Pop-Art trifft deutsche Gotik

Als Andy Warhol 1980 an seiner »German Monuments«-Reihe arbeitete, fertigte er auch dieses Bild des Domes an, nach einer Foto-Vorlage, aufgenommen aus seinem Zimmerfenster im Hotel Excelsior Ernst. Auf den kleinsten Nenner heruntergebrochen, ragt der Dom, auf ein Dreieck reduziert, in den Himmel empor. Nur in Konturen und einem filigranen Netz von Linien angedeutet, treten die neugotische Struktur und Formensprache der Architektur in den Vordergrund. 

<strong>Andy Warhol: Cologne Cathedral</strong>, 1980.  Foto: rba_KSM1986_444
Andy Warhol: Cologne Cathedral, 1980.  Foto: rba_KSM1986_444

Völlig herausgehoben, von der Realität isoliert und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen ragt er in den Himmel empor – der Kölner Dom. Pink-violett baut sich die zur Pyramide minimierte Kirche auf einem einfarbigen türkisen Hintergrund vor den Augen des Betrachters auf. Die Identität der Kirche ist nur durch Konturen angedeutet und gänzlich auf das Minimum reduziert, droht sie in architektonische Beliebigkeit abzurutschen. Die angedeuteten Reste der gotischen Turmarchitektur sind versehen mit rot glitzernden Schraffuren, ansonsten fällt der Blick ins Nichts. Die gewählte Perspektive mit ihrer starken Untersicht lässt den Nordturm prominent hervortreten, während der Südturm optisch verkleinert im Hintergrund nur noch andeutungsweise Rückschlüsse auf die eigentliche architektonische Dimension und Gleichheit der beiden Türme zulässt.

Warhol wurde 1928 in Pittsburgh, USA, geboren. Nach dem Studium der Gebrauchsgrafik und dem Abschluss in Malerei und Design zog es ihn nach New York, wo er sich Anfang der 1950er durch Gelegenheitsjobs als Werbegrafiker oder Schaufensterdekorateur über Wasser hielt. Anfang der 1960er Jahre setzte er sich mit Siebdrucken auseinander und begann, vertraute und jedem Amerikaner bekannte Motive für seine Bilder zu benutzen. Eines der bekanntesten dürfte wohl die rot-weiße Konservendose von Campbell‘s sein. Die Farbgebung ist in der für Andy Warhol typischen experimentellen und auf Verfremdung angelegten Weise gehalten. Grelle Acrylfarben und starke Farbkontraste zeichnen seine Bilder aus. Auch Porträts bekannter Persönlichkeiten fertigte er in dieser Zeit, so beispielsweise von Marilyn Monroe, Elvis Presley oder James Dean. Mit der Verwendung von Motiven der Alltagskultur und der Welt des Konsums gehörte Warhol zum Kreis der Künstler der Pop-Art-Richtung.

In dieser vergleichsweise kleinen Folge von vier Siebdrucken hat sich Andy Warhol zum ersten Mal innerhalb seines Œuvres mit dem Thema Architektur befasst – mal abgesehen von dem Film »Empire« (1964), bei dem er das Empire State Building acht Stunden aus ein und derselben Perspektive filmte. Der Fotograf Christopher Makos, der zeitgleich mit Andy Warhol im Excelsior Hotel Ernst am Dom wohnte, nahm aus dem Hotel heraus ein Foto auf, das als Vorlage für die Dombildserie diente. Warhol fertigte zwei zeichnerische Fassungen an, von denen eine im Besitz des Kölnischen Stadtmuseum ist. Er entwickelte in ihnen ein filigranes Netz an Linien, das zum einen an die neugotische Formensprache der Architektur angelehnt ist und zum anderen die Architektur des Doms zur Pyramide reduziert. Die beiden anderen stellten Fotofassungen dar, in denen der Dom deutlich als Fotografie erkennbar ist.

Als Teil der »German Monuments«-Reihe schuf Andy Warhol, neben dem Hamburger Michel, dem Lübecker Holstentor und dem Berliner Reichstag, 1980 passend zum 100-jährigen Jubiläum der Domfertigstellung diese Darstellung des Kölner Doms.

Das Bild wurde im Jahr 1986 mit Unterstützung der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln bei der Kölner Fa. Wefers für 85.600 DM erworben.

 

Andy Warhol: Cologne Cathedral, 1980, Siebdruck: Acryl auf Leinwand mit Diamond Dust; H: 123,5 cm, B: 105 cm, Inv.-Nr. KSM 1986/444. Foto: rba_KSM1986_444


Autor: Stefan Lewejohann

 

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