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Museum: Architektur

Ein Haus für Kunst und Musik

Domplatte Köln

Domplatte Köln


Köln war nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem vitalen Zentrum der Kunst in der Bundesrepublik Deutschland geworden - eine Ausnahmestellung, die auf eine lange Tradition zurückgeht. Die Stadt besaß außergewöhnliche Museumsbestände, und es war gelungen, diese vor der Zerstörung im Krieg zu retten. Zu den zahlreichen bedeutenden Museen gehört das Wallraf-Richartz-Museum, für das 1957 von Rudolf Schwarz ein Neubau an der Stelle des zerstörten Vorgängerbaus errichtet worden war. Die Bestände des Museums hatten zunächst Werke aus den Epochen vom Mittelalter bis 1900 umfasst. 1946 waren sie durch die Sammlung Haubrich erweitert worden. Mit den damit gewonnenen Werken hauptsächlich expressionistischer Kunst, aber auch anderer Werke der klassischen Moderne, war der Grundstock zur modernen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums gelegt, aus der 1976 das Museum Ludwig hervorging; in diesem Jahr wurde der Schenkungsvertrag zwischen dem Ehepaar Ludwig und der Stadt Köln unterzeichnet. Denn spätestens jetzt war das Wallraf-Richartz-Museum zu klein geworden, um all die ihm anvertrauten Kunstwerke in einer ihrer Bedeutung und Bandbreite angemessenen Weise zu präsentieren. Rat und Verwaltung der Stadt beschlossen daher, für die Bestände beider Häuser einen gemeinsamen Neubau errichten zu lassen. Als Standort für das neue „Doppelmuseum" wurde ein Areal zwischen dem Ostchor des Doms und dem Rhein gewählt. Im Norden begrenzen Eisenbahnlinien das Gelände, im Westen schließen sich das in den 1960er Jahren errichtete Römisch-Germanische Museum und der Dom an. Über die Verbindung zum Rhein, lange durch eine verkehrsreiche Bundesstraße und eine Eisenbahnlinie gekappt, konnte neu nachgedacht werden, da der Bahnverkehr an dieser Stelle 1978 aufgegeben werden sollte, und bereits geplant war, den Autoverkehr im schließlich 1982 fertiggestellten Rheinufertunnel verschwinden zu lassen. Die Altstadt konnte sich wieder zum Rhein öffnen.

Museum Ludwig und Kölner Dom, Foto: Tomas Riehle

Museum Ludwig und Kölner Dom, Foto: Tomas Riehle

260 000 Kubikmeter Raum wurde neu umbaut - das entspricht dem Volumen des Kölner Doms! Dass man diese große Masse nicht als erdrückend und gewaltig wahrnimmt, liegt zum einen an der fein aufgefächerten und sorgfältig gegliederten Baukörperstruktur, die sich bereits in den zinkverkleideten Sheddächern abzeichnet. Weit wurde das graue Eindeckungsmaterial heruntergezogen und verleiht so dem Gebäude eine unverkennbare Prägung. Die Fassaden sind mit Ziegeln bekleidet. Ein schlichtes Ornament aus vertikalen Reihen verleiht ihnen eine die Flächen belebende Struktur. Zum anderen haben die Architekten Teile des Komplexes, die kein Tageslicht benötigen, unter die Oberfläche gelegt: Neben den Technikräumen und den Parkplätzen gehört dazu auch der Konzertsaal.

Foyer Museum Ludwig, Foto: Tomas Riehle

Foyer Museum Ludwig, Foto: Tomas Riehle

Der seinerzeit für zwei Museen errichtete Bau ist heute nur noch die Heimat des Museums Ludwig. Dessen Bestand war nicht zuletzt dank des anhaltenden Mäzenatentums der Ludwigs sukzessive erweitert worden, und schließlich übereignete 1994 das Ehepaar auch seine bedeutende Picasso-Sammlung dem Museum. Die Liaison mit dem Wallraf-Richartz-Museum wurde wieder gelöst, 2001 erhielt die in Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud umbenannte Institution zwischen Rathaus und Gürzenich einen eigenen Neubau, diesmal hieß der Architekt Oswald Mathias Ungers. Seit ihrer Wiedereröffnung im November 2001 sind die Museumsräume im Haus am Dom ganz der internationalen Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet; die Präsentation des umfangreichen Bestands wird regelmäßig durch große und kleinere Ausstellungen zeitgenössischer Kunst ergänzt. 2003 und 2004 wurden einige wenige Umbauten vorgenommen, die vom Architekturbüro Busmann + Haberer geplant wurden. Bis dahin waren die Räume der beiden Museen geschossweise voneinander getrennt, eine Treppe in der Ostspitze des Museums verband sie zu einem Rundgang. Der Bereich der Wechselausstellungen war davon vollständig separiert. Durch den Einbau zweier zusätzlicher Treppen wurde der Rundgang erheblich erleichtert, auch die Räume für Wechselausstellungen sind nun in diese Wegeführung eingebunden. Die dem Museum vorgelagerte Eingangshalle, die auch als Passage dient, in der sich Passanten über aktuelle Ausstellungen und Aktivitäten des Hauses informieren können, wurde von Einbauten befreit und übersichtlicher gestaltet. Dahinter schließt sich nach wie vor das Forum an; so hatten die Architekten den Raum genannt, der von der großen, eindrucksvollen Treppenanlage geprägt wird, die die Museumsgeschosse verbindet. Der Kassentresen liegt unter der Treppenanlage. Schon vor dem Ticketkauf oder auch nur beim Besuch des Cafés, das sich mit dem Forum zu einer offenen Sequenz fügt, erhält der Besucher einen Eindruck von diesem Haus und der Kunst, die darin gezeigt wird. Von dieser Treppenhalle aus sind auf drei Geschossen die in der Längsrichtung des Museums angelegten Ausstellungsräume zugänglich. Vom Eingang kommend links geht es ein paar Stufen hinab zu den Räumen für die Wechselausstellungen, auf den Obergeschossen sind hauptsächlich Werke aus der Sammlung des Museums zu sehen, doch auch hier werden einzelne Räume für Wechselausstellungen unterschiedlichen Umfangs genutzt. In den Obergeschossen zweigen von einer durchgehenden, sich in die Tiefe erstreckenden Achse, der "Museums- oder Ausstellungsstraße", Kabinette ab; zu einer Seite im ersten Obergeschoss, zu beiden Seiten der Achse im zweiten. Größere Räume wechseln mit kleineren ab, am Ende der Museumsstraße bietet ein zweigeschossiger Raum Platz für größere Installationen. Hier, am östlichen Ende, verbinden Treppen die drei Geschosse erneut miteinander, so dass Rundgänge durch alle Räume möglich sind. Weitere Ausstellungsräume finden sich im ersten Obergeschoss in Richtung Dom, heute sind hier Werke des Expressionismus zu sehen. Der Gang durchs Museum wird noch bereichert durch Öffnungen, durch die immer mal wieder der Blick nach außen, zum Rhein, auf den Dom, auf den Heinrich-Böll-Platz, zur Hohenzollernbrücke geworfen werden kann.

Cover von: Die Neuen Architekturführer, Nr. 149

Cover von: Die Neuen Architekturführer, Nr. 149


Dieser Text ist dem Neuen Architekturführer Nr. 149 Museum Ludwig & Kölner Philharmonie, Stadtwandel Verlag entnommen. Er ist in deutsch und englisch in der Buchhandlung Walther König für 3 € erhältlich.

Das abwechslungsreiche Raumkonzept lässt den Besuchern alle Freiheiten. Sie können selbst entscheiden, ob sie alles sehen oder sich nur in einem bestimmten Bereich in die präsentierten Werke vertiefen wollen.Weitere Ausstellungsräume befinden sich im Untergeschoss, sie grenzen direkt an das Foyer der Philharmonie und können zu ihm geöffnet werden. Damit umfassen die Ausstellungsbereiche annähernd 9000 Quadratmeter.

Doch damit nicht genug, denn zum umfangreichen Kulturangebot des Museums gehört auch eine Bibliothek, die im Westteil des Gebäudes im ersten Obergeschoss liegt, jenseits der Eingangspassage. Sie hat ihren eigenen Eingang, ebenso wie der direkt daneben liegende Kinosaal, der seit 2005 vom Filmforum NRW genutzt und belebt wird. Die darüber liegende Dachterrasse direkt gegenüber dem Dom wird im Sommer als Open-Air-Kino genutzt.


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