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Herzlich willkommen

 

Über 140.000 Gäste jährlich erleben mit dem Museumsdienst die Welt der Kölner Museen.

In Führungen, Kursen, Workshops und Projekten vermitteln die Pädagogen dem Publikum kulturelle Themen und künstlerische Inhalte, von der Antike bis in die Gegenwart.

Eine Aufgabe mit großer Tradition und verheißungsvoller Zukunft, die der Museumsdienst für zehn Einrichtungen erfüllt. Seit 50 Jahren.

Machen Sie sich selbst ein Bild. Wir freuen uns auf Sie!

Dr. Matthias Hamann, Direktor

 

Notizblog. Neues aus Bildung und Vermittlung

 
03
08

Des Kaisers neue Teller

Dreizehn Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren nutzten die Gelegenheit, sich in den Sommerferien mit dem Thema „Weißes Gold“ zu beschäftigen. Im Museum für Ostasiatische Kunst wurden sie zu Nachwuchsdesignern in Sachen Porzellanmalerei. In der aktuellen Sonderausstellung erfuhren die Kinder von der Museumspädagogin Eva Schwering viel über die Erfindung, Herstellung und Bemalung des kostbaren Werkstoffs Porzellan in China.

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Dank des Kranichs - Mit den "LeseWelten" im Museum für Ostasiatische Kunst

Das Bilderbuch Dank des Kranichs von Kaiko Funatsu, illustriert von Momo Nishimura, erzählt das gleichnamige japanische Volksmärchen. Es berichtet von einem alten, kinderlosen Ehepaar, das einen verletzten Kranich vor dem Tod bewahrt, indem es den Vogel bei sich aufnimmt und pflegt. Kurz nachdem der Kranich das Haus der Eheleute wieder gesund verlassen kann, klopft es eines Abends an der Tür.

 
 

Was wir bieten

Unser Portfolio

Vermitteln steht in Köln seit 50 Jahren gleichberechtigt neben den Museumsaufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen. Die Schwerpunkte liegen auf Angeboten für Familien, auf generationsübergreifenden Programmen und auf der Berücksichtigung gesellschaftlicher Vielfalt. Ziel ist es, die Besucher mit Kunst und Kultur vertraut zu machen und in ihrer Relevanz für die Gegenwart erleben zu lassen.

Quelle des steigenden Erfolgs ist die Verbindung von Vermittlung und Kulturmarketing, ein in der Kulturellen Bildung einzigartiger Ansatz. Der Museumsdienst kann dies gut verknüpfen, denn er verantwortet für den Kölner Museumsstandort auch Kommunikation und Marketing. Weitere Aufgaben sind die strategische Entwicklung des Audience Development und Fragen der Besucherorientierung.

Alle Leistungen dienen zunächst den Museen der Stadt Köln, punktuell aber auch Institutionen in anderer Trägerschaft. Als Teil des Dezernats für Kunst und Kultur hat der Museumsdienst weitere Aufgaben der Kulturellen Bildung, begleitet übergreifende Vermittlungs- und Kommunikationsmaßnahmen und ist in stadtweite und überregionale Netzwerke eingebunden.

 
 

Wer wir sind

Leitbild

Als führende Einrichtung der Museumspädagogik in Deutschland entwickeln, organisieren und realisieren wir zentral die Vermittlungsarbeit für die Museen der Stadt Köln. Wir sind eigenständiger und gleichberechtigter Partner dieser Museen und direkte Schnittstelle zur Öffentlichkeit. Grundlage unserer Arbeit sind die Sammlungen und Ausstellungen in den Kölner Museen. Durch engen Dialog mit der Wissenschaft sorgen wir für aktuelle Inhalte, nachhaltige Bildung und Freude an der Kultur.

Wir entwickeln unser Programm für die gesamte Bevölkerung in Köln und darüber hinaus, unabhängig von Alter, Herkunft, Bildung und Religion. Dabei achten wir auf eine barrierefreie Vermittlung. Wir wollen unser Publikum am kulturellen Erbe mit all seinen Bezügen zu einer ständig sich wandelnden Gesellschaft teilhaben lassen. Unser Tun zielt auf Stärkung der Persönlichkeit mit ihren schöpferischen Anlagen und kulturellen Kompetenzen.

Wir sind Teil eines Netzwerkes im Dienste der Kultur. Mit Partnern aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen arbeiten wir konstruktiv zusammen und erstreben die besten Lösungen. Quelle unseres Erfolges sind unsere Mitarbeiter. Wir fördern ihr Wissen und sichern die Qualität ihrer Arbeit. Im Umgang miteinander pflegen wir offenen Dialog und gegenseitigen Respekt.

In unserer Arbeit verfolgen wir klare Ziele. Wir stellen der Öffentlichkeit unsere ganze Energie und Erfahrung zur Verfügung. Wir wahren wissenschaftliche Ernsthaftigkeit und setzen auf eine Vielfalt zeitgemäßer Vermittlungsformen. Der Respekt vor allen Kulturen ist ständige Prämisse unseres Handelns.

 

 

Unser Netzwerk

Kooperationspartner

Agentur für Arbeit
Arbeitskreis Textilunterricht NRW e.V.
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Bühnen der Stadt Köln 
Bundesverband Museumspädagogik e.V.
Bundesverwaltungsamt Köln - Zentralstelle Auslandsschulwesen
Bundeszentrale für politische Bildung
Caritas-Verband Köln
CIAM (Zentrum für Internationales Kunstmanagement) Köln
City Marketing Köln e.V.
Deutscher Altphilologenverband
Deutscher Museumsbund
Deutschlandradio Kultur (lyrix)
ecosign, Akademie für Gestaltung
Generationenakademie Rheinland 
Goethe-Institut
Gürzenich-Orchester
Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Seminar für Kunstgeschichte
Historisches Archiv der Stadt Köln, Abteilung Vermittlungsarbeit
Institut für Lehrerfortbildung, Mülheim a.d. Ruhr
Joblinge gAG
Junges Literaturhaus
KoKobe 
KölnMusik - Philharmonie Köln 
Landesverband Nordrhein-Westfälischer Geschichtslehrer e.V.
Lernende Region e.V.
Lernen vor Ort, Bildungssekretariat Köln.
Literaturhaus Köln e.V.
LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn
Macromedia, Hochschule für Medien und Kommunikation
migration audio archiv
MovieCrew Cologne e.V.
Muslimisches Familienbildungswerk Köln
Pro Humanitate e.V.
raa Köln
Region KölnBonn e.V.
Rheinische Musikschule
Schulamt Köln, JugendArtGalerie
SK Stiftung Kultur 
StadtBibliothek Köln
Unicef
Universität Bonn, Philosophische Fakultät,Institut für Sprach-, Medien- und Musikwissenschaft
Universität zu Köln, Cologne African Studies Centre
Universität zu Köln, Erziehungswissenschaftliche Fakultät, Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Universität zu Köln, Historisches Institut, Abt. für Didaktik der Geschichte
Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät
Universität zu Köln, Seminar für Allgemeine BWL, Medien- und Technologiemanagement
Universität zu Köln, Theaterwissenschaftliche Sammlung
Universität Wien, Fachbereich Deutsch als Fremdsprache
Volkshochschule Köln / Amt für Weiterbildung
WDR, Kinderfernsehen (Die Sendung mit dem Elefanten)
Zeit für Wissen e.V.
Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration (ZMI)
Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln, Fachseminar Geschichte
Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln Leverkusen, Fachseminar Geschichte

 

50 Jahre Museumsdienst

50 Jahre Museumsdienst | Susanne Laugwitz-Aulbach (Beigeordnete für Kunst und Kultur)

50 Jahre Museumsdienst Köln! Das ist ein wirklich großes Jubiläum. Fünf Jahrzehnte sind auf allen Gebieten immer mit besonderen Symbolen und Feierlichkeiten verbunden. In der Ehe sind 50 gemeinsame Jahre das Fest der „Goldenen Hochzeit“. Und, wenn wir uns das mit halb geschlossenen Augen vorstellen, die vielen Programme und Projekte Revue passieren lassen, die allein letztes Jahr 130.000 und seit Bestehen über 4 Millionen Gäste besucht haben (Kinder, Schüler, Jugendliche, Erwachsene, Betagte, durch alle Interessengruppen - und Nationalitäten hindurch), so kann man ein bisschen den Goldstaub sehen, wie er hier im Saal tanzt vor Begeisterung über die großartige Leistung dieser Einrichtung.

Und somit begrüße ich: Frau Erste Bürgermeisterin Scho-Antwerpes, die Vertreterinnen und Vertreter des Rates, Herrn Prof. Klein und die Mitglieder der museumspädagogischen Gesellschaft, Herrn Dr. Hamann natürlich und sein Team, und viele Gäste aus Kultur, Bildung, Wirtschaft und Verwaltung und sage: herzlich willkommen zum 50. Geburtstag des Museumsdienstes Köln und seiner erfolgreichen Bilanz!

Im Mittelpunkt des Wirkens über diese lange Wegstrecke steht das unverrückbare Ziel, vor allem Kinder und Jugendliche, aber bei Interesse auch alle Altersgruppen, mit Kunst und Kultur in Berührung zu bringen und vertraut zu machen. Ihnen neue Welten zu erschließen, spielerisch ohne erhobenen Zeigefinger und niemals, niemals belehrend. Erstaunen zu wecken, Fremdes zu verwandeln in einen Gegenstand von hoffentlich lebenslanger Anziehungskraft.

Und so vereint der Museumsdienst Köln in seiner Arbeit die Felder, welche in unserer Zeit die wichtigsten kulturpolitischen Themenschwerpunkte sind: Kulturelle Bildung, Interkultur, Inklusion, – und nicht zuletzt die Vermittlung, die Kommunikation, denn „Communicare“ bedeutet „Teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen, vereinigen.“ Das ist das Fundament menschlichen Zusammenlebens Hand in Hand mit der Kultur!

Aber dieser Weg zur Teilhabe eröffnete sich auch hier in Köln nicht einfach so, nein, das musste –wie vieles- vorbereitet und erkämpft werden. Erlauben Sie mir darum einen Blick zurück.

Im Jahre 1965 ist Gert von der Osten Generaldirektor der städtischen Museen und zugleich Direktor des Wallraf-Richartz-Museums. Mein Vorgänger im Amt ist der berühmte Kurt Hackenberg. Beide finden in dem Kunsthistoriker und Lehrer Günther Ott einen geeigneten Gründungsrektor für das „Außenreferat der Museen“. So hieß die neue Einrichtung damals, und sie bezieht sich damit auf das „Außenamt der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz“ in Berlin, das kurz vorher entstanden war.

Die Kölner Einrichtung war die erste ihrer Art in der Bundesrepublik, und sie blieb lange einzigartig. Als Pionier der Museumspädagogik entwickelte Köln von Anfang an Programme für die ganze Bandbreite der Bevölkerung. Die Veranstaltungen wandten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren und Menschen mit Handicap. Das unterscheidet die Einrichtung nach wie vor von anderen in Deutschland, die sich nur auf den Schulbereich konzentrieren. Mit dieser Gründung und mit dieser Ausrichtung nimmt Köln eine Entwicklung vorweg, die sich eigentlich erst in den 1970er Jahren unter dem Slogan „Kultur für alle“ Bahn bricht.

Das „Außenreferat“ wird in eine politische, kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit hineingeboren. US-Präsident Kennedy und Queen Elizabeth sind zu Gast in Köln, die Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn, bringt eine weitere Stärkung des ohnehin nicht geringen Kölner Selbstbewusstseins. Die Wirtschaft sorgt für Wunder, im April 1960 gibt es in Köln 2612 Arbeitslose, denen 8369 Stellenangebote gegenüberstehen.

Der 1. FC Köln ist 1964 zum zweiten Mal Deutscher Meister (weiteres kann ja auch noch werden), die Halle Deutz hat noch keinen Sponsorennamen, aber die hochkarätigsten Sportereignisse und Konzerte zu bieten. Die Stadt grünt – denken Sie an die Bundesgartenschau im Rheinpark 1957 – und vor allem, sie wächst.

Die Kultur blickt Mitte der 60er Jahre auf zehn erfolgreiche Jahre zurück. Wenige Jahre vorher war die Oper von Wilhelm Riphahn eröffnet worden. Komponisten wie Mauricio Kagel und György Ligeti kommen an den Rhein, begründen die „Kölner Schule“ und machen Köln zu einem Zentrum der Neuen Musik. Das neue Schauspiel startet 1962 mit den „Räubern“. Der „Kunstmarkt Köln“ eröffnet am 15. September 1967 im Gürzenich und verändert den internationalen Kunstmarkt für immer. Der Ruf der modernen Kunstmetropole Köln ist geboren. Und was geschieht in und mit den Museen?

Vieles. 1961 bekommt das Kunstgewerbemuseum endlich ein eigenes Domizil und residiert für mehrere Jahre im Overstolzenhaus. 1957 bereits ist das Wallraf-Richartz-Museum in einem Neubau eröffnet worden. Architekt Rudolf Schwarz hat an der Stelle des alten Museums einen wegweisenden Neubau geschaffen. Das Römisch-Germanische Museum ist noch in weiter Ferne, doch die Sammlung der antiken Stücke ist eine der Abteilungen des 1958 wiedereröffneten Stadtmuseums im Zeughaus. 1964 wird das Diözesanmuseum am Dom eingeweiht. Zum Auftakt zeigt das Haus in Zusammenarbeit mit dem Museum Schnütgen den „Meister des Dreikönigsschreins“. Blockbuster gibt es in Köln seit den 1950er Jahren. Im Staatenhaus sind die „Welt der Etrusker“ und Pablo Picasso zu sehen. Die Werke des Spaniers, darunter das weltberühmte „Guernica“, locken 100.000 Besucher in die Schau. Den Museen fehlt aber ein großer moderner Ausstellungsort, der die neuen Sonderausstellungen beherbergen und die Besucherströme aufnehmen kann. Daher plant die Stadt eine Kunsthalle und eröffnet sie 1967 mit dem Namen Josef-Haubrich-Kunsthalle – genau hier, wie Sie alle wissen. Zur Eröffnung gab es „Römer am Rhein“. Es folgten Meilensteine des Ausstellungswesens wie „Indianer Nordamerikas“, „Die Braut“ oder „Die Parler“ – 304.000 Besucher sahen diese Jahrhundertschau 1979. Die Kunsthalle war nicht nur ein Schaufenster der Kölner Museen, sondern eine Hommage an den Mäzen Josef Haubrich, dessen Vorbild das Ehepaar Ludwig bald folgen sollte, um uns das fantastische Museum Ludwig errichten zu lassen. Hier an dieser Stelle fand aber auch der Kunstverein ein Domizil und hatte mit Harald Szeemann einen der genialsten Ausstellungsmacher zu Gast. Mit „Happening und Fluxus“ löste er 1970 einen veritablen Kulturskandal aus.

Als Institution, die von Anfang an für alle Museen der Stadt Köln und dann auch für die Kunsthalle arbeitete, hatte das Außenreferat gute Bedingungen, wie diese Schlaglichter zeigen. Auf Initiative von Gründungsdirektor Ott und sein Team konnten bald Ausstellungsführer für Kinder und kreative Angebote für Ferien und Schulzeit in das Programm aufgenommen werden. Es sollte eine Zeit dauern, bis dafür auch richtige Räume zur Verfügung standen. Dies ist dem Engagement der folgenden Direktoren zu verdanken. Unter Jürgen Rohmeder konnte der Stab ausgebaut und das Team der freiberuflichen Honorarkräfte deutlich erweitert werden. Unter Prof. Peter Noelke wurde die unbefriedigende Raumsituation endlich gelöst und das Programm in Richtung Schule und Erwachsene deutlich erweitert. Ich freue mich sehr, dass Sie heute hier sind, Herr Prof. Noelke, um mit uns den runden Geburtstag zu begehen. Ihnen ist es gelungen, die in den 1980er Jahren einsetzende Stagnation zu überwinden. 1986 wurde das Außenreferat zum „Museumsdienst“ umbenannt und bekam erstmals die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit zugeordnet.

Das wiederholte sich 2009 erneut. Da waren Sie, Herr Dr. Hamann, zwei Jahre im Amt. Zuvor gab es Diskussionen über die Auflösung des Amtes, was unter der interimistischen Leitung von Winfried Fischer vermieden werden konnte. Auch Sie sind heute auf der Gästeliste, Herr Fischer. Herzlichen Dank für Ihren Einsatz!

Seit 2007 leitet Dr. Hamann nun den Museumsdienst. Sie konnten die Zahlen noch einmal deutlich steigern: nicht nur bei den Besuchern – fast eine Verdoppelung in den letzten 10 Jahren – sondern auch bei den Sponsorengeldern und den Kooperationspartnern, großen Dank Ihnen allen! In den letzten Jahren hat der Museumsdienst ein Gesamtkonzept zur Kulturellen Bildung in Köln mitentwickelt, die Projekte für Menschen mit Migrationshintergrund und Jugendliche, die Programme für Familien und die Arbeit mit Senioren intensiviert.

Und nun aber der Blick in die Gegenwart und die Zukunft, dieser ist nicht minder fruchtbar. Das Wallraf-Richartz-Museum hat ein neues Domizil gefunden, ebenso das Rautenstrauch-Joest-Museum, in dem wir stehen, und das Museum Schnütgen. Oper und Schauspiel gehen einer Neueröffnung der sowohl neuen wie alten Heimat am Offenbachplatz entgegen. Das Historische Archiv erhält zusammen mit dem Rheinischen Bildarchiv seinen Neubau, Kölns Herzstück um den Dom, der Roncalliplatz, bietet die Chance auf einen neuen Museumskomplex, der dann die Historische Mitte der Stadt mit Römisch-Germanischem-Museum und Stadtmuseum zusammen mit Einrichtungen des Dom-Kapitels völlig neu definieren wird. Das Römische Köln und die Jüdische Geschichte bekommen eine würdige Neuinszenierung durch die Archäologische Zone mit dem Jüdischen Museum und das Wallraf-Richartz-Museum seinen Erweiterungsbau.

Danke für die Unterstützung für dies alles an die Kulturpolitiker des Rates, denn Sie haben es entschieden! Doch es gibt noch viel zu tun, zum Beispiel: Perspektiven für die Kunst- und Museumsbibliothek zu erarbeiten. Aber Sie wissen, meine Damen und Herren, die Finanzen der Stadt Köln sind knapp und dennoch passiert so Vieles. Und das bedeutet auch, viel zu tun für den Museumsdienst.

Ein besonderer Dank gilt der Museumspädagogischen Gesellschaft, die mit über 400 Mitgliedern Großartiges in all den Jahren geleistet hat, viele Spenden gesammelt und noch mehr initiiert und bewegt hat. Dafür einen ganz besonderen Applaus, meine Damen und Herren. Danke, Herr Prof. Klein!

Aber das ganze eröffnete Panorama wäre nicht möglich ohne die engagierten Mitarbeiter! Ich gewinne immer wieder den Eindruck eines großen Teamgeistes und eines hohen beruflichen Ethos: ob bei Führungen über die ART Cologne, die der Museumsdienst inzwischen organisiert, oder bei Projektpräsentationen u.v.a.m.

Daher danke ich Ihnen allen, die im und für den Museumsdienst wirken, für Ihren großen Einsatz. Von Verwaltung und Sekretariat über das Veranstaltungsmanagement in der Sachbearbeitung, die Presseabteilung, die hauptamtlichen Referenten für Bildung und Vermittlung bis zur Leitung. Und mein besonderer Dank gilt den 130 freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen, die den Gästen unserer Museen eine wunderbare Zeit bescheren und sie die „Lust am Schauen“ lehren. Ihnen allen, um zum Anfang zurückzukehren, gebührt eine Goldmedaille! Und das „Glück auf“ für weitere 50 Jahre!

Und nun, nach den Reden von Herrn Prof. Klein und Herrn Dr. Hamann, lassen Sie uns feiern! Und damit der Kultur die Ehre erweisen, die ein Fest ist, das niemals endet, erst recht nicht in Köln!

Vielen Dank!

(Rede zum 50-jährigen Bestehen, gehalten zum Festakt am 5. Mai 2015)

 

50 Jahre Museumsdienst Köln. Einblicke | Prof. Dr. Heijo Klein (MPG e.V.)

Sehr verehrte Frau Laugwitz-Aulbach, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Presse und Kultur, liebe Mitglieder und Freunde der Museumspädagogischen Gesellschaft, meine sehr verehrten Damen, meine Herren!

Als Vorsitzender eines Fördervereins begleitet man eine Einrichtung manchmal ein Leben lang – und es freut mich besonders, Kolleginnen, Kollegen und Wegbegleiter aus jenen frühen Jahren unter uns zu wissen, mit denen ich Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre unter dem unvergessenen Günter Ott im damaligen Außenreferat zusammen arbeiten durfte. (Herrn Prof. Noelke und Herrn Dr. Kreidler möchte ich hiermit herzlich begrüßen). Günter Ott – Sie, Frau Kulturdezernentin hatten es gesagt – hatte die museumspädagogische Abteilung der Kölner Museen gegründet. Die Museumspädagogische Gesellschaft wurde unter seinem Nachfolger, Jürgen Rohmeder gegründet. Er hatte das vielbeachtete Dürer-Studio in Nürnberg geschaffen, zusammen mit Joyce Ann Scheuch, der Gemahlin des bekannten Kölner Soziologen. Sie brachte die Idee eines museumspädagogischen Fördervereins aus ihrer Heimat in den USA mit. Ich durfte vor fast zwanzig Jahren, 1996, ihr Nachfolger werden und freue mich, dass Vorstand und Gründungsmitglieder unserer Gesellschaft heute bei uns sind. Die Museumspädagogische Gesellschaft ist der Förderverein des Museumsdienstes und somit einer der Kölner Museumsvereine.

Sie wissen, meine Damen und Herren, ohne das ehrenamtliche Engagement wäre vieles in Köln nicht möglich. Das gilt für auch für Angebote und Projekte für das Publikum. Als Museumspädagogische Gesellschaft, die etwa 400 Mitglieder zählt, haben wir Spenden aufgebracht und vor allem Spenden gesammelt, um Dinge zu initiieren und zu bewegen, für die sonst kein Geld da wäre. Dabei verfügen wir selbst pro Jahr über lediglich 8.000 bis 9.000 Euro, aber wir sind nicht schlecht im Fundraising. Und so konnten wir in den letzten sieben Jahren fast 400.000 Euro in Bildungsprojekte und -programme investieren. Diese Investitionen tätigen wir mit und für den Museumsdienst. Natürlich kommen diese Gelder nicht automatisch, sondern sie sind den Aktivitäten der Direktoren des Museumsdienstes als Vorstandmitglied der Museumspädagogischen Gesellschaft zu verdanken: Prof. Dr. Peter Noelke, der dies initiierte und in intensiven persönlichen Gesprächen mit potentiellen Spendern beachtliche Zuwendungen erreichte, und Dr. Mattias Hamann, der mit besonderem Engagement diese Aktivitäten weiter führt und mit übergreifenden aktuellen Bildungsprogrammen verbindet.

Wie sich die Dinge dabei im Laufe der Jahre ändern, das möchte ich Ihnen an einigen Beispielen erläutern. Im Grunde kommen wir aus der Förderung der Infrastruktur. Der Museumsdienst hatte immer zu wenig Geld, und so haben wir in den 1970er und 1980er Jahren den Aufbau von Werkräumen unterstützt, damit eine dauerhafte Entwicklung von kreativen Angeboten überhaupt möglich wurde. Wenn Sie heute im Römisch-Germanischen Museum eine Gruppe von Jugendlichen in Römischen Gewändern sehen, die die Haltung eines Togatus nachahmen, so deshalb, weil wir die Herstellung der Kleider finanziert haben. Gleiches gilt für Kostüme im Wallraf oder im Stadtmuseum. Ich erinnere auch an die spätmittelalterlichen Kostüme um Stefan Lochner, an das Indianerprojekt im RJM oder an „Zu Tisch“ im Museum für Angewandte Kunst. Wir haben im Aufbau von didaktischen Sammlungen eine wunderbare Möglichkeit gesehen, Museum im wörtlichen Sinne „begreifbar“ zu machen. Diese Sammlungen, die der Museumsdienst nutzt, gehörten zu den ersten in Deutschland. Noch heute geben sie Impulse für den Start von Kindern in die Museumswelt.

Ein zweiter Förderschwerpunkt waren Hefte und Materialien, die Schüler und Lehrer nutzen konnten. Viele wurden immer wieder neu aufgelegt und geben Leitlinien dafür, wie man Museum und Schule verbinden kann. Ich erinnere nur an das Internationale Colloquium „Zwischen Malkurs und interaktivem Computerprogramm“. Der rasche Medienwandel wird zeigen, wie sinnvoll es ist, diese Materialien zu drucken (was ich, da ich in jungen Jahren aus dem graphischen Gewerbe kam, natürlich bevorzuge). Parallel haben wir in den letzten Jahren immer wieder in Pilotprojekte investiert, die den Social Media-Bereich zur Vermittlung nutzten.

Wenn wir bestimmte Veranstaltungsreihen unterstützen, dann immer in der Hoffnung, sie zum Selbstläufer werden zu lassen. Jeden Samstag können Kinder in den Museen einen Kurs machen. Gegen Gebühr. Ärgerlich ist es, wenn man absagen muss, weil sich zu wenige anmelden, Kinder und Eltern sind dann enttäuscht. Daher haben wir eine Durchführungsgarantie gegeben und die Finanzlücken gedeckt. Seit einigen Jahren laufen die Programme, nun und sind sie fast immer ausgebucht.

Von diesen Standards der Vermittlungsarbeit haben wir uns jedoch in den letzten Jahren immer wieder weg bewegt und sind zusammen mit dem Museumsdienst auf die Suche nach neuen pädagogischen ‚Welten’ gegangen, die es für die Vermittlungsarbeit zu erschließen gilt. Wir sind ein Förderverein und vertrauen daher in den Instinkt des Museumsdienstes. Wir wurden nicht enttäuscht. Bei unserer Unterstützung sind wir aber nicht allein, und bevor ich zum Abschluss über mehrere Dinge spreche, die uns im Vorstand sehr bewegt haben, darf ich den Partnern danken, die sich auf unsere Anträge und Bitten hin ebenfalls für die Vermittlung und damit für das Publikum engagieren. Die Rheinenergie Stiftung Kultur ist ein sehr verlässlicher Partner, ebenso die Börner Stiftung. Die Kulturstiftung Köln der Kreissparkasse Köln hat ein bundesweit einmaliges Projekt ermöglicht, das wir mit begleiten. Ford und Toyota, Sparkasse Köln Bonn, Kreissparkasse Köln und Kölner Bank, die Altenhilfe der Kölnischen Rundschau und die Bezirksregierung haben immer wieder die Ideen des Museumsdienstes unterstützt und unseren Antrag „erhört“. Was waren nun die Inhalte dieser Allianzen?

Der gesellschaftliche Wandel betrifft auch die Museen, in ganz vielen Facetten. Nehmen wir den Aspekt des Älterwerdens. Er bringt einen steigenden Anteil von dementiell veränderten Menschen mit sich. Zusammen mit der Altenhilfe tun wir etwas gegen die soziale Ausgrenzung und fördern ein Projekt des Museumsdienstes, das Gruppen von Demenzpatienten in vier unserer Kölner Museen bringt. Wenn Sie einmal Zeuge waren, wie ein Bild von Max Liebermann oder eine Ansicht des Doms die Erinnerung zurückbringt, werden Sie das nie mehr vergessen.

Die RheinEnergie Stiftung hat uns bei dem ungewöhnlichen Projekt „Madonna“ unterstützt. Eine Gruppe junger Frauen ohne jegliche Museumserfahrung, aus sozial prekären Verhältnissen und mit Heimerfahrung, wurde vom Museumsdienst an die Museen herangeführt. Am Beispiel von Pop Art, Barockmalerei und mittelalterlichen Heiligen reflektierten sie Frauenbilder und ihre eigene Rolle, ihre Stärken und Schwächen. Am Ende stand eine Fotoausstellung mit Portraits, mitten im Museum Schnütgen. Für manche Museumsbesucher sicherlich eine Provokation, aber auch ein mutiges Statement.

Um dem gesellschaftlichen Auseinanderdriften entgegen zu wirken und bereits frühzeitig die Museen als Orte der Kommunikation und der eigenen Lebenswelt zu implementieren, konnten wir die Salomon Oppenheim-Stiftung für zwei Vorhaben gewinnen. Drei Jahre lang können nun Kindergärten aus dem sozialen Brennpunkt kostenlos ein Programm in den Museen erleben. Das sind 150 Gruppen pro Jahr, die sonst vielleicht niemals der Pop Art oder dem Mittelalter, den Römern oder der Kunst Ostasiens gegenübergestanden hätten. Und Einrichtungen des Offenen Ganztags erleben in intensiven dreitägigen Projekten nun ebenfalls Aspekte des Kulturellen Erbes.

Das letzte Projekt, das ich erwähnen möchte, ist der „museumsbus koeln“. Nachdem schon früher ein Bus – aber nur in das Wallraf – fuhr, konnte der Museumsdienst nun die Kreissparkasse Köln respektive ihre Kulturstiftung davon überzeugen, dass alle Museen einen Besuch wert sind. Als Museumspädagogische Gesellschaft sorgen wir dafür, dass die vier von der Kreissparkasse unterstützten Museen, um den Reigen der anderen Häuser erweitert werden. Bis zum Sommer 2017 werden durch die vom Regionalverkehr Köln gesponserten Fahrten 10.000 Schülerinnen und Schüler aus der Region nach Köln kommen.

Die Ideen zu diesen Projekten stammen nicht von uns, sondern von Herrn Dr. Hamann und seinem Team. Ihm danken wir besonders für stets zugängliche Information und – auch für diese Veranstaltung – für die großzügige Vorbereitung. Wir, die Museumspädagogische Gesellschaft, freuen uns, dass wir bei den Projekten des Museumsdienstes mithelfen können. Und - wenn Sie, verehrtes Publikum, das ebenso positiv sehen, dann helfen Sie uns. Antragsflyer liegen draußen auf den Tischen aus. Denn ohne diese Unterstützung geht es nicht. Der Museumsdienst hat für diese Projekte so gut wie keine städtischen Mittel. Vielleicht lässt sich, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Rates, zukünftig daran etwas ändern.

Vielen Dank!

(Rede zum 50-jährigen Bestehen, gehalten zum Festakt am 5. Mai 2015)

Das Museumspublikum von morgen | Dr. Matthias Hamann (Direktor des Museumsdienstes)

Sehr geehrte Kulturdezernentin, Lieber Herr Prof. Klein, verehrte Gäste aus Politik, Presse, Bildung und Wirtschaft, liebe Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

nach Rückblicken, Einblicken und Ausblicken – herzlichen Dank, Frau Laugwitz-Aulbach, lieber Herr Prof. Klein – am Ende nun einige weiter streuende Gedanken zum Thema Ausblick. Zunächst darf ich Ihnen aber sagen, dass ich mich, ja dass wir uns als Museumsdienst freuen, Sie hier zu sehen.

Wie kann ein Ausblick aussehen? Um eine zukünftige Finanzausstattung oder einen Mitarbeiterstab kann und soll es nicht gehen, ebenso wenig um eine Prognose zur Kölner Museumslandschaft in 20 Jahren. Das wäre natürlich sehr spannend, denn sowohl Akteure als auch immer wiederkehrende Leitmotive in diesem Handlungsrahmen versprechen einen spannenden Plot, vielleicht sogar einen Krimi. Nein, wenn es um einen Ausblick geht, dann am ehesten am Leitfaden des Besuchers von heute und von morgen.

Bei der Durchsicht alter Unterlagen sind wir unlängst auf ein Bild gestoßen. Man sieht darauf einen Jungen der 1970er Jahre, der mit Feuereifer aus Ton einen kleinen Teufel formt. Das Ganze findet mit hoher Wahrscheinlichkeit im Museum Schnütgen statt, denn dort lässt sich die Teufelsfigur sammlungsspezifisch verorten, in einer der provisorischen und mobilen Werkstätten, die wir dort über Jahre hatten, bis es zu diesem Neubau hier kam, mit dem sich unsere Bedingungen deutlich verbessert haben.

Die Begeisterung des Jungen springt geradezu über. Das Bild könnte noch heute so entstehen und hat eine überzeitliche Gültigkeit. Und dennoch führt es in die Irre. Denn die Verkürzung von Museumspädagogik auf Bastelkurse für Kinder oder auf Führungen für Schulklassen greift zu kurz. Die Zielgruppen des Museumsdienstes reichen von Kindergärten bis zu Senioren, von jungen Männern, die bereits einmal im Gefängnis saßen über Auszubildende bei Ford bis zu Demenzpatienten, von VIP-Gruppen über muslimische Frauenverbände bis zu Einzelführungen für Staats- und OB-Gäste.

Sie erleben bei uns Führungen und Gespräche, mehrteilige Kurse und Diskussionen, Theaterspiele oder intensive Dialoge. Immer eine Begegnung mit Kunst oder kulturellem Erbe, und oft eine Begegnung mit sich selbst.

Denn das ist der Kern einer erfolgreichen Vermittlung: die Erfahrung, die der Besucher mit sich selbst und seinen eigenen Interessen macht, neue Facetten entdeckt und alte bestätigt sieht. Wenn diese Saite in einem Gast angeschlagen wird, dann kann sich der Erfolg einstellen. In bildungstheoretischen Zusammenhängen spricht man da von der „Lebenswelt“, die sich spiegeln muss. Ich möchte eher von der potenziellen Lebenswelt sprechen, denn unser Job ist es, dem Besucher eine Idee seiner eigenen Potenziale zu geben und ihn herauszufordern.

Diesen Job machen beim Museumsdienst 140 feste und vor allem freiberufliche Kollegen, und sie machen ihn fantastisch. Bei Wind und Wetter gewissermaßen, denn manchmal herrscht in den Sammlungen und Ausstellungen heiter Sonnenschein und manchmal Sturm.

Die freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen sind ausgewiesene Experten, doch sie werden leider nicht so entlohnt. Die Honorare, die wir zahlen können, sind gering, und es sollte auch weiterhin die Anstrengung von Verwaltung und Politik gleichermaßen sein, hier eine Verbesserung zu erreichen.

Aber zurück zum Besucher. Möchte er denn überhaupt herausgefordert werden? In den 1990er Jahren hat ein Wissenschaftler namens Heiner Treinen die These aufgestellt, ein Museumsbesuch sei eine Art kultureller Schaufensterbummel, bei dem der Besucher sich im Zustand des aktiven Dösens bewege und ab und an aufwache. Die Provokation vom „cultural window shopping“ saß tief und erzeugte eine lebhafte Diskussion. Wenn wir bei diesem Bild bleiben, dann ist es die Aufgabe des Vermittlers, eine Art „personal shopper“ des Besuchers zu sein. Kennen Sie das? Große und vor allem teure Kaufhäuser haben „personal shopper“. Sie geben den Kunden eine Orientierung und bringen ihn zu den Dingen, die ihn interessieren. Und daher sollten wir immer wieder darüber nachdenken, was unsere Kunden, also die Gäste im Museum interessiert. Das gilt für Museumsleute und Museumspädagogen gleichermaßen.

Aus Sicht des Museumsdienstes reicht es nicht, die Zielgruppen einzuteilen in Kindergärten, Grundschulen, Senioren, Touristen, Berufstätige oder andere. Denn damit wissen wir überhaupt noch nicht, was die Leute interessiert. Wir sollten wissen, aus welcher Lebenswelt sie kommen. Gehören sie einem traditionellen Milieu aus Bickendorf an oder sind sie Teil der Ehrenfelder Kreativszene? Entstammen sie der gesellschaftlichen Mitte und haben ein Reihenhaus in Longerich mit kleinem Garten für die beiden Kinder, oder sind sie Junkersdorfer Rotarier? Denn dann haben sie jeweils ein anderes Umfeld, andere Wertvorstellungen und möchten auf unterschiedliche Weise angesprochen werden.

Und sie kommen mit unterschiedlichen Motiven und Motivationen ins Museum. Eine 65jährige Dame – nennen wir sie Renate –, die als Personalerin gearbeitet hat und nun in den Ruhestand geht, kommt an einem Ferientag mit ihren Enkeln, weil sie denen etwas Gutes tun möchte, steht im Urlaub lange vor den Accademia in Florenz an, um endlich auch Michelangelos David gesehen zu haben, liebt ab und an den Besuch in Kolumba, weil das so wunderbar meditativ ist und geht mit ihrer Freundin am Dienstag in eine intensive Führung zur neuen Designausstellung im MAKK, bevor sie dann im tollen Innenhof dort Kaffee trinkt. Eine Person, vier Motive. Die amerikanische Forschung unterscheidet sogar fünf verschiedene Typen von Museumsgängern. Und wenn wir in uns hinein horchen, dann sind wir in unterschiedlichen Situationen selbst jeder dieser Typen.

Natürlich wissen wir als Vermittler nicht vorher, wer denn da nun vor uns steht. Aber es lässt sich steuern: über Tages- und Wochenzeiten, über Themen und Formulierungen. Und über Diversifizierung von Kommunikationskanälen. Deshalb unterhalten wir so viele verschiedene Broschüren und Newsletter. Der Erfolg gibt uns dabei Recht, die Zahl unserer Gäste ist deutlich angestiegen, seit wir mit verschiedensten Instrumenten heran gehen.

Und dennoch wissen wir nicht genau, wer wann warum und wohin kommt. Daher streben wir als Museumsdienst eine Intensivierung der Besucherforschung an. Doch auch ohne detaillierte Kenntnisse lassen sich Überlegungen anstellen und Prognosen treffen, wie das Publikum von morgen aussehen wird. Schon jetzt ist deutlich, dass ein klassisches Museumspublikum verschwinden wird. Zudem sind die Lebensentwürfe andere als vor 30 Jahren. Bestand eine Biographie der 1980er Jahre noch aus der klassischen Abfolge von Kindheit/Jugend, Arbeitsleben mit Familie und dem verdienten Ruhestand, so finden wir heute etwas völlig anderes.

Auf Kindheit und Jugend folgt eine lange Postadoleszenz, bevor das Gros der Bevölkerung in den westlichen Gesellschaften in die Rush Hour des Lebens gerät. Zwischen 30 und 50 heißt es: Gas geben, arbeiten, durchaus in mehreren Jobs hintereinander, vielleicht Familie gründen, vielleicht nicht. Ab etwa 50 stellt sich die Sinnfrage ein. Wofür mache ich das eigentlich alles? Und viele beschäftigen sich mit dem Ausgleich von Beruf und privat, entdecken die Langsamkeit und bewegen sich vom Beruf zur Berufung. Um den Rentenbeginn herum wird die Berufung zur Leidenschaft – ein zweites Studium, ausgiebige Reisen, Ehrenämter sorgen für eine mentale und intellektuelle Verjüngungskur.

Die Familie kann aus mehreren Strukturen hintereinander bestehen. Der Begriff des Lebensabschnittspartners beleuchtet das sehr treffend. Eine erste Familie, vielleicht eine zweite, vielleicht als Patchwork. Freunde hingegen begleiten einen ein Leben lang. An verschiedenen Orten und auch in digitalen Welten.

Was heißt das für Museen und die museale Vermittlung? Zum einen, dass es immer schwieriger sein wird, die Besucher in der Mitte ihres Lebens zu bekommen, zumal für ausgedehnte, mehrteilige Angebote. Zum anderen, dass Familien zum raren Gut und damit zu einer heißumkämpften Besuchergruppe werden. Und schließlich, dass das Publikum älter werden wird. Sind unsere Schrifttafeln groß genug? Haben wir genug Sitzmöglichkeiten? Das sind nur zwei von vielen Aufgaben, die allein die Logistik an uns stellt. Zudem wird das Publikum bunter, und die vielfältige Gesellschaft unserer Städte wird die Museen besuchen wollen, aber vielleicht zu ganz anderen Themen, als wir derzeit im Angebot haben. Nachfrage also wird es geben, aber anders als heute. Und neue Trends werden unsere Gesellschaft prägen. Sie sind schon da, wie Sie an einigen Beispielen gleich merken werden, und sie werden sich verstärken.

Ein Megatrend ist die Globalisierung, mit all ihren positiven und negativen Aspekten. Das gibt den Museen einen unglaublichen Fundus für neue Inszenierungsthemen, aber auch für eine veränderte Nachfrage.

Ein zweiter Trend, den ich für entscheidend halte, ist der der Authentizität. Angesichts der immer weiter um sich greifenden virtuellen Welten gibt es eine Gegenbewegung. Sie merken das am Lebensmittelangebot: regionale Produkte, nachhaltige Produktion, kleine Erzeugerbetriebe, Terroir sind Schlagworte, die für Authentizität stehen. Und diesen Trend können Museen nicht nur bedienen, sondern aktiv steuern. Nicht selten erleben wir, dass Besucher in Veranstaltungen ungläubig sagen: Ist das alles echt? Ja, ist es, und es gibt kaum Orte höherer Authentizität und höherer Glaubwürdigkeit als Museen.

Ein dritter Megatrend ist die Konnektivität. Alles ist mit allem verbunden. In wenigen Jahren werden Multimediaguides die Hörknochen abgelöst haben, die derzeit noch die Audioführungen enthalten. Ein Objekt wird in vielerlei Hinsicht erfahrbar sein, Musikstücke können ein barockes Historiengemälde untermalen, während zugleich ausführlich erläutert wird, wer denn dieser Diogenes da in der Tonne ist, und wer der Herrscher vor ihm – Alexander der Große. Das eigene Smartphone wird auch im Museum zum Informationszentrum werden, mit dem man Tickets kaufen, den virtuellen Shop besuchen und natürlich den Tisch für das Dinner danach buchen kann.

Ein weiterer Trend, der die Museen betrifft, wird die Individualisierung sein. Die Zielgruppen werden schon heute immer kleiner, und jeder einzelne hat ein sehr eigenes Interessensprofil. Das wird zu einer Verbreiterung des Vermittlungsangebotes führen, aber auch zu anderen Finanzierungsmodellen, denn das ist teuer. Und schließlich wird der Trend zur Partizipation immer stärker werden. Schon jetzt merken wir eine immer höhere Bereitschaft sich einzubringen. Das gilt für Bürgerbegehren genauso wie für klassische Museumsführungen. Wenn jedoch die Museumsleute ihre Besucher nicht partizipieren lassen, dann werden sie mit ihren Objekten allein sein.

Ob wir das alles so wollen, sei dahin gestellt. Die Augen zu verschließen ist aber keine Lösung. Nehmen wir als schönes Beispiel das Fernsehprogramm, sagen wir von gestern Abend. Das Erste zeigt das DFB-Halbfinale. Im ZDF ein Krimi, auf den Privaten unzählige Krimiserien oder mehrfach gesehene Filme und unglaublich schlechte B-Movies. 3 SAT hat einen Themenabend, ARTE eine französische Komödie. Keiner muss diese Angebote akzeptieren, denn Streaming-Dienste und Onlinevideotheken stellen unendliche Möglichkeiten der Abwechslung bereit. Das „Aktive Dösen vor der Glotze“ ist er „aktiven Suche nach dem Inhalt“ gewichen. Im Analogschluss dürfte auch der museale Schaufensterbummel zu einer interessierten Suche nach den echten Dingen werden.

Im Museumsdienst haben wir in den letzten sieben Jahren vier Ziele verfolgt: Programm für Kinder und Familien, für Jugendliche, für Menschen mit Migrationshintergrund und für Senioren. Unsere diesjährige Reflexionsphase – wir werden ja 50 und treten ja nun in den Lebensabschnitt der Reflexion ein – wird uns zu weiteren Zielen führen. Und das werden die Themen Inklusion, Partizipation und lebenslanges Lernen sein.

Wir haben einen langen Atem und eine hohe Ausdauer – Marathonläufer der Kulturellen Bildung gewissermaßen. Ob wir auch genug Mittel haben, das sei einmal dahin gestellt. Denn in Geld schwimmen wir nicht, und daher sind wir auch beim Catering, das gleich folgt, zurückhaltend. Und die Geschenke, die wir für Sie haben, sind ebenfalls klein. Aber fein: Die Bleistifte draußen sind zum Mitnehmen, die Karten zum Ausfüllen. Wir haben Karten hergestellt, auf denen Sie Ihre Gedanken zum Museum aufschreiben und an einen Wunschbaum hängen können.

Unsere Geschenke ans Publikum beziehen sich auf die KölnTage. An jedem ersten Donnerstag im Monat werden wir bis zum Jahresende ein Spezialprogramm anbieten und den Besuchern die ganze Bandbreite von Vermittlung im Museum zeigen.

Wir sind nun also gespannt – auf Ihre Haltung zu Museen, aber genauso auf die nächsten Jahre. Seien Sie es auch. Vielen Dank!

(Rede zum 50-jährigen Bestehen, gehalten zum Festakt am 5. Mai 2015)

 
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