Ergebnis drucken Zurück

Name Weinberg, Ernst
Biografie Ernst Weinberg stammte aus einer erfolgreichen Erkelenzer Kaufmannsfamilie. Sein Vater Alexander hatte 1881 das alteingesessene Textilgeschäft „A.Weyl“ in der Brückenstraße 5 übernommen. Im Jahr 1900 expandierte die Firma: Alexander Weinberg eröffnete in der Bellinghovener Straße 4., der heutigen Kölner Straße, ein modernes Geschäftshaus. Ernst Weinberg, am 5. September 1887 in Erkelenz geboren, stieg früh in das Familienunternehmen ein. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, wurde er eingezogen und nach einem Rettungseinsatz für einige seiner Kameraden zum Leutnant befördert. Nach seiner Rückkehr führte er gemeinsam mit seiner Mutter das Familienunternehmen weiter. Am 7. August desselben Jahres heiratete er die sieben Jahre jüngere Johanna Rosenberg aus Ahlen in Westfalen. Das Paar bekam rasch hintereinander drei Kinder: Alexander, Jahrgang 1921, Alfred, Jahrgang 1923, und Otto, Jahrgang 1924. Weinberg war ein umtriebiger Mann mit großen Plänen. 1928 baute er gegenüber dem Geschäftshaus in der Bellinghovener Straße eine moderne Ausstellungspassage mit sieben Schaufenstern. Auch politisch war der Kaufmann aktiv. Weinberg engagierte sich in der Kommunalpolitik und wurde zweimal in den Stadtrat von gewählt. Er war damit der zweite Jude überhaupt, der in den 1920er Jahren einen Sitz im Rat der Stadt Erkelenz erlangte. In seiner Freizeit war er im Karneval aktiv und saß jahrelang im Elferrat der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft. Das Blatt wendete sich 1933: Am 1. April wurde das Unternehmen „A.Weyl Nachfolger“ wie tausende andere jüdische Geschäfte ein Opfer des reichsweiten Boykottaufrufs der Nationalsozialisten. 1935 kam Weinberg eine Woche „wegen Verbreitung von Gräuelmärchen“ in Haft. Zwei Jahre später wurde die Firma „arisiert“ und an einen Kölner Kaufmann verkauft. Weinberg und seine Familie zogen noch im selben Jahr nach Köln in die Aachener Straße 399. 1939 konnten die drei Söhne Deutschland mit einem Kindertransport nach England verlassen. Sie überlebten den Holocaust. Ernst und Johanna Weinberg mussten 1940 in ein Ghettohaus in die Ottostraße 44 umziehen. Am 30. Oktober 1941 wurden sie in das Ghetto Litzmannstadt deportiert und am 12. Mai 1942 weiterdeportiert in das Vernichtungslager Kulmhof. Dort wurden sie wenig später ermordet.
Ort Köln
Stadtteil Lindenthal
Straße Aachener Straße 399
Deportations- / Haft- / Sterbeort Litzmannstadt (Lodz)
Verfolgtengruppe Juden/Jüdinnen