Beuys' Birthday

Bild der 19. Woche - 10. Mai bis 16. Mai 2021

Zimmermann, Rolf; Lebeck, Robert, Porträt Joseph Beuys, Museum Ludwig, Köln, Inv.-Nr. ML/F 1977/0456/ Rheinisches Bildarchiv Köln

Am 12. Mai 2021 wäre Joseph Heinrich Beuys 100 Jahre alt geworden. Seit Wochen kündigen schwarzverzerrte und buntgestaltete Plakate in Unterführungen und an Litfaßsäulen des Kölner Stadtgebietes dieses Festjahr an. Mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm wird das Werk des Aktionskünstlers gefeiert. Ihm an dieser Stelle nicht zu gratulieren, den Text abzubrechen und mit den geschockten Leser*innen zu improvisieren: Vielleicht wäre es genau dieses Happening gewesen, welches Beuys sich zu seinem Geburtstag gewünscht hätte – doch vielleicht ist dies auch nur ein Gedanke des Verfassers.

Seiner Aktionskunst gab sich der in Krefeld geborene Beuys in den 1960ern hin. Fluxus und Happening sind die vorherrschenden Kunsterscheinungen dieser Zeit, die ihn auch immer wieder in das Atelier von Künstlerin Mary Bauermeister in die Kölner Altstadt führen. Hier traf sich die Avantgarde, erweiterte den Kunstbegriff und verlegte ihn gar direkt in die Gesellschaft. Beuys selbst ergänzte den künstlerischen Ausdruck der Zeit mit einer eigenen plastischen Theorie – und bediente sich dafür an Fett und Filz. Damit fand tägliches Material zusammen, welches nie glaubte zusammenzufinden. Spekulativ bleibt, ob er bewusst auf diese Materialien zurückgriff, hatte er nach eigener Legende einen Flugzeugabsturz 1944 im Zweiten Weltkrieg auf der Krim nur durch Fett und Filz der Einwohner*innen überlebt. Sowohl beim 24-Stunden-Happening in der Wuppertaler Galerie Parnass 1965 als auch bei seiner als Kunstaktion angelegten Rheinüberquerung 1973 griff er auf diese zurück. Der Filzhut als Teil seiner Kleidung sollte fortan eines seiner Markenzeichen werden: Schon 1968 bei der Porträtaufnahme durch den Fotojournalisten Robert Lebeck trug er eines dieser Exemplare. 1977 kam der Print in die Sammlung des Museum Ludwig.

Apropos 1968: Beuys schaffte es in diesem Jahr eine ganz besonders ungewöhnliche Performance in den künstlerischen Kontext zu stellen. In der Düsseldorfer Künstlerakademie präsentierte er das Klangbild Ja, Ja, Ja, Ja, Ja, Nee, Nee, Nee, Nee, Nee. Zusammen mit dem Musiker Henning Christiansen, seinem ehemaligen Schüler Johannes Stüttgen hatte er in einem rheinischen Tonfall die Worte eingesprochen. Sie wiederholten die Worte immer wieder, waren fließend in der Betonung, sodass Grenzen zwischen Leben und Kunst verschwammen. Später nutzte Beuys das Tonband für weitere Aktionen, legte es etwa in dumpfen Filz, schuf so ein neues Werk. Und vielleicht war das damals schon recht klug: Storytelling zum Besten, als der Begriff noch gar nicht existierte.

Ja, Ja, Ja, Ja, Ja, Nee, Nee, Nee, Nee, Nee – Happy Birthday Joseph Beuys!

L. Jacobs