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Bild der 18. Woche - 1. bis 7. Mai 2006

Ein Museum als erfüllter Lebenstraum 

Adolf Fischer (04.05.1856 - 13.04.1914) Gründer des Museums für Ostasiatische Kunst Köln mit der Figur einer chinesischen Grabwächtergottheit aus dem 8. Jh. vor der Museumseröffnung im Oktober 1913. Museum für Ostasiatische Kunst Köln, Foto: Archiv

Zum 150. Geburtstag Adolf Fischers

Als „charmanten, achtzehn Jahre älteren, weltgewandten Wiener“ so sah ihn Frieda Fischer-Wieruszowski (1874-1945) noch drei Jahrzehnte später in ihrer Erinnerung an die erste Begegnung mit dem späteren Gründer des Museums für Ostasiatische Kunst Köln. Nur drei Monate später war die junge, kunstinteressierte Lehrerin einer Schule für Höhere Töchter mit Adolf Fischer, dem „Mann der Tat“, verheiratet. Ihre Hochzeitsreise nach Japan Ende 1887 war der Auftakt zu einem Eheleben überwiegend auf Fernostreisen im Dienste der Kunst.

Adolf Fischer (1856-1914) hatte das große Glück, dass er ausgeprägte Interessen hatte und ihnen nachgehen konnte, da er aus sehr wohlhabenden Verhältnissen stammte. Er war ein Mensch, der sich ganz für eine Sache begeistern konnte, und dann nicht nur mit Enthusiasmus, sondern auch voller Tatkraft sein Ziel konsequent verfolgte. Adolf Fischer wurde kaum 58 Jahre alt, doch führte er ein volles, intensiv genutztes Leben.

Der 1856 geborene kunstsinnige Sohn eines Wiener Großindustriellen ließ sich im Anschluß an eine kaufmännische Lehre zum Schauspieler ausbilden. Adolf Fischer war ein gradliniger, kompromissloser Mensch. Intrigen waren ihm verhaßt. Nach nur wenigen Jahren gab er daher die Stelle eines Theaterintendanten und den Schauspielerberuf aus Enttäuschung auf. Durch eine Weltreise versuchte er, die unerfreulichen Erlebnisse zu vergessen und entdeckte dabei seine Liebe zu Japan und zur ostasiatischen Kunst. Eine Liebe, die er erfolgreich seiner Frau vermittelte.

In der damaligen Zeit waren Reisen kein Vergnügen. Die wenigsten Menschen reisten ohne Anlaß. Reisen waren nicht nur extrem zeitaufwendig, sondern auch anstrengend, teuer und unter Umständen gefahrvoll. Mut, Ausdauer und Durchhaltevermögen waren erforderlich.

Adolf und Frieda Fischer sammelten Kunstschätze im Fernen Osten, die sie mit Begeisterung und Geschick aufspürten. Zunächst relativ unspezifisch, bis Adolf Fischer 1902 die Idee der Gründung eines Museums für Ostasiatische Kunst kam. Zur damaligen Zeit fristeten ostasiatische Kunstgegenstände in europäischen Völkerkundemuseen ein Schattendasein neben ur- und frühgeschichtlichen Kulturen, oder sie wurden als Anregung für das zeitgenössische europäische Kunsthandwerk in Kunstgewerbemuseen ausgestellt. Ein eigenständiges Museum, in der die Kunst Ostasiens nach Gattungen und Epochen gegliedert präsentiert wurden, war eine Neuheit.

Adolf Fischer verfolgte diese Vision, zunächst für Berlin, dann, nachdem dies wegen Spannungen gescheitert war, für Kiel. Dieser Traum wurde seine Lebensaufgabe. Während seiner Zeit als Kulturattaché der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking (1904-1907) mit dem Auftrag für Museen des Deutschen Reiches Kunstgegenstände zu sammeln, kaufte er parallel dazu für das geplante eigene Museum in Kiel Exponate. Die verschlechterte Finanzlage der Stadt Kiel führte im Februar 1909 zur Vertragsauflösung. Nur wenige Monate danach unterschrieben Adolf und Frieda Fischer zusammen mit den Honoratioren der Stadt Köln den Gründungsvertrag des Museums für Ostasiatische Kunst Köln (21. Juni 1909). Neben seiner einzigartigen Sammlung und seiner kostbaren Bibliothek gab Adolf Fischer noch einen hohen Anteil zum Bau des Museums aus seinem Privatvermögen dazu.

Zum Zeitpunkt der Museumseröffnung, am 25. Oktober 1913, betrug die Anzahl der inventarisierten Kunstgegenstände 4.529 Objekte. Einiges davon wurde 1917 bei einer Auktion verkauft oder fiel den Wirren des 2. Weltkriegs zum Opfer. Dennoch bildet die Sammlung Fischer bis heute den Grundstock des Museums für Ostasiatische Kunst Köln. Die am 20. Mai 2006 beginnende Ausstellung „Alte Kunst aus China, Korea und Japan“ ist eine Würdigung des Museumsgründers, der nur ein halbes Jahr nach der Verwirklichung seines Lebenstraums an einem Schlaganfall starb

B. Clever

Der Grabwächter kann ab dem 20. Mai 2006 bis zum 07. Januar 2007 in der Ausstellung „Alte Kunst aus China, Korea und Japan“ im Museum für Ostasiatische Kunst Köln besichtigt werden. Öffentliche Führungen jeden Sonntag, jeweils um 12.00 Uhr (finanziert durch DiXing Asian Life Style, nur Eintrittsentgelt).

Index

Kalender: 2006

Institut: Museum für Ostasiatische Kunst

Gattung: Photographie

Motivik: Nachruf / Zum Gedenken

Epoche: 20. Jh.

Autor: B. Clever

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