»Ja auch im Winter, wenn es schneit«

Die winterliche Landschaft im impressionistischen Stil des Kölner Malers Fritz Westendorp von 1917 zeigt eine detailgetreue Ansicht der Landschaft rund um den Kölner Dom. Ganz links im Bild das Hotel du Nord, damals das beste und größte Hotel der Stadt, dominant in der Mitte der Domchor. Westendorp malte sein Motiv aus einem der Brückentürme der Hohenzollernbrücke heraus.

<strong>Fritz Westendorp: An der Brückenrampe</strong>, um 1920. Foto: rba_d033429
Fritz Westendorp: An der Brückenrampe, um 1920. Foto: rba_d033429

Der in Köln geborene Künstler Fritz Westendorp (1867–1926) studierte an der Düsseldorfer Akademie und war Schüler des Landschaftsmalers Eugen Dücker (1841–1926). Auch der bedeutende Maler des Impressionismus, Camille Pissarro (1830–1903), beeinflusste Westdorps Malweise nachhaltig.

Vergleicht man dieses Bild mit alten Fotografien aus der Zeit um 1917, dann hat der Maler seine winterliche Landschaft rund um den Kölner Dom sehr detailgetreu wiedergegeben. Er wählte damals den Blick auf das auf die Domachse zulaufende Brückenende. Der mächtige Domchor besetzt die Bildmitte zwischen dem 1894 eröffneten Hauptbahnhof und dem »Hotel du Nord«, das 1860 am Frankenplatz neu erbaut worden war.

Die sich am Frankenplatz die Brückenrampe hoch mühende Straßenbahn – sie fuhr erst seit 1901 durch Köln – korrespondiert auf der rechten Seite des Bildes mit einem aus dem Bahnhof herausfahrenden Zug. Direkt daneben setzt hier das große Stellwerkhaus den architektonischen Akzent. Eine Signalbrücke quert vor dem Turm des Hauptbahnhofs die Gleise.

Die hinter dem Betrachter liegende Hohenzollernbrücke war erst wenige Jahre vorher, am 22. Mai 1911, durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht worden. Damals war es üblich, ein solches Ingenieurbauwerk mit steinernen Architekturelementen zu verschönern. In einem der Brückentürme nutzte Fritz Westendorp ein Fenster als Standpunkt für seine Vorzeichnungen und die Staffelei.

Das Bild wurde dem Museum im Jahr 1927 von einer überaus interessanten Personenkonstellation geschenkt. Josef Feinhals (1867–1947) war in Köln ein bekannter Tabakwarenhändler. Außerdem war er Kunstmäzen und unter dem Pseudonym »Collofino« literarisch unterwegs. Bei DuMont Schauberg wurden seine Arbeiten publiziert. Daher rührte vermutlich auch die Verbindung zum zweiten Schenker des Bildes, Alfred Neven DuMont (1868– 1940), der im Adressbuch von 1927 verzeichnet war mit »Kommerzienrat, Zeitungsverleger u. Buchdruckereibesitzer, Teilh. von M. Du Mont Schauberg, Expedition der Kölnischen Zeitung«. Arnold von Guilleaume (1868–1939), der Dritte im Bunde, gehörte gemeinsam mit seinen Brüdern Theodor und Max zu den führenden Köpfen des Seil- und Kabelherstellers »Theodor Felten & Guilleaume«. Sie standen um die Jahrhundertwende an erster Stelle der »Kölner Millionäre«.

Die einzige Frau im Schenkerquartett war Maria von Scheller-Steinwartz. Über sie gibt es keine Daten und man kann nur vermuten, dass es sich hier um die Witwe des 1921 in München verstorbenen deutschen Diplomaten, Politiker und Hochschullehrer Robert Richard von Scheller-Steinwartz handelt. Maria von Scheller-Steinwartz (verm. gest. 1944) verkehrte wahrscheinlich in diesen Kölner Kreisen und wohnte dann, wenn sie in Köln war, im eleganten »Hotel du Nord«, das in den 1920er Jahren das beste und größte Hotel in Köln war: 260 Betten für »Herrschaften« und 120 Betten für die zugehörige Dienerschaft.

 

Fritz Westendorp: An der Brückenrampe, um 1920, Öl auf Leinwand, H: 84,5 cm, B: 140 cm,  Inv.-Nr. HM 1927/594. Geschenk von Josef Feinhals, Alfred Neven DuMont, Maria von Scheller-Steinwartz und Arnold von Guilleaume, Köln 1927. Foto: rba_d033429


Autor: Dr. Michael Euler-Schmidt

 

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