Helm auf!

Seit den Befreiungskriegen war besonders Preußen von einer durchgreifenden Militarisierung geprägt. Alle Staatsdiener trugen Uniform. Unverzichtbar war seit 1842 die Pickelhaube, die bis heute in der Gebärdensprache mit »deutsch« identifiziert wird.

<strong>Helm eines höheren preußischen Zollbeamten, <br /></strong>um 1900. Foto: rba_d033525
Helm eines höheren preußischen Zollbeamten,
um 1900. Foto: rba_d033525

Heutzutage gilt solch ein Helm, gemeinhin »Pickelhaube« genannt, als typisch für das wilhelminische Deutschland. Dabei wurde der »Helm mit Spitze« erstmals bereits 1842 im preußischen Heer, später auch bei der Polizei eingeführt. Im Idealfall sollte wohl die Spitze den Hieb einer Blankwaffe seitlich am Kopf des Trägers vorbeilenken. Im Ersten Weltkrieg erwiesen sich die Pickelhauben als trügerisch – ihre Spitzen verrieten trotz Tarnkappenbezug ihre Träger, das Material hielt modernen Waffen nicht stand, und so wurde 1916 der Stahlhelm in der deutschen Armee eingeführt. Bis dahin trugen der deutsche Soldat und die meisten Vertreter der Staatsmacht die Pickelhaube, die noch einen anderen Effekt hat – sie lässt den Träger größer erscheinen.

Schon im friderizianischen Preußen war die Armee von großer Bedeutung gewesen, der französische Staatsmann Graf Mirabeau (1749–1791) soll geäußert haben: »Andere Staaten besitzen eine Armee; Preußen ist eine Armee, die einen Staat besitzt.« Seit den Befreiungskriegen wurde sie fundamental für das deutsche Nationalbewusstsein. Mit den Kriegen zur Einigung Deutschlands und besonders dem Sieg über Frankreich 1871 nahm die Militarisierung noch zu – »Zivilist« hatte in Preußen einen abschätzigen Klang. So verwundert es nicht, dass es kaum einen Beamten gab, den nicht eine nahezu militärische Uniform »schmückte«. (Das galt allerdings nicht für Beamtinnen.)

Ihren Höhepunkt erreichten Militarisierung und Einzug militärischer Tugenden in das Zivilleben und die Arbeitswelt vor dem Ersten Weltkrieg. Das Ideal war der adlige Offizier. War die Nobilitierung nur wenigen Reichen vorbehalten und eine Karriere beim Militär bis zum Ende des Kaiserreichs fest in Händen des Adels, so stand die militaristische Verkleidung der Allgemeinheit offen.

Das »Uniformsreglement für die Beamten der indirecten Steuern«, erstmals 1874 publiziert, schrieb 1882 vor, wie der Helm der »Ober-Zoll- und Ober-Steuer-Inspectoren« auszusehen hatte: »ähnlich dem der Officiere der Infanterie; sogenannte russische Form. Die Spitze eckig und die Felder nach innen gewölbt; auf der Vorderseite der gekrönte goldene heraldische Adler mit dem silbernen Namenszuge [des regierenden Fürsten, d. Verf.] auf der Brust«. Allerdings trugen Zollbeamte solche Helme nur zu besonderen Gelegenheiten, für den Alltagsgebrauch reichte eine Dienstmütze mit ledernem Schirm und dunkelgrünem Tuch. Aber auch die übrige Kleidung und Bewaffnung orientierte sich an derjenigen der Offiziere von Infanterie und leichter Kavallerie. Die Berliner Firma Mohr & Speyer, die unter anderem in Köln eine Filiale in der Schildergasse betrieb, wurde ausdrücklich als Bezugsquelle empfohlen.

Übrigens symbolisiert in der internationalen Gebärdensprache bis heute der ausgestreckte, nach oben zeigende und über die Stirn gehaltene Zeigefinger die Pickelhaube und bedeutet: »deutsch«.

Der Verkäufer Jürgen Olmes aus Krefeld hatte in den 1950er- und 1960er-Jahren zahlreiche militärhistorische und -kostümkundliche Werke publiziert. Der Helm wurde 1956 für 22,60 DM erworben (verm. inkl. Portogebühren?)

 

Helm eines höheren preußischen Zollbeamten, Preußen, um 1900, schwarzes gepresstes Leder, Messing, Eisen, H: 21,7 cm, Inv.-Nr. HM 1956/266 = W 1133. Ankauf von Jürgen Olmes, Krefeld, 1956. Foto: rba_d033525

 


Autor: Rita Wagner

 

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