Sich der eigenen Geschichte stellen

Adolf Hitlers »Mein Kampf« ist die bekannteste und meistgedruckte Propagandaschrift aus der Zeit des Nationalsozialismus. Bis 1944 wurden an die 11 Millionen Exemplare verkauft, seit 1936 in vielen Kommunen auch an Hochzeitspaare verteilt. Hitler erhielt von jedem Exemplar zehn Prozent Tantiemen.

<strong>Adolf Hitler – Mein Kampf, 2 Bände, </strong>25.–27. Aufl. München: Eher-Verl., 1933. Foto: rba_d033556_01
Adolf Hitler – Mein Kampf, 2 Bände, 25.–27. Aufl. München: Eher-Verl., 1933. Foto: rba_d033556_01

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fühlt sich die Leitung des Historischen Museums im August 1933 verpflichtet, eine Reihe von nationalsozialistischer Literatur für den Bestand zu kaufen. Darunter befanden sich an erster Stelle die beiden Bände von Hitlers »Mein Kampf«. Geschrieben 1924 während der für den Putschisten Hitler recht komfortabel gestalteten Haft in der bayerischen Festung Landsberg, wurde der erste Band 1925 und der zweite Band 1926 veröffentlicht. Schon während der Weimarer Republik entwickelte sich Hitlers Propagandaschrift zum Bestseller. Nach der Machtübernahme sprang die Auflage in ungeahnte Höhen. Allein vom Februar 1933 bis zum 31. Dezember 1933 wurden gut 1,5 Millionen Stück verkauft. Ab 1936 erhielten Brautpaare von den Standesämtern anstatt der Bibel »Mein Kampf« geschenkt. Hitler wurde allein dadurch zum steinreichen Mann: Er erhielt pro verkauftem Buch 10 Prozent Tantiemen. Insgesamt wurden bis 1944 10,9 Millionen Stück des Buches verkauft.

Neben Hitlers »Mein Kampf« erwarb das Historische Museum noch weitere nationalsozialistische Bücher, unter anderem von Alfred Rosenberg, Robert Ley und Hermann Göring. Alles andere als ein ungewöhnlicher Vorgang! So geschah es seinerzeit zigtausendfach in den öffentlichen Bibliotheken Deutschlands.

Merkwürdig ist jedoch Folgendes: Während nach dem Ende des Regimes in anderen Bibliotheken – wie beispielsweise der Stadtbibliothek – im Zuge der »Entnazifizierung« der Bestände NS-Literatur wie Hitlers »Mein Kampf« ausgesondert wurde, wurden im Kölnischen Stadtmuseum 1952 und 1953 noch zwei weitere Ausgaben des Buches inventarisiert. Warum dies geschah, bleibt im Verborgenen – wie so vieles in der Geschichte des Museums. Bis zum heutigen Tag ist keine Geschichte über Kölns Geschichtsmuseum veröffentlicht worden.

Dies gilt insbesondere zur NS-Zeit, einmal abgesehen von den Recherchen der Bibliothekarin Beatrix Alexander über den Erwerb und Verbleib von Kunstgut. Offenkundig scheint jedoch damals die Leitung des Historischen Museums dem Zeitgeist bereitwillig verpflichtet gewesen zu sein: In der Dauerausstellung des 1936 eröffneten »Hauses der Rheinischen Heimat« sollte – anders als noch zur berühmten Jahrtausendausstellung von 1925 – das Judentum nicht unter Religionen, sondern in der Abteilung »C: Der Verfall« behandelt werden. Die vorgesehenen Räume zum »Aufstieg und Sieg der NSDAP im Rheinland« wurden zwar nie fertig gestellt, jedoch wurde daran gearbeitet. Die Themen der Sonderausstellung sprechen eine eindeutige Sprache: »Das wehrhafte Deutschland« (1936), »Volksgemeinschaft – Wehrgemeinschaft« (1937), »Schaffendes Volk in der Freizeit« (1938), »Seefahrt in Not« (1941), »Behelfsmäßiger Kriegsbau« (1942) und »Arno Breker« (1943). Die Rolle des Direktors Wilhelm Ewald, der unter anderem mit der Jahrtausendausstellung bedeutende Leistungen erbracht hatte und von 1925 bis 1950 gleich in drei Epochen als Direktor fungierte, drängt geradezu nach einer geschichtswissenschaftlichen Untersuchung. Für das Kölnische Stadtmuseum sollte es Grund genug sein, sich der eigenen Geschichte zu stellen, und Grund genug, den bislang unveröffentlichten, sachkundigen Überblick von Beatrix Alexander zu publizieren.

 

Adolf Hitler – Mein Kampf, 2 Bände, 25.–27. Aufl. Munchen: Eher-Verl., 1933, Inv.-Nr. RM 1933/133. Ankauf von der Versandbuchhandlung Schmidt & Co., Berlin (29 Reichsmark fur insgesamt sechs Bücher). Foto: rba_d033556_01

 


Autor: Dr. Werner Jung

 

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