Ein guter Tausch

Den Platz, den Gerrit A. Berckheyde abbildet, hat es in Köln so nie gegeben – von architektonischen Anmutungen wie St. Gereon, St. Maria im Kapitol und dem Gürzenich umgeben. Wahrscheinlich hat der Maler, der auch das Rheinland bereiste, dieses Marktidyll aus verschiedenen Skizzen zusammenkomponiert, um die zentrale Figurengruppe effektvoll in Szene zu setzen.
Neben der eleganten Dame inmitten des bodenständigen Marktangebots verwundert vor allem die saubere Aufgeräumtheit des Platzes, wie er im legendär schmutzigen Köln des 17. Jahrhunderts sicher nicht zu sehen war.

<strong>Gerrit A. Berckheyde: Marktszenerie in Köln</strong>, Haarlem, 3. Drittel des 17. Jahrhunderts. Foto: rba_d033430
Gerrit A. Berckheyde: Marktszenerie in Köln, Haarlem, 3. Drittel des 17. Jahrhunderts. Foto: rba_d033430

Das Gemälde schildert eine idyllische Marktszene, die man erst bei näherer Betrachtung in Köln ansiedelt: Prominent am linken Bildrand erkennt man das Dekagon von St. Gereon, jedoch mit einem falschen Turm, der wohl der Kirche St. Jakob entlehnt wurde. Im Bildhintergrund könnten der Gürzenich und am rechten Bildrand Versatzstücke von St. Maria im Kapitol zu sehen sein. Vielleicht ist es denkbar, dass Gerrit Berckheyde (1638–1698), der in jungen Jahren das Rheinland bereiste, aus seinen Skizzen später Stadtansichten komponierte, die weniger als Abbild denn – wie hier – als Staffage für das eigentlich im Zentrum stehende Marktgeschehen dienen sollten.

Die friedvolle Atmosphäre des Obst- und Gemüsemarkts, in dessen Mitte eine Dame etwas aus dem opulenten Angebot wählt, das ihr in Körben zu Füßen ausgebreitet ist, lässt nachvollziehen, dass man diese ruhige, gelassene Szene eher in den Niederlanden als im geschäftigen (und schmutzigen) Köln des 17. Jahrhunderts ansiedelte.

Erstmals erfahren wir von dem Gemälde, als es aus der Sammlung des 12. Herzogs von Somerset, Edward Adolphus Ferdinand Seymour, Earl St. Maur (1835–1869), an seinen Sohn Richard Harold St. Maur (1869–1927) übergegangen ist und in London bei Christie‘s versteigert wird. Im »Catalogue of old pictures the property of Colonel R. Harold St. Maur (...) on Friday, July 10, 1925« wird als Lot 53 »G. Berckheyden (sic) – A Market-Place in a Dutch Town, with numerous figures« angeboten. (Die niederländische Verortung ist wahrscheinlich auch der Haarlemer Herkunft Berckheydes geschuldet.) Bei der Auktion erwarb der Kunsthändler Leger es für ungefähr 50 Guineen (was 50 Pfund entspricht).

1937 tauchte es in Köln beim Kunsthaus Malmedé, Unter Sachsenhausen 33, auf. Dort hatte man bereits 1934 zu Rudolf Siedersleben (1894–1946) Kontakt aufgenommen und ihm Angebote unterbreitet. (Die Firmenunterlagen von Malmedé wurden im März 1945 von amerikanischen Truppen mitgenommen, weswegen nicht bekannt ist, zu welchen Konditionen es an Siedersleben ging.)

Rudolf Siedersleben war in dem Jahr – begünstigt durch das erzwungene Ausscheiden des jüdischen Mitinhabers Ottmar Strauss (1878–1941) – zum Teilhaber der Firma Otto Wolff aufgestiegen, deren Hauptverwaltung gleich um die Ecke in der Zeughausstraße 2 lag. Das Unternehmen, das 1904 als Schrotthandel gegründet worden war, hatte sich zu einer international agierenden Unternehmensgruppe des Eisen- und Stahlhandels weiterentwickelt, und so hatte Siedersleben weitreichende Kontakte und Finanzmittel, die er zum Teil auch in den Dienst des Museums stellte.

Siedersleben ist es zu verdanken, dass Schloss Gaibach bei Würzburg in Franken als Auslagerungsort für öffentlichen und privaten Kölner Kunstbesitz zur Verfügung stand. Neben Mietvertrag und -zahlung organisierte er Instandsetzungen, Brennmaterial für die Öfen, Proviant und Transport wie auch eine Haushaltshilfe. Teile seiner geräumigen Wohnung im Schloss – die er selten und nur kurz nutzte – stellte er zeitweilig anderen Personen zur Verfügung, wie zum Beispiel der Gattin des Vizepräsidenten der Reichsbank, Margaretha Puhl, und ihrem Sohn Johannes.

Für Siedersleben war es sicher die nächstliegende Lösung, auch seinen eigenen Kunstbesitz von Köln nach Gaibach zu evakuieren. Mit Datum vom 10. Dezember 1944 wurde als Tausch Nr. 14 der Berckheyde gegen eine Reihe von Möbeln und Geschirr aus Museumsbesitz im Schätzwert von rund 2300 Reichsmark getauscht, wobei das Gemälde mit 2800 Reichsmark bewertet wurde.

 

Gerrit Adriaensz. Berckheyde: Marktszenerie in Köln, Haarlem, 3. Drittel des 17. Jahrhunderts,  bez. links unten: Gerrit Berck-Heyde, Öl auf Holz, H: 46,5 cm, B: 60 cm, Inv.-Nr. RM 1944/195. Tausch mit Rudolf Siedersleben. Foto: rba_d033430


Autor: Beatrix Alexander

 

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