Von der Schafzucht zum Safe Space: Die Schaafenstraße

Bild der 35. Woche - 30. August bis 5. September 2021

Ausschnitt aus: Mercator, Arnold; Der Plan der Stadt Köln aus dem Jahre 1571, Köln, Kölnisches Stadtmuseum (Köln) (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_mf023308)

Unter dem Motto „Für Menschenrechte - Viele. Gemeinsam. Stark!“ findet in diesen Tagen in Köln wieder der ColognePride statt. Nachdem die „Corona-Krise“ für die queere und nicht-binäre Gesellschaft im letzten Jahr weniger Sichtbarkeit bedeutete, ist es umso erfreulicher, dass der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. (KLuST e.V.) für 2021 wieder ein umfangreiches und buntes Programm mit breitem Themensprektrum organisieren konnte. Höhepunkt ist die große CSD-Parade, bei der für vollständige rechtliche Gleichstellung und uneingeschränkte gesellschaftliche Anerkennung der LSBTIQ*-Communites demonstriert wird. Im Anschluss daran zieht es die feiernden Menschen nicht selten auf die bekannte Schaafenstraße in der Kölner Innenstadt. Dass es diese schon im Mittelalter gab, zeigt der so genannte Mercatorplan.

Arnold Mercators Plan der Stadt Köln aus dem Jahre 1571 ist ein frühes Beispiel eines realistischen, detaillierten und in seinen Proportionen stimmigen Stadtplans. Das spätmittelalterliche Köln ist aus der Vogelperspektive dargestellt. Der hier zu sehende Ausschnitt aus dem Mercatorplan zeigt das Areal rund um den heutigen Rudolfplatz. Deutlich zu erkennen ist im oberen Kartenausschnitt die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren Türmen und Toren, die bis ins späte 19. Jahrhundert hinein das Kölner Stadtgebiet umgab. Heute verlaufen hier die Kölner Ringe. Von der Mauer erhalten ist u.a. die Hahnentorburg, hier besonders an der Aufschrift Die hanen straiß und pforts im Zentrum des Ausschnitts zu erkennen.

Die Schaeffen pforts und straiß

Im linken eingefärbten Bereich der Karten zeigt sich die Schaeffen pforts und straiß (Die Schaafenpforte und Straße). Das Schaafentor war eines der mittelalterlichen Stadttore, welches im Zuge der Kölner Stadterweiterung 1180 entstand. Es wurde erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt war die Gegend rund um Schaafentor und -straße noch bäuerlich geprägt. Insbesondere auf den Weiden außerhalb der Stadtmauer grasten größere Schafherden, deren Fleisch, Milch und Wolle von großer Bedeutung für die Kölner Bevölkerung waren. Schäfer trieben daher die Schafe durch das Tor die Schaafenstraße hinauf zum Neumarkt – dem Kölner Umschlageplatz für Vierhandel.

30 Jahre ColognePride

Während der „Corona-Krise“ wurde der LSBTIQ*-Community der Zugang zu sicheren Räumen, wie sie auch die heutige Schaafenstraße darstellt, durch die Ausgangssperre zum Teil verwehrt. Wichtige Großdemonstrationen wurden abgesagt und für viele Menschen bedeutete die Corona-Pandemie vor allem Angst. 30 Jahre nach dem ersten ColognePride ist es deshalb umso wichtiger, dass dieser Ort mit aller seiner Lebensfreude und seinem Selbstbewusstsein für eine vollständige Gleichberechtigung geschützt wird!

L. Jacobs