Die Sammlung von höfischen Kunstwerken aus dem Königreich Benin (Edo State, Nigeria) des RJM

Das Rautenstrauch-Joest-Museum bewahrt eine Sammlung von 94 höfischen Kunstwerken aus dem Königtum Benin, im heutigen Edo State in Nigeria. Das Museum erhielt diese Kunstwerke zwischen 1899 und 1967 im Rahmen von 15 Schenkungen und Ankäufen. Es gilt als sicher, dass diese 94 Werke höfischer Kunst im Februar 1897 von der britischen Armee aus dem Königspalast von Benin geraubt wurden. Insgesamt wurden damals schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Hofkunstwerke geraubt und danach in Museen weltweit, darunter in das Rautenstrauch-Joest-Museum, verstreut.

Ein Verzeichnis der Benin-Sammlung im RJM finden Sie hier:

Im Fokus der Restitutionsdebatten

Diese Kunstwerke aus Bronze, Elfenbein und Holz, die unter dem Begriff „Benin-Bronzen“ zusammengefasst werden, stehen heute im Fokus der weltweiten Restitutionsdebatten. Das RJM stellt sich seiner Verantwortung für diese zu recht sehr umstrittene Sammlung und hat mehrere Erschließungs- und Ausstellungsprojekte sowie Kooperationen initiiert, um transparent mit diesem Unrechtkontext umzugehen und den Besucher*innen zu vermitteln, worum es bei der Restitutionsdebatten geht.

Sonderausstellungsprojekte

Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Resist! Die Kunst des Widerstands" (01.04.–05.09.21) kuratiert die nigerianische Künstlerin und Kunsthistorikerin, Dr. Peju Layiwola, einen autonomen Raum über die geraubten Kunstwerke des Königreichs Benin. Sie kommentiert die Benin Sammlung des RJM und bringt ihre nigerianische Perspektive innerhalb der Restitutionsdebatte ein. Für diesen Raum hat sie auch mehrere nigerianische Künstler*innen eingeladen, die sich teils seit Jahrzehnten in Nigeria und in der Diaspora mit dem Raub der Benin-Bronzen 1897 auseinandersetzen.

In der Sonderausstellung „Die Schatten der Dinge#1“ (11.09.20 – 11.4.21) steht u.a. ein Schmuckstück im Fokus, das einem hochrangigen Kriegsführer aus dem Königreich Benin gehörte und 1897 von den Briten aus dem Königspalast geraubt wurde. Es werden sowohl seine Restitution als auch die Leere thematisiert, die durch seine Entwendung entstanden ist. Dies wird begleitet von Interviews über den Verlust, geführt mit unterschiedliche Akteur*innen aus Benin-City.

 

Projekte zur Sammlungserschließung

Report: “Traces of History Connecting the Kingdom of Benin with the Rautenstrauch-Joest Museum in Cologne“

2020 erstellte die Ethnologin Franziska Bedorf für das Museum einen ersten Überblick über die Provenienzen der Benin Hofkunstwerke-Sammlung: Wann und wie sind die einzelnen Objekte in die Sammlung gekommen, von wem wurden sie erworben oder geschenkt?

Das Projekt wurde von der Museumsgesellschaft RJM e.V. mit Mitteln aus dem Vermächtnis Ludwig Theodor von Rautenstrauch gefördert.

 

Grundlagenstudie zur Analyse der Techniken und Materialien der Sammlung höfischer Kunst aus dem Königtum Benin

2021 wird Birgit Depenbrock, Restauratorin für anorganische Materialien am RJM, die Benin-Sammlung weiter erschließen.

Das Projekt wird von der Museumsgesellschaft RJM e.V. mit Mitteln aus dem Vermächtnis Ludwig Theodor von Rautenstrauch gefördert.

 

Kooperation Benin Dialog Group

Seit Ende 2019 ist das RJM Mitglied der Benin Dialog Group, einer seit 2010 bestehende Initiative, in der Museen aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und Schweden, die alle Sammlungen von Benin Hofkunstwerken bewahren, mit nigerianischen Partner*innen, darunter Vertreter*innen des Königshofs von Benin zusammenarbeiten. Ein zentrales Ziel der Benin Dialogue Group ist es, eine permanente Ausstellung von Benin Hofkunstwerken aus den europäischen Museen in Nigeria zu ermöglichen. Ein neues Museum in Benin City, das Edo Museum of West African Art von dem Architekt David Adjaye, ist  für 2025 geplant.