»D‘r Zoch kütt«

Die Fertigstellung des Kölner Doms feierte das Kölner Bürgertum in einem Historischen Festzug, der die Geschichte des Baus zum Thema hatte. Das Kölner Bürgertum zog historische Kostüme an und ließ sich auch darin ablichten. So dokumentierten sie ihren Anspruch auf die Stadtgeschichte, obwohl die Familien der meisten erst im Laufe des 19. Jahrhunderts nach Köln gekommen waren.

<strong>Carl Westendorp: Freiherr Max von Oppenheim als »von der Aducht«, </strong>1880. Foto: rba_d033421
Carl Westendorp: Freiherr Max von Oppenheim als »von der Aducht«, 1880. Foto: rba_d033421

Am 16. Oktober 1880, einen Tag nach dem Fest zur Vollendung des Doms, zog ein von Kölner Bürgern nach Anleitung Düsseldorfer Künstler gestalteter großer historischer Festzug zu Ehren von Kaiser Wilhelm durch Köln. Dem Kaiser gefiel der Zug so gut, dass er begeistert den Vorschlag von Oberbürgermeister Hermann Becker aufgriff und den Zug ein zweites Mal »entgegennahm«.

Angeregt durch große Festzüge in Ulm und Wien, hatte auch das Kölner Bürgertum beschlossen, den Tag der Domvollendung mit einem historischen Festzug zu begehen. Für die Planung konnten neben Professor Wilhelm Beckmann von der Düsseldorfer Akademie auch dessen Kollegen Fritz und Ernst Roeber, Albert Baur und Wilhelm Camphausen gewonnen werden. Sie waren bereit, die Entwürfe unentgeltlich zu machen.

Der Festzug hatte bei allen Beteiligten einen derart nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass das Comité für den historischen Festzug unter Vorsitz des Rechtsanwalts und Stadtverordneten Johann Josef Fischer (1830–1904), des Direktors der ColoniaVersicherung Jacob Gilbert (Direktor 1868–1883) und des Bankiers Albert Freiherr von Oppenheim (1834–1912) 1881 beschloss, die noch im Fonds vorhandenen Geldmittel dahingehend zu verwenden, den Festzug als Wandgemälde mit einer Gesamtlänge von 53 Metern im Gürzenich der Nachwelt zu erhalten. Sie betrachteten es gar als »Pflicht der Vaterstadt ..., ihn zu verewigen«. Dazu bot sich der umgebaute Gürzenich, dessen Großer Festsaal nach jahrzehntelangen Renovierungen 1885 fertiggestellt wurde, als die traditionelle »gute Stube« des Kölner Bürgertums geradezu an. Zum Dank für ihre unentgeltliche Festzugsmitarbeit wurde den beteiligten Düsseldorfer Künstlern der Auftrag zur Ausmalung des ebenjenen Saales erteilt, der immerhin 75.000 Mark umfasste.

Der Festzug bot den Kölner Bankiers, Kaufleuten, Fabrikanten etc., deren Familien meist erst nach 1794 nach Köln gekommen waren, die Gelegenheit, ihre soziale Stellung zu legitimieren und sich als die wahren Nachfolger der alten Kölner Geschlechter zu präsentieren. Darum war es auch Ziel der Wandgemälde, »den Teilnehmern des Festzuges ein Denkmal zu setzen«. Oberbürgermeister Hermann Becker, der dem Kaiserpaar auf der Tribüne den Zug erläutert hatte, wurde nachträglich von Fritz Roeber in das Gemälde »Die Einholung der Gebeine der Hl. Drei Könige« hineingemalt.

Nicht alle waren mit der Wahl des Sujets einverstanden – der Stadtverordnete Balduin Schilling wünschte »ein wirklich historisches Gemälde herstellen zu lassen, ... dessen Figuren die Persönlichkeiten darstellen, welche das Fest verherrlicht haben«. Er forderte porträtgenaue Darstellungen in »künstlerisch wirkungsvoller Gruppierung« und fürchtete – wohl nicht zu Unrecht –, dass die Darstellung des Historischen Festzuges der Nachwelt als »Curiosité« erscheinen könne. Dem ComitéPräsidenten Fischer hingegen war ein Gemälde mit lauter schwarz befrackten Herren ein Gräuel. Der Stadtverordnete Dr. med. Bernhard Michael Braubach protestierte heftig dagegen, dass aus der Stadtkasse ein Zuschuss von 25.000 Mark für die Gemälde gegeben werden sollte: »Der größte Teil der Bürgerschaft habe bei dem Feste nicht mitgewirkt und sich nicht dabei beteiligt.« Als Zentrumsmitglied war er natürlich auch aus religiöspolitischen Gründen gegen diese Selbstinszenierung des politischen Liberalismus.

Rechtsanwalt Fischer erbat von den Beteiligten Erinnerungsfotografien im Kostüm, von denen sich neben den 34 aus der Überweisung des Oberbürgermeisteramtes von 1905 auch noch vereinzelte weitere Exemplare anderer Herkunft im Laufe der Jahre im Museum eingefunden haben.

 

Carl Westendorp: Freiherr Max von Oppenheim als »von der Aducht« (aus: 34 Fotografien von Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Historischen Festzuges anlässlich der Domvollendung 1880 in ihren Kostümen), Köln, 1880. Unterschrift: Max von Oppenheim. Fotografie; H: 16,5 cm, B: 11 cm, Inv.-Nr. HM 1905/603,19. Überweisung des Oberbürgermeisteramtes der Stadt Köln im Jahr 1905. Foto: rba_d033421


Autor: Rita Wagner M. A.

 

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