Rethink Fashion!

Bild der 39. Woche - 27. September bis 3. Oktober 2021

Illustration: Studio Quack 

Das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Bekleidungsindustrie.

Nachhaltigkeit ist eines der großen Schlagworte des 21. Jahrhunderts und die wichtigste Verhaltensleitlinie zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft. Um sich als Museum zu diesem Thema zu positionieren, richtete das RJM im Januar 2020 eine Arbeitsgruppe ein. Inzwischen gibt es ein Konzept dazu, wie Nachhaltigkeit zunehmend Teil des eigenen Arbeitsalltags werden kann. In der Vermittlung wurde die Idee von Themenreihen entwickelt, in deren Rahmen sich das RJM mit verschiedenen Aspekten von Nachhaltigkeit beschäftigt. Damit möchte es eine öffentliche Informations- und Diskussionsplattform anbieten.

Themenreihe Rethink Fashion!
Der Nachhaltigkeitsgedanke soll auch in der Themenauswahl und bei Kooperationen aufgegriffen werden: In Anknüpfung an die vom Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg übernommene Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“, die im Winter 2018/2019 in Köln gezeigt und vom RJM durch ein „Slow Lab“ ergänzt wurde, geht es noch einmal um die Bekleidungsindustrie. In Kooperation mit der Frauenrechtsorganisation FEMNET startete im Juni 2021 die erste Themenreihe: Rethink Fashion!. Mit Akteur*innen aus Politik und Wirtschaft, mit Aktivist*innen und Künstler*innen spricht das RJM noch bis ins Frühjahr 2022 über wirtschaftliche und soziale Aspekte einer globalisierten Textilwirtschaft.
Zur Eröffnung kamen bei einer spannenden Diskussion zum frisch verabschiedeten Lieferkettengesetz Stimmen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie von Aktivistinnen aus Myanmar zu Wort. Eine Aufnahme steht jetzt auf dem YouTube-Kanal des RJM: Der Weg zur Nachhaltigkeit: Gesetzliche Regelungen für Faire Lieferketten.


Am 5.10.2021 geht es in einem offenen Austausch mit der Beraterin und Gründerin der Kleiderei, Thekla Wilkening, um Überproduktion, Hyperkonsum und die wichtige Frage, wie Mode nachhaltiger werden kann. Im Herbst und Winter bietet das RJM zusammen mit dem Museumsdienst drei Upcycling-Workshops an. Dort erfahren Kinder und Jugendliche, wie man aus gebrauchten Kleidungsstücken noch tolle Sachen macht.
Im Dezember kann hoffentlich auch der Poetry Slam „Reimreise“ wieder durchstarten. Passend zum stetig steigenden Einkaufswahn treten die Poet*innen in diesem Jahr mit selbstverfassten – mal nachdenklichen, mal amüsanten – Texten zum Thema Konsum und Nachhaltigkeit an. Das Publikum entscheidet, wer an diesem Abend ins Finale kommt und wer gewinnt.
Im April 2022 lädt Femnet im RJM zu einer Tagesveranstaltung ein, die neben der Themenreihe auch die Solidaritätskampagne für Textilarbeiter*innen in Südostasien beschließt: #eintshirtzumleben stellt die enge Verbindung zwischen den Produktionsländern des globalen Südens und den Konsument*innen hierzulande her. Um die Wertschätzung gegenüber der unbekannten Näher*in auszudrücken, werden Künstler*innen und Designschaffende ihre zu Kunstwerken veredelten T-Shirts zur Verfügung stellen und verlosen. Außerdem sind vielseitige Programmpunkte rund um die sozialen und ökologischen Folgen von Fast Fashion und faire Alternativen geplant.

Intervention in der Dauerausstellung
Natürlich möchte das RJM kritische Aspekte der Bekleidungsproduktion und Lösungsansätze auch räumlich sichtbar machen. Zusammen mit Studierenden der ecosign/Akademie für Gestaltung wird deshalb ein Teilbereich der Abteilung „Der Körper als Bühne“ in der Dauerausstellung überarbeitet: Eine Intervention wird sich mit nachhaltiger Mode auseinandersetzen und dafür auch Stimmen von Besucher*innen einfangen.

S. Mohr