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Die Australienreise des Anthropologen Hermann Klaatsch

Hermann Klaatsch im Januar 1907 in Adelaide, PHK.

Von November 2004 bis Oktober 2007 lief am Rautenstrauch-Joest-Museum das Forschungsprojekt »Die australischen Ureinwohner als ›Studienobjekte‹. Eine Untersuchung zur wissenschaftlichen Rezeption des Fremden am Beispiel der Australienreise des Anthropologen Hermann Klaatsch zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhand seines Nachlasses und seiner Sammlung«, das von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung finanziert wurde.

Im Mittelpunkt stand dabei die Australiensammlung des deutschen Anthropologen und Forschungsreisenden Hermann Klaatsch (1863 – 1916), der während seiner dreijährigen Australienreise von 1904 bis 1907 mehr als 2000 Ethnographika der australischen Aborigines gesammelt hatte. Klaatsch war zunächst nach Australien gereist, um Ursprungsfragen der Menschheitsentwicklung zu klären, begann aber bald, sich intensiv für die Kultur der Aborigines und ihre Objekte zu interessieren. Dies war auch bedingt durch verstärkte Nachfragen deutscher Völkerkundemuseen, darunter Köln, Ethnographika für die Erweiterung der Sammlungen zu erwerben. 1907 wurde die gesamte Australiensammlung Klaatschs in der ersten Sonderausstellung des RJM der Öffentlichkeit präsentiert. Im März 1908 konnte das RJM über 800 Objekte der Klaatschsammlung erwerben. Damit ist dieser Sammlungsbestandteil einer der ältesten des Hauses.

Halskette, Conchylienscheibchen, Schnur aus Pflanzenfasern.
Von Klaatsch 1904/1905 in Cairns und Umgebung gesammelt.
Nord-Queensland, Australien.

Auf der Basis des neu zugänglichen privaten wie wissenschaftlichen Nachlasses Hermann Klaatschs konnte die Geschichte dieser Sammlung und der Australienreise des deutschen Wissenschaftlers neu geschrieben werden. Wertvolle Erkenntnisse über den Erwerb der Objekte, ihre Herstellung, Verwendung, Verbreitung und einheimische Terminologie konnten gewonnen werden, aber auch Einblicke in das Wirken eines Forschers und Sammlers zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dadurch lieferte das Forschungsprojekt auch einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Wahrnehmung fremder Kulturen in dieser Zeit.

Fotografien von Hermann Klaatsch und Objekte der Sammlung

Die Ergebnisse wurden im Ethnologica-Band N.F. Nr. 27 mit dem Titel

»Auf der Suche nach den Ursprüngen - Die Australienreise des Anthropologen und Sammlers Hermann Klaatsch 1904 - 1907«,

erschienen im Wienand-Verlag Köln, veröffentlicht
(Dr. Corinna Erckenbrecht).