 Beispiele für Florstickerei der Kuba. Ins Jahr 1927 datiert der Ankauf eines seltenen Maskenkostüms der Ejagham, Nordwestkamerun, von der Ethnographicahandlung J.F.G. Umlauff, Hamburg. Zwei weitere Maskenkostüme der Yoruba, im Gelede-Bund gebraucht, wurden 1987 erworben. Eine Spezialität der Sammlung sind über 40 Kopfbedeckungen, die eine Fülle von Verzierungstechniken und unterschiedlichste Materialien aufweisen. Mit der Schenkung der altägyptischen Sammlung von Ellen Doetsch-Amberger kamen 1989 auch 27 koptische Textilfragmente ins Museum.

Amerika:

Die archäologischen Textilien aus Peru machen etwa ein Drittel der Amerika-Textilsammlung aus. Schon früh, nämlich 1902, wurde der Grundstock mit einem Ankauf archäologischer Objekte der Arica von B. Hagen aus Frankfurt gelegt, unter denen sich 16 Textilfragmente befanden. Weitere 44 Textilien, teils Fragmente, teils kleinere Kostümteile, gelangten 1915 ins Museum. Sie gehören zu einem 600 Objekte umfassenden Legat von Julius van den Zypen, der einen umfangreichen Teil der Sammlung Wilhelm Gretzters dem Berliner Völkerkundemuseum geschenkt hatte. Gretzter hatte mehr als dreißig Jahre mit archäologischen Studien in Peru verbracht. Bei unseren Objekten handelt es sich um Dubletten aus dem Berliner Museum. Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu kleineren Schenkungen und Ankäufen unter denen sich so bedeutende Stücke wie ein Federwandbehang aus der Nasca-Zeit, drei Kostümteile der Chimú sowie, als Dauerleihgabe der Sammlung Ludwig, vier größere Textilien unterschiedlicher Datierung befinden.

Mittelamerika ist mit rezenten Textilien vertreten. 44 Kleidungsstücke aus Mexiko gehören zu dem Ankauf der umfangreichen Sammlung von Gerd Dörner im Jahre 1981. Hinzu kam 1992 noch eine Schenkung von 30 Molas der Cuna-Indianer Panamas von einer schweizer Sammlerin. Die gängige Vorstellung vom Indianer in Lederkleidung und Federschmuck war sicherlich ausschlaggebend für die Auswahl von Kleidungsstücken durch Carl Joest im Jahre 1902 und 1906. Er hatte eine Sammlung von Objekten der Prärie- und Plains-Indianer von der Ethnographicahandlung J.F.G. Umlauff angekauft und dem Museum geschenkt. Sechs Jahre später kaufte das Museum von der gleichen Firma Zedernbastkleidung der Indianer der Nordwestküste. Weitere Einzelstücke gelangten in den letzten 30 Jahren durch Schenkungen und Ankäufe hinzu, so daß aus Nordamerika nun 38 Kleidungstücke vorhanden sind.
China, Taiwan, Japan:

Die wenigen Textilien aus dem ostasiatischen Bereich gehören zum frühen Bestand des Museums. Wilhelm Joest brachte von seinen Reisen 65 chinesische Kleidungsstücke mit, zu denen genaue Informationen über ihren Gebrauch vorliegen. 1911 wurde eine Sammlung von Textilien aus Taiwan von J.F.G. Umlauff angekauft, die mit detaillierten Provenienzangaben versehen ist. Zur Sammlung gehört auch ein Webgerät mit Rückengurt und einem begonnenen Gewebe aus Pflanzenfasern. Von Wilhelm Joest sowie von J.F.G. Umlauff stammen auch mehrere Kleidungsstücke der Ainu, darunter Textilien aus Ulmenbast und eine Talismanjacke für ein Kind, die ein Unikat in Museumssammlungen darstellt.

Leiterin der Textilsammlung ist Frau Sonja Mohr.

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