suchen in:

märchenhaft - fabelhaft - boshaft

  

Burgi Kühnemanns bemalte Bücher

Ausstellungseröffnung am Freitag, den 11. März 2016, um 19.00 Uhr

Einführung: Dr. Stefan Soltek (Direktor Klingspor-Museum in Offenbach)

Ausstellung vom 12. März 2016 bis 24. April 2016

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln) Öffnungszeiten: Di-Do 10-21.00 Uhr, Fr-So 10-18.00 Uhr, Mo 14-21.00 Uhr

Die Ausstellung in der Kunst- und Museumsbibliothek zeigt mit Burgi Kühnemann eine heute 82jährige Künstlerin die seit Jahrzehnten originär in der Form des Unikatbuches vielfältig und erfolgreich arbeitet.

Die besondere Ausstellungssituation über die vielen Etagen der Bibliothek erlaubt es, die unter­schiedlichen Werkkomplexe von Burgi Kühnemann exemplarisch zu präsentieren. Formal kon­zentriert sie sich auf das Buch – in Aquarell, Gouache, Acryl und in vielfältiger Collage überarbeitet sie Bücher diverser Art, Notenhefte, Atlanten, Kontorbücher, Bildbände und besonders gern auch Insel-Bücher. Vorgefundenes wird übermalt, hervorgehoben, umgewidmet – topografische Karten werden durch ihren präzisen Strich zu runzligen Gesichtern umgewidmet, ihr uninteressanter Text mit variierenden Handschriften überschrieben, Geschichten bilddicht erzählt.

Thematisch steht bei ihr selten ein Buch allein da: Burgi Kühnemann arbeitet in Themenkomplexen: da führt ein Werk Heinrich Heines zum nächsten, die Arbeit an einem Märchen gibt Ideen für ein weiteres frei, die Leserin Burgi Kühnemann liest sich fest an den Fabeln von La Fontaine, übersetzt sie neu, entdeckt ihre Aktualität und setzt so eine nach der anderen in Szene: so entstanden weit über 70 Unikatbücher zu den so berühmten Fabeln, da finden sich kunsthistorische Bildzitate neben solchen aus der Tagespresse und der historischen Photographie. Am Nerv des Kleinbürgers zu kitzeln, indem sich die Künstlerin scheinbar auf seine Seite stellt, ist dabei erklärtes Ziel. Hinter der heilen Welt, die leichtfüßig daher kommt in Form von Allgemeinplätzen und Stereotypen und medial breitgetretenen Bildern, eröffnet uns Burgi Kühnemann mit einem Augenzwinkern, souveränem Strich und kühner Wort-Bild-Kombination Abgründe, Hohlheiten und Oberflächlichkeiten. Da wird zum Beispiel Modedesigner Karl Lagerfeld zum tapferen Schneiderlein, der am Ende als „Karl der Große“ auf dem Sockel steht. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zur sparsamen Ameise, die der hungrigen Grille nichts abgeben will.

Formal geht Kühnemann den Weg auch andersherum in den „Wandzeitungen“ der Grimmigen Nach­richten: 23 imitierte Zeitungstitelblätter mit variierenden Untertiteln „Zeitung für märchenhafte Mode“, „für den sportlichen Märchenforscher“, „für Märchenverehrer“ oder auch „für kritische Märchen­freunde“ – mehr als 23 Geschichten aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm werden zerpflückt in Form von Interviews, Aufmachergeschichten und Reportagen wieder neu zusammen­gesetzt auf imitierten Zeitungstitelblättern. Die Artikel sind überschrieben mit „Deutschland sucht das Super-Rotkäppchen“ – „Treuer Hund rettet Kleinkind“ - „Junges Gaunerpärchen des Mordes angeklagt“ – „Brüderchen und Schwesterchen – eine Inzeststory?“ – alle handgeschrieben. Nicht nur diese Zeitung steht im Zusammenhang mit den Büchern, auch im Heine Projekt hat Kühnemann mit einer stilisierten, eng beschriebenen Jacke die strenge Buchform ergänzt und ein Rotkäppchen-Theatrino kommt wie eine skurrile Familienaufstellung daher.

Der persönlichste Arbeitskomplex ist sicher „deutsch gut?“ – eine buchstäbliche Reflexion auf ihre Kindheit während des Krieges in ganz klischeefreier Ausführung. Beruhend auf Familienfotografien und eigenen Texten umkreisen diese Bücher ganz überzeitlich das „Glück“ – die Liebe zum Auto, zum Hund, zum Essen; subtil und präzise.

Erstmals werden in dieser Ausstellung auch Skizzenbücher von Burgi Kühnemann gezeigt, und zwar als eigener Werkkomplex in einer gesonderten Vitrine: und hier, spätestens, in diesen Vorstudien zu den einzelnen Figuren, Tieren und den perspektivischen und seriellen zu Papier gebrachten Überle­gungen lässt es sich nicht länger übersehen: was für eine energiegeladene und großartige Zeichnerin und Malerin Burgi Kühnemann ist.

Einmal mehr ist es bedauerlich, dass in geschlossenen Vitrinen immer nur ein Ausschnitt eines Buches zu zeigen ist – drum werden einige Filme im Eingangsbereich jeweils vollständige Bücher zeigen.

Susanne Padberg, Wien

 

 



 
Lesesaal im Museum Ludwig

Heinrich-Böll-Platz / Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln

Tel.: 0221/221-2 26 26
kmb@stadt-koeln.de

Lesesaal im Museum für Angewandte Kunst

An der Rechtschule
50667 Köln

Tel.: 0221/221-2 67 29, -2 67 13
kmb@stadt-koeln.de

Verwaltung und Postadresse

Kattenbug 18-24
50667 Köln

Tel.: 0221/221-2 24 38, -2 41 71
kmb@stadt-koeln.de