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Serge Chamchinov & Anne Arc

Jazzband der Künstlerbücher
Zum 100. Jahrestag von den Festen von Angst und Schmerz von Paul van Ostaijen

Ausstellung vom 11. September bis zum 24. Oktober 2021

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln)
Öffnungszeiten: Di-So 10-18.00 Uhr

Die Ausstellung präsentiert ein Ensemble von neunzehn Künstlerbüchern von Serge Chamchinov und Anne Arc mit insgesamt 300 Originalzeichnungen und etwa 500 Seiten der visuellen Typographie. Jeder Band ist einem Text des Gedichtbandes von Paul van Ostaijen Die Feste von Angst und Schmerz gewidmet. Die Künstlerbücher inszenieren die vor über einem Jahrhundert verfassten Texte des Gedichtbandes.

Paul van Ostaijen (1896-1928) gilt als Hauptfigur der flämischen Avantgarde und des Dadaismus. Sein Werk besticht durch seine Musikalität, dem freien Experimentieren mit Sprache und visueller Schriftform. Seine Gedichte können als „akustische Gemälde“ bezeichnet werden. Die äußerst individuelle Schrift van Ostaijens findet Entsprechungen in der neuen Typografie Marinettis, Apollinaires Kalligrammen, den Theorien Kandinskys sowie, ganz allgemein, in der avantgardistischen Buchkunst.

Sein Leben und Werk sind eng mit Deutschland verbunden. Im November 1918 ging er nach Berlin, wo er Die Feste von Angst und Schmerz (beendet 1921) geschrieben hat. Dieses Werk, das die tragische Aktualität seiner Zeit widerspiegelt und die Überwindung der Gewalt durch Kreativität manifestiert, hatte ein seltsames Schicksal. Paul van Ostaijen hat es nicht veröffentlicht und nach seinem Tod blieb es lange Zeit unbeachtet.

Erst hundert Jahren später wurden Die Feste von Angst und Schmerz von Serge Chamchinov und Anne Arc in die Sprache des Künstlerbuches übertragen. Sie haben jedes Wort, jeden Satz absorbiert und neu durchgedacht, um sie künstlerisch in die Form eines Künstlerbuches umzusetzen. Sie verstehen ihr Künstlerbuch-Ensemble daher auch als eine Ehrung für Paul van Ostaijens poetisches Werk.

Für dieses Künstlerbuch-Ensemble haben Serge Chamchinov und Anne Arc eine besondere Konzeption erarbeitet. Es gibt keine Wiederholungen der graphischen Folgen und des Zusammenwirkens von Text und Bild. Der flämische Text ist typographisch sehr nah an van Ostaijens Handschrift interpretiert, die französische Übersetzung (die erste vollständige Übersetzung ins Französische, von Jan Mysjkin) ist frei – dank der Methode der „analytischen Typographie“ von Serge Chamchinov – visualisiert. Für die Ausstellung in Köln ist zusätzlich ein Band in deutscher Sprache angefertigt worden.

Alle Bände haben das gleiche quadratische Format, 33 x 33 cm, aus Fabriano-Papier 225 g/m². Jeder Band ist ein Unikat. Alle Bände sind selbstständig, aber es sind von Band zu Band Anklänge und Entsprechungen zu spüren. Wie in der Jazz-Musik, die die Dichtung van Ostaijens kennzeichnet, sind Themen und Leitmotive zu erkennen, die in jedem Künstlerband von Serge Chamchinov und Anne Arc immer wieder neu entstehen.

Ihre Arbeit verstehen Serge Chamchinov und Anne Arc als ein „Gespräch“ mit Paul van Ostaijen, dessen Gedichte bis heute aktuell sind. Die Themen Gewalt, Angst und Widerstand tauchen bis heute immer wieder mit neuer Stärke auf, eröffnen aber auch neue Wege für künstlerische Auseinandersetzungen. Das ausgestellte Künstlerbuch-Ensemble ist keine historische Rekonstruktion des Dada-Buches. Das Werk von Serge Chamchinov und Anne Arc ist frei von Stilisierungen und erneuert die Konzeption des zeitgenössischen französischen Künstlerbuches.

 

 


 
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