Jallianwala Bagh: Antikolonialer Widerstand in Nordindien neu beleuchtet

Bild der 03. Woche - 18. Januar bis 24. Januar 2021

The Singh Twins
Jallianwala: Repression and Retribution, 2019
Mixed-Media, 498 x 266 cm

Die Ausstellung RESIST! Die Kunst des Widerstands beleuchtet 500 Jahre antikolonialen Widerstand im Globalen Süden und erzählt über koloniale Unterdrückung und ihre Auswirkungen bis heute. In einer labyrinthisch-futuristischen Architektur von Rohren, Balken und Stahlelementen erzählen die Arbeiten von über 40 zeitgenössischen Künstler*innen aus dem Globalen Süden und der Diaspora, die Geschichten von Rebellion und Krieg, Gewalt und Trauma sowie Überleben und Resilienz.

Das detailreiche Textil-Tryptichon "Jallianwala: Repression und Vergeltung" der britischen Künstlerinnen The Singh Twins reagiert auf das hundertjährige Jubiläum des Massakers in Amritsar. Im April 1919 versammelten sich in der nordindischen Stadt Amritsar in Punjab bis zu 20.000 Menschen, um gegen die Verschärfung der Polizeigesetze durch die Kolonialregierung, die Verhaftung von Oppositionellen und das Verbot der Einreise Gandhis in die Provinz zu demonstrieren. Hunderte Menschen kamen ums Leben, als die britische Armee das Feuer auf die Demonstranten eröffnete. Während die mittlere Tafel des Triptychons das Ereignis selbst thematisiert, verhandeln die linke und rechte Tafel den historischen Kontext, die Nachwirkungen und Vermächtnisse des Massakers. Im Zentrum stehen zwei Schlüsselfiguren der indischen Unabhängigkeitsbewegung: Udham Singh, der sich zwei Jahrzehnte später durch die Ermordung eines verantwortlichen britischen Politikers, Sir Michael O'Dwyer, für das Massaker rächte und Mahatma Gandhi, der seine Kampagne des gewaltlosen Widerstands intensivierte, um die britische Kolonialherrschaft in Indien zu bekämpfen.Das brutale Vorgehen der Kolonialmacht zielte darauf ab, den aufkommenden antikolonialen Widerstand zu unterbinden, bewirkte aber das Gegenteil. Das Jallianwala-Massaker verschärfte die Proteste und gilt als Wendepunkt in der indo-britischen Geschichte.
Mit ihren Arbeiten möchten die beiden Künstlerinnen auf die lange und blutige Geschichte des britischen Empires aufmerksam machen und Menschen dazu anregen aus der Vergangenheit zu lernen:

"Unsere Kunstwerke heben nicht nur wichtige Episoden der gemeinsamen britisch-indischen Geschichte hervor, die dazu beigetragen haben, die Gesellschaft, in der wir heute leben, für ein breiteres Publikum zu formen, sondern vermitteln auch Lektionen für unsere moderne Zeit - nicht zuletzt die wichtige Rolle, die Journalisten und die Medien dabei spielen, Gräueltaten aufzudecken, den Stimmlosen eine Stimme zu geben und sicherzustellen, dass das Recht auf Gerechtigkeit für die Unterdrückten der Welt erkämpft und bewahrt wird. Das Kunstwerk Jallianwala Bagh wirft auch Fragen über die Natur des britischen Imperiums auf - und stellt die Ansicht einiger in Frage, dass das britische Raj und der Kolonialismus größtenteils eine wohlwollende und zivilisierende Kraft für das Gute waren, die den Kolonisierten positive Veränderungen brachte."

L. Hauth