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Ausstellung 27. Juni 2014 bis 10. August 2014

Willy Meller

Ein Künstler zwischen Diktatur und Demokratie

 

Ein Bestand in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln (Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln)
Öffnungszeiten: Di-Do 10-21.00 Uhr, Fr-So 10-18.00 Uhr, Mo 14-21.00 Uhr

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, den 26.06.2014, um 19.00 Uhr
Einführung in die Ausstellung: Dr. Elke Purpus (Direktorin der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln)

Ausstellungsdauer: 27. Juni bis 10. August 2014

Die Kunst- und Museumsbibliothek zeigt vom 27. Juni bis zum 10. August 2014 die Ausstellung „Willy Meller. Ein Künstler zwischen Diktatur und Demokratie. Ein Bestand in der Kunst- und Museumsbibliothek". Die Ausstellung zeigt einen Einblick in den umfangreichen Bestand zu Willy Meller in der Kunst- und Museumsbibliothek.

Der Kölner Bildhauer Willy Meller (1887-1974) gehörte zu den meistbeschäftigten Bildhauern in der NS-Zeit. So erschien am 4. März 1937 im Westdeutschen Beobachter zu Willy Mellers 50ten Geburtstag ein Artikel von Dr. Ewald Bender. In ihm lobte der Autor den Bildhauer überschwänglich mit den Worten:

"Die künstlerischen Leistungen dieses Mannes, der unter den deutschen Bildhauern der Gegenwart vielleicht der echteste Architekturplastiker ist, hätten schon längst eine Würdigung verdient. [...] Als Nationalsozialisten und Kölner haben wir besondere Veranlassung, seiner zu gedenken. Von der Partei und dem neuen Staat sind ihm große Gestaltungsaufgaben übertragen worden. Wie er sie im Geiste des Nationalsozialismus mit reinen und kunstgeübten Händen gelöst hat, bezeugen vor allem die Ehrenmale für die in München Ermordeten der Bewegung auf den Ordensburgen Vogelsang und Crössinsee, für die Gefallenen des Weltkrieges in deutschen Städten, berichten die Bildwerke auf dem Reichssportfeld."

Der Artikel schließt mit dem Ausblick:

"Dieses reife bildhauerische Können und diese Gestaltungskraft versprechen für die Zukunft noch Größeres".

In der Tat - Meller war bei diversen Großbauprojekten im "Dritten Reich" mit seinen bildhauerischen Arbeiten vertreten. Zu den heute bekanntesten Beteiligungen zählen die Arbeiten für die NS-Ordensburgen Krössinsee (im heutigen Polen) und Vogelsang (Eifel) und das "Kraft durch Freude-Seebad" Prora auf der Insel Rügen. Darüber hinaus schuf er eine Reihe von weniger umfänglichen, gleichwohl ns-ideologisch ausgerichteten Arbeiten wie z.B. in Köln-Bayenthal den Eingangsbereich des Martin-Luther-Hauses oder so genannte Kriegerdenkmäler in Lüdenscheid und Viersen-Dülken. Des Weiteren waren eine seiner Spezialitäten Reichs- und Parteiadler. Am 20. April 1939 wurde das NSDAP-Mitglied Meller durch Adolf Hitler zum Professor ernannt. Einen Titel, den er nie ablegte, der heute noch seinen Grabstein auf dem Friedhof in Köln-Weiß schmückt.

Regelmäßig waren in den Jahren 1940 bis 1944 Arbeiten von ihm auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Haus der Deutschen Kunst in München zu sehen. Meller war Unterstützer und Nutznießer des Nationalsozialismus. Er war ein "Vermittler faschistischer Ideologie" (1).

Meller schätzte sich selber nach 1945 als unpolitisch ein. Er sah sich als unbelastet aus der NS-Zeit hervorgegangen. Über seine Tätigkeit in der NS-Zeit schrieb er 1963 im Rückblick:

"Ich sende Ihnen eine Mappe mit 45 Fotos und einen kurzen Lebenslauf. Ich habe darin bewusst darauf verzichtet, auf meine Belastung im dritten Reich [sic!] Bezug zu nehmen, es kommt mir langsam zum Halse heraus. Ihnen zur Unterrichtung und damit Sie auf eventuelle Fragen antworten können, noch einmal die Sache auf das richtige Maß gebracht: So lange ich selbständig arbeite, waren meine Auftraggeber Architekten. Die eigentlichen Auftraggeber kannte ich meist nicht oder nur am Rande. Ich frug nicht nach ihrer Religion oder Weltanschauung. Nach Erledigung des Auftrages vergaß ich sie sowieso. Was mich interessierte, war die formale Lösung der im Zusammenhang mit dem Bau gestellten Aufgabe und das beglückende Zusammenarbeiten mit befreundeten Architekten. Politisch war ich nicht interessiert und erst recht nicht engagiert. [...] Bei uns wurde weiter vom Bau gesprochen und nicht von Politik. [...] 1938 wurde ich [...] zum Professor ernannt. Man nenne mir denjenigen, der die Annahme des Titels verweigert hätte. Außerdem hatte ich durchaus das Gefühl, und habe es heute noch, den Titel verdient zu haben."

So bekannt diese Arbeiten aus der NS-Zeit auch sind, so verwundert es dennoch, dass es bis heute keine intensivere Auseinandersetzung mit diesem Bildhauer gegeben hat, zumal Meller trotz seiner Arbeiten in der NS-Zeit nach 1945 ungebrochen weiter Aufträge für öffentliche Bauten erhielt, worunter Denkmäler, die an den II. Weltkrieg erinnern, einen besonderen Stellenwert innerhalb seines Werkes nach 1945 einnehmen, z.B. für Oberhausen oder Frechen. Zu den beredtsten Beispielen dieser ungebrochenen öffentlichen Beauftragung Mellers ist jedoch der Bundesadler am Palais Schaumburg in Bonn, dem ersten Regierungssitz Konrad Adenauers, zu zählen.

Ein Grund für die bislang ausgebliebene intensivere Beschäftigung mit diesem Künstler könnte sein, dass Mellers Nachlass nur in Fragmenten überliefert ist. 2009 jedoch führten Recherchen der Kunst- und Museumsbibliothek zu diesem Bildhauer zu seinem letzten Wohnsitz in Köln-Weiß. Hierbei stellte sich heraus, dass überraschenderweise das Wohnhaus noch existierte und darüber hinaus sein Atelier und diverse Arbeiten aus der Zeit nach 1945 erhalten geblieben sind. Der Bestand war so umfangreich und enthielt derart viele Fotografien und Modelle von geplanten und umgesetzten Kunstwerken Mellers, dass sich die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln entschloss, diesen Fund fotografisch zu dokumentieren. Auf diese Art und Weise entstanden über 3.000 Fotografien, die sowohl Skulpturen und Arbeiten im Haus und Atelier als auch Fotografien von Dokumenten und Aufnahmen aus Fotoalben umfassen. Die Ausstellung zeigt das Ergebnis dieser Dokumentation. Gezeigt werden in Anlehnung an den KMB-Bestand Fotos, Dokumente, Bücher, Zeitungsartikel und als Leihgaben für diese Ausstellung kleinere Arbeiten Mellers.

Zugleich wird ein erster kritischer Aufriss zu dem Bildhauer geboten. Anhand ausgewählter Beispiele wird die Ambivalenz in Mellers Werks, die in seinen Arbeiten in der NS-Zeit und seinen Arbeiten für öffentliche Auftraggeber nach 1945 deutlich zutage tritt, aufgezeigt.

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(1) So Karin Schuller-Procopovici über Meller in: Kolberg, Gerhard, Skulptur in Köln. Bildwerke des 20. Jahrhunderts im Stadtbild, Köln 1988, S. 145.

Führungen durch die Ausstellung

Donnerstag, den 10.07.2014, Um 17.00 Uhr
Dienstag, den 15.07.2014, um 16.00 Uhr
Freitag, den 08.08.2014, um 16.00 Uhr

Treffpunkt: Am Anfang der Ausstellung



 
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