Inhalt

Neukonzeption

Die Neupräsentation verzichtet auf die in vergleichbaren Häusern übliche Darstellung geographischer Großräume, die nur vorgibt, eine Vielfalt von Kulturen in unterschiedlichen Lebensräumen, Regionen, Ländern, sogar ganzen Kontinenten zu umfassen – noch dazu oft über viele Jahrhunderte. Stattdessen folgt die Ausstellung einem thematisch orientierten Parcours, dessen jeweils in sich abgeschlossene Themenblöcke und Einzelthemen jeweils für sich oder im Verbund nach individuellen Wünschen rezipiert werden können. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der "Der Mensch in seinen Welten". Exemplarisch verfolgt das Konzept Fragen der Lebensgestaltung über Raum und Zeit – es geht um Themen, die Menschen überall auf der Welt verbinden und bewegen, denen sie aber je nach regionaler und kultureller Prägung auf jeweils eigene Weise begegnen. Universale Aspekte der Lebensgestaltung verschiedener Kulturen werden dabei nebeneinander oder gegenübergestellt; der Kulturen vergleichende Ansatz betont das gleichberechtigte Dasein und die Ebenbürtigkeit aller Kulturen und vermittelt Denkanstöße und Dialogansätze. Der Einbezug unserer eigenen Kultur in die vergleichende Betrachtung trägt zur Relativierung des eigenen Standpunkts bei. Der Zugang zu den einzelnen Themen erfolgt jeweils über Aspekte der vertrauten Umgebungskultur: Von einer 'europäischen Bühne' erhält der Besucher Einblicke in andere Welten.

Die Ausstellungsgestaltung arbeitet mit Mitteln der Szenografie. Jedes Thema entwickelt sich in einem eigenen Raum, in welchem sich die Objekte mit ihrer Aura entfalten. Das jeweilige Raumbild, zu dem die gesamte Innenarchitektur inklusive der Gestaltung des Bodens, der Wände und Decke ebenso beiträgt wie die Grafik und Lichtführung, verstärkt die Inhalte des Themas. Der teilweise modulare Charakter der Ausstellungsarchitektur erleichtert den Wechsel von Einzelexponaten und Exponatgruppen im Rahmen des weit gefassten Themenparcours, der eine Veränderung der gesetzten Schwerpunkte jederzeit zulässt. Im Laufe der Zeit kann so eine große Anzahl von Objekten, die schon lange nicht mehr oder gar noch nie ausgestellt waren, in die Ausstellung integriert werden. Seit jeher begegnen sich Kulturen, sie vermischen sich, passen sich an, grenzen sich ab und wandeln sich; in der globalisierten, von gegenseitigen Abhängigkeiten und Wechselbeziehungen geprägten modernen Welt vollziehen sich diese Prozesse immer schneller – umso wichtiger ist es, Aspekte des Kulturwandels an möglichst vielen Stellen des Parcours zu berücksichtigen.

Gestaffelte Informationsebenen in Wort und Bild ermöglichen die gezielte Vertiefung in einzelne Themenbereiche. Spezielle Medieneinheiten – 'Brennpunkte' – laden zur Beschäftigung mit Fragestellungen ein, die in unserer eigenen Gesellschaft 'heiß' diskutiert werden. Darüber hinaus eröffnet die Fachbibliothek des Museums dem Besucher Zugang zu 40.000 Monografien und Fachzeitschriften. Ein Medienraum und zwei Werkräume stehen für die kreative Arbeit unter Anleitung der Museumspädagogen zur Verfügung. Veranstaltungen aller Art im multifunktionalen Veranstaltungssaal und im Foyer rund um das größte Exponat des Rautenstrauch-Joest-Museums – den Reisspeicher aus Tana Toraja – ergänzen den Themenparcours. Sie sensibilisieren die Besucher für die Sichtweisen anderer Kulturen und machen das Museum als Ort der Begegnung, des Dialogs und der gesellschaftlichen Teilhabe erfahrbar.

Ausstellungsparcours

Der Themenparcours "Der Mensch in seinen Welten" beginnt mit einem Prolog und endet mit einem Epilog. Dazwischen stehen zwei Themenkomplexe mit jeweils mehreren Unterthemen.

Die Welt erfassen

Der erste Themenkomplex "Die Welt erfassen" widmet sich vier unterschiedlichen Begegnungsebenen mit anderen Kulturen aus europäischer Sicht:

- Reisende verkörpern im 19. Jahrhundert die Sehnsucht des weitläufigen Bildungsbürgers nach Horizonterweiterung durch kulturelle Begegnung fern der Heimat.

- Vorurteile dienen dazu, das 'Fremde' in das eigene Weltbild einzuordnen und sich gegenüber dem 'Anderen' abzugrenzen; Vorurteile über Andere zielen oft auf eine Aufwertung des Eigenen.

- Ethnologische Museen spiegeln die Begegnung mit anderen Lebenswelten in ihren Sammlungen; sie bewahren und erforschen materielle Zeugnisse von Gesellschaften aus aller Welt und vermitteln in Ausstellungen Sichtweisen auf Kulturen.

- Die ästhetische Wahrnehmung von Artefakten ist eine weitere Möglichkeit, sich 'fremden' Kulturen zu nähern; bei dieser vom europäischen Kunstverständnis geprägten Sicht tritt der ursprüngliche funktionale Kontext des Werkes in den Hintergrund.

Die Welt gestalten

"Die Welt gestalten" bezeichnet einen zweiten Themenkomplex, der mit fünf Unterthemen vielfältige Einblicke in verschiedene Formen der Lebensgestaltung in Raum und Zeit vermittelt:

- Verschiedene Lebensräume bedingen unterschiedliche Wohnformen; der Wohnraum prägt die Identität.

- Mit Kleidung und Körperschmuck positionieren sich Individuen in der Gemeinschaft; die Inszenierung kann vielfältige Botschaften vermitteln.

- Der Tod trifft jeden und fordert dazu auf, die Krisensituation in der Gemeinschaft zu überwinden.

- Religion ist grundlegender Ausdruck von Weltbildern; seit Urzeiten versuchen Menschen, Antworten auf existentielle Frage zu finden.

- Rituale religiöser Art führen Menschen durch, um übernatürliche Kräfte zu ihren Gunsten zu beeinflussen; Masken spielen hierbei häufig eine zentrale Rolle.

Öffnungszeiten & Adresse

Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Telefon 0221 / 221 - 313 56
rjm@stadt-koeln.de

Di-So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
1. Do im Monat: 10-22 Uhr
(an Feiertagen 10-18 Uhr)
Mo geschlossen