Personenkult auf Porzellan

<strong>Zierteller mit Bildnis und Zitat Otto von Bismarcks, </strong>Porzellan-Manufactur Crefeld von Friedrich Wilhelm Krumm, um 1890. Foto: rba_d033569
Zierteller mit Bildnis und Zitat Otto von Bismarcks, Porzellan-Manufactur Crefeld von Friedrich Wilhelm Krumm, um 1890. Foto: rba_d033569

Der Zierteller ist ein Dokument des Personenkults um den »Eisernen Kanzler«. Seit den siegreichen Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich galt Bismarck als Held, mit der Reichsgründung 1871 als Vollender der Träume vom deutschen Nationalstaat. Auch wenn er innenpolitisch aufgrund seines Kampfes gegen die Arbeiterbewegung und die katholische Kirche umstritten war: Das deutsche Bürgertum – selbst im Rheinland – verehrte ihn.

Das Bildnis für den Teller entstand 1887, doch das Porzellanprodukt kann erst nach 1888 in Krefeld in Serie produziert worden sein, da darauf Bismarcks Rede von 1888 zitiert wird. Zwei Jahre später wurde Bismarck vom jungen Kaiser Wilhelm II. entlassen. Dies tat dem Personenkult keinen Abbruch, im Gegenteil: In ganz Deutschland gründeten sich Bismarckvereine, es entstanden Bismarckdenkmäler und Bismarcktürme, in Köln 1903 am Bayenthalgürtel. Das Bildnis des alten Kanzlers war über dessen Tod 1891 hinaus überall präsent – sogar in der Werbung.

Somit auch auf Porzellantellern. Diese Nachfrage bediente die Krefelder Manufaktur Friedrich Wilhelm Krumm, die vom gleichen Künstler 1887 auch einen Zierteller mit Bildnis und Zitat des Generalfeldmarschalls von Moltke anbot. Offenbar sandte Krumm die Entwürfe an die beiden inzwischen pensionierten und hochverehrten Gestalten preußisch-deutscher Geschichte, die ihm dies artig mit Dankschreiben quittierten – was geschickt vermarktet und auf den Tellerrückseiten angegeben wurde.

Das unter dem Bildnis zu lesende Zitat »Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt« stammt aus Bismarcks letzter großen Reichstagsrede vom 6. Februar 1888. Bismarck forderte in dieser Rede zur Vermeidung von Kriegen auf und fuhr fort: »Und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen läßt.« Doch seine Worte hatten eine fatale Wirkung. Extreme Nationalisten zitierten immer nur den ersten Teil, der sich in die kollektive Erinnerung einbrannte – wie auch in scheinbar harmlose Porzellanteller.

Den Teller überwies 1934 das Wohlfahrtsamt der Stadt Köln an das Museum, als Wert wurde »1 Mark« angegeben. In dieser Zeit hatten das Zitat und der Personenkult um den Eisernen Kanzler ihre verheerende Wirkung entfaltet. Der Reichskanzler hieß nun Adolf Hitler, der sich als Nachfolger, ja Vollender Bismarcks feiern ließ. Seit dem »Tag von Potsdam« am 21. März 1933 wurde die Versöhnung zwischen konservativer preußischer Elite und den neuen Machthabern zelebriert. Als der Teller den Weg in das Museum fand, kursierte eine beliebte Postkarte mit den Profilen Friedrichs des Großen, Bismarcks, Hindenburgs und Hitlers mit dem Titel: »Was der König eroberte, der Fürst formte, der Feldmarschall verteidigte, rettete und einigte der Soldat.« Als man die Premiere des NSFilms »Bismarck« im Berliner Ufa-Palast 1940 mit Propagandaminister Goebbels feierte, waren die Folgen absehbar: Völkermord und Untergang.

 

Zierteller mit Bildnis und Zitat Otto von Bismarcks, Porzellan-Manufactur Crefeld von Friedrich Wilhelm Krumm, um 1890. Vorderseite: Bildnis Bismarcks im Profil nach rechts, sign. Eckstein 87, mit Signatur: v. Bismarck, und Zitat: »Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt. 6. 2. 88« Rückseite mit Prädikatsmedaille von Friedrich Wilhelm IV., bez.: Friedr. Wilh. Krumm, Porzellan-Manufactur Crefeld / Ausgez. durch Dankschreiben des Herrn Reichskanzlers. Porzellan, Dm: 25,5 cm, Inv.-Nr. RM 1934/9. Überweisung vom Wohlfahrtsamt der Stadt Köln, 1934. Foto: rba_d033569


Autor: Rother, Bismarck; Gerwarth, Bismarck-Mythos; Haffner, Bismarck; Althammer, Bismarckreich, S. 254 f.

 

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